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Musik, Kino, Kultur und Radiosendung musikabend 674.fm


Milwaukee At Last!!! - Rufus Wainwright

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 11. Oktober 2009, 15:35pm

Kategorien: #Populäre Musik




Das Pabst Theater liegt in Milwaukee, Wisconsin, USA und wurde von Frederick Pabst als 'Das neue Deutsche Stadttheater' 1890 gebaut und nach einem Brand 1895 wieder neu errichtet. Architekt Otto Strack hatte es nach dem Vorbild europäischer Opernhäuser erstellt. Es spielt eine wichtige Rolle in der Deutsch-Amerikanischen Kultur der Stadt Milwaukee, die das 'Deutsche Athen' genannt wurde. Das Pabst Theater hat hunderte von Aufführungen jedes Jahr aus allein Bereich der Musik, des Theaters und des Entertainments. Rachmaninoff spielte dort und Schauspieler wie Laurence Olivier. Am 27. August 2007 Rufus Wainwright mit seiner Band.

'Milwaukee At Last!!!' ist das zweite Live Album des Singer-Songwriters und war Teil einer Tournee, die Mai 2007 begann und im Februar 2008 endete und ihn über 4 Kontinente führte. Gefragt, warum er denn ausgerechnet im Pabst Theater im mittleren Westen aufgetreten sein antwortet Wainwright "dass er es als ein schönes Opernhaus betrachtet und v.a. dem Publikum des mittleren Westens sehr zugeneigt sei, weil diese so anerkennend seien und nicht abgestumpft, sondern wahrhaftig."

2 Stunden 15 min führt er durch das Programm, das ganze gefilmt vom amerikanischen Kameramann und Dokumentarfilmer Albert Maysles. Letzterer wurde am 26. November 1926 in Boston geboren, studierte an der Cornell University und drehte einige bedeutende Dokumentationen.

Die DVD beginnt mit Szenen aus dem Backstage-Bereich und zeigt den entspannten Wainwright wie er sich auf das Konzert vorbereitet. Auf dem Sofa sein Freund Jörn aus Berlin, der noch seinen Moment haben soll. Das ganze Konzert wird zwischen den einzelnen Songs von belanglosem, aber unterhaltsamen Unsinn unterbrochen, in dem die Band-Mitglieder von Broschen und den Zusammenhang zwischen Gay sein und Kleidung erklären. Daneben sieht man Rufus zu, wie er sich für die einzelnen Performances vorbereitet.

Aber entscheidend ist ja die Musik und die DVD beginnt mit so wunderbaren Songs wie 'Release the Stars' und dem betörend schönen 'Sanssouci', welches von einer Querflöte eingeleitet wird. Die Musiker sind gut und professionell aufgelegt, spielen im Verbund und so wie es die Musik von Wainwright will ohne grössere solistische Ausflüge. Gitarrist, Bassist, Schlagzeuger, Bläser mit Hintergrundchor und Wainwright am Piano. Ein gutes Ensemble. 'The Art Teacher' und auch 'Tiergarten' werden exzellent von ihm u.a. am Klavier vorgetragen und mann muss ihm zugestehen, dass er eine sehr ausdrucksvolle und mehrere Oktaven beherrschende Stimme hat. Sie verfügt über eine bestimmte Qualität: man hört ihr gebannt zu. Das werden natürlich viele Menschen anders sehen, die eben genau diese Stimme nicht mögen. Sei es drum. 'Leaving for Paris' ist eine Meditation am Klavier mit geschlossenen Augen, bevor dann unfassbare Momente des Trash das Bild und die Aufführung regieren:

Wainwright fordert zu seinem folgenden "Rock Stück" 'Between my legs' Zuschauer aus dem Publikum auf sich auf die Bühne zu gesellen und zu tanzen. Das ist in Ordnung. Als aber dann sein Freund Jörn wieder auftaucht, im Hintergrund peinlich berührt und lustlos herumsteht um dann doch voller Elan Wainwright auf die Schultern zu nehmen um in seiner Muttersprache irgendeinen Unfug zu sprechen, dann hat die DVD ihren sensationellen Anarchie-Höhepunkt erreicht und mann muss lachen. Was für ein Unfug. Es erinnert an Kinder, die einfach bar jeder Konvention Dummheiten machen.

Danach geht es mit 2 Interpretationen von Judy Garland Songs weiter um mit '14 Street' zu enden. Als Zugaben gibt es 5 Titel beginnend mit 'I don't know what it is' bis zum Crooner Track 'Get Happy' und 'Gay Messiah' als Abschluss. Wainwright zelebriert das alles wie gewohnt mit viel Selbstironie und Augenzwinkern und liefert eine gute Show. Gutes und phasenweise perfektes Entertainment.

Die Band und er haben sich verschiedenfarbigen gestreiften Anzügen verschworen und sehen damit aus wie eine drittklassige Band mit entsprechenden Frisuren aus den 80'er Jahren. Das sieht alles skurril aus, soll aber nicht von der Musik ablenken, die kompositorisch breit angelegt ist mit Bezügen zum Jazz, PoP, Folk, Rock, Vaudeville und auch Klassik, daneben auch dem klassischen amerikanischen Croonertum verpflichtet. Der Sound der Musik und der DVD ist tadellos, wenn auch vielleicht eine Spur zu Bass-lastig, der Film insgesamt für Bewunderer seiner Musik sehens- und hörenswert. 

Sehr interessant nebenbei die Schwenks in das Publikum, das alle Altersklassen und Typen beherbergt. Ich musste ein ums andere mal schmunzeln. Sie wissen nicht genau, was sie in bestimmten Momenten tun sollen und sind insgesamt ein klein wenig reserviert. Nicht alle können sich aufraffen und sich von den Sitzen erheben.

Randnotiz: In der Pause fährt die Kamera draussen durch das Foyer und dann oben über die Balkons, man hört für einige Sekunden eine ganz interessante Pausenmusik ... .

Rick Deckard.

 

 

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