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Musik, Kino, Kultur, Radio


Neue Kategorie: Elektronische Musik

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 3. Juni 2014, 16:31pm

Kategorien: #NEU! Elektronische Musik

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Bildquelle: WDR3 - Studio für elektronische Musik

 

Vor ein paar Jahren, habe ich den deutschen alt Experimentalmusikmeister Hans-Joachim Roedelius gemeinsam mit dem etwas jüngeren Elektroniker Stefan Schneider (To Rococo Rot, Kreidler) auf der Bühne eines alten Kinosaals in Köln gesehen. Dieses Konzert war der Anlass dafür, dass ich mich kontextuell mit Elektronischer Musik aktiv und passiv beschäftige.

Als die Discomusik endete, Hip Hop Musik begann und Musiker Elemente aus Soul, Funk und Breaks zu einer Mixtur vereinigten, wollte ich schon aktiver werden. Das war Mitte der 1990er Jahre. Allerdings war es mir finanziell unmöglich, mir neben meiner Gitarre weitere Instrumente anzuschaffen.

Erst als ich die ersten Jam Packs und die Musikproduktionssoftware GarageBand entdeckt und verstanden hatte, beschloss ich aktiver zu werden. Als ich darüber hinaus verstanden hatte, wie man die digitalen Schnittstellen zwischen elektronischen Instrumenten nutzt und kapiert hatte, dass man selbst einen kleinen analogen Synthesizer, wie den Korg monotribe für bereits € 150,00 erwerben kann und man zudem eine Gitarre in die Infrastruktur der ganzen Hardware einweben und aufzeichnen kann, war es um mich geschehen.  Aber war ich schon ein elektronischer Musiker?

Nein! …und ich werde es auch nicht mehr werden! Diese Erkenntnis ist scheinbar leichter geschrieben als angenommen. Denn wir leben in Zeiten wo jeder Notenphobiker und harthörige Banause durch ein bisschen rumschieben von Spuren in einem normalen Computer, sehr einfach ein imposantes Rauschen und Wabern hinbekommt. Wenn man noch ein tiefgründiges Gesicht drauf hat und ein paar gute soziale Musikkontakte, ist der erste Auftritt als „elektronischer Musiker“ nicht mehr weit.

Ich habe viele dieser „Acts“ gesehen in den letzten Jahren. Egal, ob nun im Vorprogramm einer renommierten Band, bei der Aufstellungseröffnung einer drittklassigen Künstlerin oder auf irgendeinem Festival als später Headliner in Form einer angeblich total innovativen Elektrodance Band.

Parallel hat mich „echte“ elektronische Musik schon immer fasziniert. Aufgewachsen in den 1980er Jahre, mit Begrifflichkeiten wie Synth-Pop oder Electronic Body Musik, ständig umgeben von mystischen Marken, wie Korg oder Moog! Nach den Pickeln dann die Wahrheit: Kraftwerk, Krautrock und auch ein wenig Stockhausen. Seit dem gerne alles was rauscht, klöppelt oder tickt. 

Da ich zum Kleinteiligen Interesse in der Kunst neige, übersteigerte sich mein Interesse noch mehr, als ich entdeckt hatte, das ein bestimmter Teil des Terminus „elektronische Musik“ und „Computermusik“ wesentlich in meiner neuen Heimat dem „Rheinland“ entwickelt wurde. Namen wie Meyer-Eppler, Pousseur, Stockhausen, aber auch Conny Plank, die Düsseldorfer Schule oder Holger Czukay und Irmin Schmidt sind für mich belegbare Pophelden geworden, weil diese Musiker nicht nur die Grundlagen schafften, sondern auch die dazugehörige Grammatik

Trotz enormer Vielfalt der Musik, fast alle Amateur und Profimusiker haben eins gemeinsam: Sie haben einen Experimentierraum. Diese Räume sind wichtig für die Konzepte die man selbst hat und nicht zuletzt habe auch ich so ein Verständnis dafür entwickelt, wie ich selbst verstehen kann, was eben der Unterschied zwischen dem Aneinanderreihen von Audiosignalen oder Loops ist, um damit angeblich innovativ im Popgeschäft aufzufallen, um sich über seine nicht vorhandenen kompositorischen Defizite hinwegzusetzen oder noch schlimmer durch perfektes Editieren als völlig unmusikalischer Mensch ein Rang als Musikgenie erobert. 

Zurück zu Roedelius und Schneider und einem gewaltigen Unterschied: Obwohl hier keine ausformulierte Musik stattfand und ich durchaus schon Sessions hatte, bei denen ich gedacht habe, wie einfach, da kommst Du schnell ran, ist der Graben zwischen Wirklichkeit und Realität doch extrem tief. Zwischen diesen Künstlern und einem Hobbymusiker, der sich scheinbar gleichstellt, weil er das gleiche Equipment zur Verfügung stehen hat, befinden sich Universen. 

Das Konzert damals hatte mir gezeigt, was es bedeutet Zusammenzuspielen, zu improvisieren und spontane Einfälle zu haben, die einen hohen künstlerischen Anspruch haben. 

Die Differenzierung dieser zwei Welten ist unglaublich Herausfordernd, weil auch ausgewiesene Musikexperten historisch gesehen große Schwierigkeiten haben, gute elektronische Musik von schlechter auseinander zu halten. Ich bin der Meinung, dass viele elektronische Werke, ob nun kommerziell oder unkommerziell, ob nun Disco oder Avantgarde neubewertet werden müssten.

Insbesondere im direkten Vergleich zur Jazzmusik erscheint mir das aus theoretischer Sicht sehr sinnvoll, da dort ebenfalls ein gewisses theoretisches Musikverständnis wichtig ist (aber auch immer viel Purismus im Raum steht), um zu be- oder verurteilen. 

Ich selbst habe nie Notationen gelernt, mir vieles selbstbeigebracht, das wenigste Verstanden. Das gefährliche Halbwissen eines Autodidakten und eines Musikers der selbst noch nie einen komplexes Stück Musik arrangiert hat, nur banale Songs zu Papier gebracht hat. Vermessen!

Aber ich saß stundenlang vor meinem Rechner und habe Spuren editiert, zusammengelegt, mir Sounds angehört, diese durch Schleifen und Sequenzer gedreht, bis eine Sekunde perfekt klang, nur damit dieser Teil(-track) wieder in einer weiteren Bibliothek landet.

Natürlich werde ich nicht aufhören, über andere Musik zu schreiben. Diese blinde Arroganz habe ich mir 30 Jahre lang angeeignet und kann sie immer doch damit entschuldigen, dass ich ja „nur“ meine persönliche Sicht der Dinge archivieren möchte, auf diesem Blog.

Aber bei der elektronischen Musik kann mir keiner was vormachen, da ich die „Wahrheit“ endlich ans Licht bringen möchte. Daher eröffne ich ab sofort eine neue Kategorie die „Elektronische Musik“ heißt. 

Die Gründe sind, wie immer, genannt. Mein Bestreben ist es ein einmaliges Archiv für elektronische Musik aufzubauen, mit einer aktiven Sicht (und eigenen Soundbeispielen, sowie Tracks) und einer passiven, also der leidenschaftlichen Beschreibung der wichtigsten Werke dieses Segments.

Rausch

Alan Lomax 

  

http://www.thing.de/delektro/001.html

 

http://www.goethe.de/kue/mus/ema/lks/deindex.htm

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