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Mad Men – 4. Staffel

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 3. Januar 2012, 09:41am

Kategorien: #Fernsehen

 

Don-Draper.gif 

Kein Spoiler!

 

Der Eindruck der 3. Staffel –interessant und tiefgründig- (http://www.lomax-deckard.de/article-mad-men-3-staffel-interessant-und-tiefgrundig-94064298.html) verwandelt sich nun langsam, aber sicher in ein sehr konkret  „depressiv“.

 

Hauptautor und Ideengeber Matthew Weiner ist ein gemeiner Mann! Wer vermutet hat, dass es in der vierten Staffel wesentliche Veränderungen oder Weiterführungen der Charaktere geben wird, wird bitter enttäuscht sein. Im Gegenteil: Weiner lässt seine Hauptfiguren zappeln und leiden. Er lässt sie am langen Faden der Depression baumeln. Allen voran natürlich unseren Helden Don Draper! Man könnte fast meinen, dass die Autoren ihm keine Chance geben wollen! Sie wollen sein menschliches Fehlverhalten bestrafen und ihn vor den Zuschauern anprangern.

 

Der zeitliche Kosmos der Serie gönnt Draper zwar ein wenig Zeit sich selbst zu finden, letztendlich scheitert er aber immer wieder an sich selbst. Tagebuch schreiben, Schwimmen gehen, reduzierte Canadian Club Ausschüttung; …alles Versuche die zum Scheitern verurteilt sind, da sie nur die täglichen Probleme reduzieren, aber nicht das große Ganze.

 

 „Passiert mir was Gutes, geschieht umgehend etwas ganz Schlimmes!“, sagt Cheftexterin Peggy irgendwann! Und irgendwie scheint dieser Satz auch das Leitmotiv der Staffel geworden zu sein.

 

Mrs. Lomax kommentierte irgendwann zwischen den Folgen sehr richtig, dass es ja eigentlich nur zwei gute Menschen in der Serie gibt: Peggy und Rotschopf Joan! Man könnte nun hinterfragen, ob das wichtig ist, schließlich haben wir es hier mit einer dramatischen Serie zu tun und nicht mit der neusten Ponyhofsoap. Denkt man etwas mehr nach, vergleicht Mad Men vielleicht mit anderen Geschichten und literarischen Werken, fällt auf, dass es nicht die Menschen sind, die von Grund auf schlecht sind!

 

Amerika befindet sich im sozialen Wandel. JFK ist gerade erschossen wurden, die Emanzipation der Frau ist weit vorausgeschritten, Studentenunruhen, die Hippiezeit und der „amerikanische Krieg“ stehen bevor. Die postindustrielle Gesellschaft klopft auch an die Tür der Agenturen.

 

Selten wurde einem aber bewusst gemacht, wie sehr Menschen in bestimmten Lebensphasen unter so einer Veränderung leiden, mit dem Wandel nicht klar kommen und einfach stehen bleiben. Am besten wird das dann auch am Beispiel von Betty Draper vermittelt, die zwischen psychischen Problemen und fehlendem Intellekt nicht in der Lage ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Sich selbst für eine Postmaterielle und Intellektuelle hält, in Wirklichkeit aber sehr tief in ihrer bürgerlichen Herkunft verwurzelt ist. Sie ist überfordert, auch mit der Zeit in der sie lebt. Wunderbare Gegenstimmen zu ihr sind dann ihre kleine Tochter Sally, die hedonistische Peggy oder Betty’s  kalifonisches Pendant Anna!

 

Man kann sich seine Helden nicht aussuchen! Das gilt ganz besonders für diese Serie. Völlig unmöglich Draper für seine Arroganz, für seine Frauenverachtende Haltung und seine oftmals fehlende soziale Kompetenz zu lieben oder zu hassen. Er ist ein Opfer seiner Zeit.

 

Was der interessante Zuschauer dann nach Beendigung der vierten Staffel erlebt ist famos. Man ist euphorisiert, da es einen Neustart gibt. So viel kann man verraten. Es ist erstaunlich, was bei Zuschauern passieren kann, wenn nach viel Traurigkeit und Finsternis, Positive Einstellung und Lebensfreude zurückkehrt.

Zwei weitere Staffeln sind beauftragt. Danach sollte Schluss sein. Das Ende muss diesmal ein tatsächliches Ende sein. Ich habe eine Vision gehabt und gesehen wie Draper im Matsch des Mekong Deltas liegt. Er wird sterben. Sterben nach dem er ein aufregendes und erfülltes Leben gehabt hat. Er wird sich und er wird Dick Whitman sehen. Ein Mann der das alles nicht gehabt hat, es aber zu schätzen gewusst hätte. "Ich liebe die Serie. Es ist mein erklärtes Ziel, eine Lösung zu finden. Dies ist die befriedigendste künstlerische Erfahrung meines Lebens.", hat Matthew Weiner gesagt. Ich kann das sehr gut verstehen.

 

Alan Lomax

 

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