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Kommunikation

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 13. September 2010, 09:12am

Kategorien: #Kommunikation

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Fortbildungen haben einen interessanten Nebenaspekt: Man bildet sich nicht nur fort, sondern bekommt auch die Gelegenheit nebenbei zu beobachten, etwas was ich mit Leidenschaft gerne tue. Zum einen das Verhalten der Menschen um mich herum, zum anderen die Art und Weise wie miteinander kommuniziert wird, ob mit Worten oder ohne.

In der letzten Woche war ich wieder unterwegs und habe während der Vorträge mal darauf geachtet, wenn das vorgetragene Thema mal nicht sonderlich interessant war, wie diese Prozesse ablaufen. Es gibt die, die vortragen und die, die zuhören.

Zunächst zur letzteren Gruppe. Da gibt es bestimmte Typen. Wir sitzen während der gesamten Fortbildung und während der Vorträge an Tischen, die wie ein Hufeisen aufgestellt sind, so dass man seinen Blick über die Teilnehmer schweifen lässt. Da kommt man nicht umhin gewisse Beobachtungen zu machen.

Z.B. dieser Typus: sitzt den ganzen Tag still an seinem Platz und hat die Augenlider gesenkt. Man ist sich nicht ganz schlüssig: schläft er oder verfolgt er die vorgetragenen Worte anhand des Scripts, neudeutsch Handout, welches verteilt wurde? Keine Regung, keine Unruhe. Die Sitzposition bleibt so, wie sie einmal eingenommen wurde. Dann plötzlich aus dem Nichts wird die Hand gehoben, mit leiser Stimme Fragen gestellt, die informativer, häufiger aber rhetorischer oder "angeberischer" Natur sind um danach gleich wieder in die alte Position zu fallen. Ich bewundere solche Menschen. Gezielt werden Informationen gefiltert und aufgenommen. Und diese "Ihr werdet nicht erkennen ob ich schlafe oder aufpasse" Nummer ist eine taktische Glanzleistung.

Dann der 'Ich schreibe ALLES mit' Typ. Faszinierend. Es gibt Teilnehmer, die schlagen zu Anfang das Script auf schreiben alles mit, der Blick ist stets gesenkt und der Kugelschreiber glüht. Mein Nachbar fragte mich zurecht, was die denn da schreiben, respektive der Tatsache, dass das Begleitbuch die Stärke eines Bandes einer handelsüblichen Enzyklopädie hat? Sagenhaft. Ob die ihre Notizen später nochmals lesen oder beides? Man neigt ja immer schnell dazu intolerant zu sein: vielleicht ist es einfach ihre Art Informationen zu verarbeiten. Ich weiss es nicht.

Der 'SMS-Typ': ungefähr 3-5x in der Stunde werden Nachrichten geschrieben oder beantwortet. Dieser Typ muss anscheinend die Fähigkeit besitzen beides zu können zuzuhören und gleichzeitig sich anderen Dingen zu widmen. Toll, wenn man eine solche Gabe besitzt. 

Andere wiederum würde ich als die Ökonomen unter den Zuhörern bezeichnen. Gänzlich unbeeindruckt von der Tatsache, dass man beobachtet wird schlafen die regelmässig während des Tages, machen kurz die Augen auf um sich dann wieder heimelig in den Schlaf zu kuscheln. Diese Typen zu beobachten ist lustig: man sieht wie die Augenlider schwerer und schwerer werden, der Muskeltonus nachlässt, die Augen sich verdrehen, bis der Körper die Kontrolle verliert und der Kopf sich senkt. Was aber faszinierend ist, ist die Tatsache, dass dieser Typ plötzlich alle Sinne mobilisiert und aus dem Stehgreif eine Frage an den Redner stellt. Wie machen die das bloss? Anscheinend beherrschen sie die Kunst tief zu schlafen, aber die Ohren auf Empfang zu schalten. Wenn ich der Müdigkeit nachgeben würde, mein Schnarchen würde mich verraten.

Die Gruppe der Vortragenden ist aber nicht minder uninteressant. Nehmen wir z.B. diesen: sonore Stimme, selbstbewusst. Klammheimlich verlässt er während des Vortrages seine klassische Rednerposition und umgeht die Hörer, bis er irgendwann hinter ihnen steht und von dort schreit. Dieser 'Ich konfrontier euch mal mit dem was da steht, macht was draus' Typ. Man fühlt sich in solchem Momenten alleine gelassen und muss das Boot selbst steuern. Was soll einem das sagen? Ich bin da wenn ihr mich braucht, aber seht zu, dass ihr die Folien (Dias sagt man nicht mehr) verfolgt und macht euch eigene Gedanken? 

Der 'macht mit!' Typ: Die Zuhörer sollen sich nicht mit ihrer defensiven Position begnügen. Ständig werden Fragen in das Auditorium geworfen und damit der Adrenalin Spiegel in die Höhe getrieben, man könnte ja dran kommen oder gefragt werden. Interessant übrigens die Gesichter und Gestik, wenn eine solche Frage in den Raum geworfen wird: es wird an Stiften genestelt, der Blick senkt sich, aus der relaxten wird eine 'Hab acht' Stellung. Der 'macht mit!' Typ will alles rausholen aus seinen Zuhörern und motiviert sie fortwährend aufzupassen (was auf Dauer sehr nerven kann!).

Der weltfremde Akademiker: nicht alle sind dazu geeignet auf Grund Ihres Wissens und ihrer Position auch Vorträge zu halten. Manche dozieren von einem erhobenen Posten und anhand der Interjectionen spürt man die unglaubliche Arroganz die da mitschwingt, nach dem Motto "Was wollt Ihr Deppen eigentlich?" Das merkt und spürt man als Zuhörer sehr genau und entsprechend fallen auch die Bewertungsbögen hinterher aus ... . 

Der 'Kumpel-Typ' mit einem gleichzeitig hohem Mass an Wissen, Kompetenz und brillanter Rhetorik ist mir eigentlich der liebste. Die Verbindung ist sofort hergestellt, da bestimmte umgangssprachliche Formulierungen und Wörter aus dem Alltag benutzt werden und so eine behagliche Atmosphäre hergestellt wird. Ich persönlich kann solchen Rednern am besten folgen und auch das meiste an Informationen mitnehmen, da bestimmte Slogans immer wieder verwendet werden, die sich knallhart einprägen. Zudem hat dieser Typ des Vortragenden auch einen gewissen Humor verbunden mit einer Körpersprache die sehr belustigend ist. Ausserdem ist dieser Typ auch nie arrogant oder überheblich. Alle Fragen werden zielgerichtet und verständnisvoll beantwortet und mit dem Wissen nie geprahlt.

Im November werde ich an einem Kommunikationsseminar teilnehmen. Dabei werde ich gefilmt und hinterher wird meine Sprache, Mimik, Gestik etc. analysiert.

Ich bin sehr gespannt mich selbst hinterher zu sehen.

Rick Deckard

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