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Let's Get Lost starring Chet Baker - Ein Film von Bruce Weber

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 14. November 2009, 14:38pm

Kategorien: #Jazz



Chet Baker hat es mir bisher nicht einfach gemacht und nach diesem Film erst Recht nicht. Aber nicht zum negativen, nicht zum abweisenden, sondern viel mehr noch, er fordert mich heraus mich intensiv mit ihm, seiner Musik zu beschäftigen. Das erste Mal, dass ich überhaupt seine Musik zu Gehör bekam, war noch zu Schulzeiten. Ein Mitschüler namens Bernd K. spielte seine Platten, neben denen von Charlie Parker und ich konnte mit Jazz damals nicht viel anfangen. Für lange Zeit verliess ich diesen Musiker, bis in den 90'er Jahren Jazz für mich immer mehr an Bedeutung gewann, im Rahmen der legendären Musiksessions mit Mr. Lomax. Letzterer war es auch, der mir den Zauber und die Bedeutung des Jazz näher brachte, wenn man so will mein Mentor in dieser neuen musikalischen Richtung. Aber auch da konnte ich mich nie so recht mit Chet Baker anfreunden. Ich weiss nicht genau was es war, aber jene kommerzielle visuelle Ikonisierung dieses Musikers, die Fotografien, 'My Funny Valentine', das alles war mir zu Klischee beladen, als dass mein Interesse geweckt werden konnte. Nicht dass Lomax das getan hätte, sondern es war das Bild dieses Musikers in der kulturellen, musikalischen Öffentlichkeit.

Ich kaufte 2 CD's von Ihm (u.a. 'Chet Baker & Crew'), zu Zeiten als Baker bei Pacific Records unter Vertrag stand, beide setzten Staub an. Erst in Zeiten des Download-Zeitalters in den letzten Jahren fing ich allmählich an einzelne Tracks von ihm zu laden, ganz vorsichtig und ganz langsam, als da wären 'The Song Is You' und 'Peace' von dem Album 'Peace', als auch 'This Is Always' von dem gleichnamigen Album. Mir gefiel es wie Baker auf diesen Album Trompete spielte, ich liebte den Ton, seinen Sound. Ich wagte es aber nicht weitere ganze Alben zu hören oder mich in Ihnen zu verlieren. Ich glaube ein Hauptgrund für all dies waren mangelnde Kenntnisse seiner Biografie, denn ich erhebe den Anspruch an mich, was mir nicht immer gelingt, mich immer mit dem Leben eines Künstlers auseinander zu setzen um seine Musik besser zu verstehen, denn das eine wird unmittelbar von dem anderen beeinflusst.

Das hat sich jetzt alles geändert nach dem heutigen Tag. Ich habe den Film von Bruce Weber gesehen:'Let's Get Lost'. Ich glaube es ist der ehrlichste und wahrhaftigste Film über einen Musiker und mit Sicherheit eines der aussagekräftigsten filmischen Porträts, die ich je gesehen habe. Ein Film komplett in Schwarz-Weiss gedreht, der nicht den typischen, chronologischen, pathetischen und konventionellen Weg geht, sondern sich diesem Künstler auf eine andere faszinierende Art und Weise nähert und eben das ist Bruce Weber vollends gelungen. Ein fast poetischer, betörend schöner, leiser und entwaffnend guter Film. Weber ist ein amerikanischer Fotograf und Regisseur, der viele berühmte Werbekampagnen und Fotografien für Designer gestaltete, Videos für die Pet Shop Boys und mehrere Kurzfilme drehte.

'Let's Get Lost' ist ein meisterhaftes Porträt über einen Jazz Musiker.

Ich frage mich immer was für Menschen hinter all diesen Künstlern und Musikern stecken, wie sie als Kinder waren, wie sie zu Ihrer Kunst kamen, wer Ihr Talent förderte und welche Einflüsse Sie in Ihrem Leben hatten. Also auch wie viel Talent sie besassen und wie dieses von aussen gefördert wurde. Alle diese Fragen und noch viel mehr werden in diesem Film beantwortet. Es gibt höchst intensive und emotionale Momente in dem Film, hauptsächlich die, in denen Chet Baker selbst erzählt, aber auch wenn andere Menschen zu Wort kommen, insbesondere seine Mutter. Weber schafft es dieses Leben durch Interviews, Berichte, Dokumentationen, Anekdoten und eine gewisse Chronologie zum Leben zu erwecken.

Man sieht in diese zerfurchte Gesicht, in diese müden Augen und fragt sich was ein Mensch wie Chet Baker in seinem tiefsten Inneren empfindet. Man sieht ihn in einer wunderschönen Sequenz auf dem Dach des Musikstudios einsam Trompete spielen, im Hintergrund der Strand von Santa Monica, Palmen, das Wasser, die Berge. Man hört ihn singen im Studio und man hört ihn spielen. Die musikalischen Momente werden sanft unterbrochen von kurzen und längeren Interviews mit seinen Ehefrauen und Familienangehörigen als auch anderen Begleitern seines  Lebens. 

Aber am beeindruckendsten sind die Szenen, die Momente, in denen Chet Baker singt und Trompete spielt. Eine unglaubliche Hingabe mit der er singt und die zeigt wie sehr er der Musik verbunden war. Nach Miles Davis ist nun auch der Bann bei bei Baker gebrochen und nach diesen aufwühlenden Momenten habe ich die nächsten Monate Zeit mich ihm näher zu widmen. Auf Grund seines exzessiven Lebensstils war er mit Sicherheit eine tragische Figur, aber jemand, der viel Romantik, ein untrügliches Gespür für die Zartheit, Melodie und manchmal auch Melancholie in der Musik hatte und diese mit seiner Stimme und seinem Instrument unnachahmlich vermittelte.

All jene, die sich für Jazz interessieren kann dieser Film wärmstens empfohlen werden, nein vielmehr noch, er gehört in das Regal eines jeden Menschen, der sich für Musik interessiert.

Let's Get Lost!

Rick Deckard 

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