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Killers - Live From The Royal Albert Hall

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 12. November 2009, 19:49pm

Kategorien: #Populäre Musik




Ehrlich gesagt wusste ich nicht was mich bei dieser Konzert DVD erwartet, denn bei mir kommt "aktuelle" PoP Musik auf Grund einer inneren Skepsis immer später an als bei vermutlich allen anderen. Nicht das ich die 'Killers' nicht kenne, aber durch einen Beitrag auf diesem Blog  The Killers vs. Bright Eyes und durch einen Link zu einem Video auf youtube auf dem die Band bei den European Music Awards 'Human' spielt und der mir vom Serienstar Ewing zugeschickt wurde, entbrannte mein Interesse zusehends. Ich sah mir dieses Video mehrmals an, weil mir einfach die Melodie nicht aus dem Kopf ging. Ich recherchierte die Lyrics, sang den Song mit noch mehr Innbrunst als sonst und der Knoten war geplatzt. Die 'Killers' wurden heute zu mir nach Hause eingeladen.

Ich hatte lange keine Konzert DVD mehr gesehen, zuletzt Rufus Wainwright und vorher 'Ashes of American Flags' von 'Wilco'. Nun sitze ich hier und war mit Maximalgeschwindigkeit und Power 2h unterwegs und bin vollkommen geplättet. Dieser Konzertabend in London ist eine pure Energieleistung und mir dröhnt der Kopf, aber nicht wegen Kopfschmerzen, sondern weil mich Brandon Flowers, Dave Keuning, Ronnie Vanucci Jr. und Mark Stoermer in der Summe umgehauen haben.

Die ersten 07:20 min der DVD sind absolut furios. Man legt die DVD ein und ohne den üblichen Firlefanz geht der Film sofort los. Von aussen wird man mit einer subjektiven Kamera zur Royal Albert Hall und in sie hinein begleitet. Ein einsamer Flowers sitzt an den Keyboards und spielt einen Song und unmittelbar danach geht das Konzert los, in dem Moment, als die 4 Bandmitglieder in Richtung Bühne gehen, eine vollkommen unspektakuläre aber um so mehr sensationell cineastische Titelsequenz. Alle sind in höchstem Masse positiv angespannt (grossartig wie der Schlagzeuger und Flowers sich einstimmen!) und dann geht es los in eine restlos ausverkaufte R.A. Hall. Die Masse ist ausser sich und von Null auf Hundert steigt die Band mit 'Human' ein. Wow! Fast habe ich das Gefühl, dass das Tempo ein wenig zu schnell ist, aber es geht nach diesem Hammer-Song nahtlos weiter, wobei ich bis auf 'Mr. Brightside' keinen anderen Song kannte. 

Es ist zwar kraftvolle, laute, satte und phasenweise auch absolut begeisternde Musik die zu mir durchdringt, aber ich habe gelegentlich und insbesondere bei der Art der Musik auch gedacht, das hier ist drittklassige Pennälermucke getrimmt auf Sound-Overkill. Mir fehlte bei fast allen Songs der Feinschliff. Aber es kann sein, dass die Studio-Alben anders klingen als die Live Versionen, dazu werde ich diese Band noch öfter hören müssen.

Ich kann es nicht anders sagen, weil es die Wahrheit ist: Brandon Flowers ist ein smarter und charismatischer Frontmann, der einen sofort für sich gewinnen kann. Er wirkt auf der Bühne gelegentlich etwas angespannt und nicht lässig genug, als auch etwas linkisch mit manchen überlebensgrossen Gesten, aber ich habe ihm 2h lange gerne zugesehen und zugehört. Dabei habe ich versucht mir vorzustellen, was für ein Typ er wohl ein seiner Jugend war? Einer dieser Typen in der Schule der eine Freundin hat, die alle attraktiv finden, aber nicht selbst gerne als Freundin hätten. Ein sympathischer, aber doch verschrobener Mensch; zugänglich, aber nur, wenn man in seinen Kosmos passt. So oder so ähnlich. Wie dem auch sei, das Konzert meistert er mit einer ungeheuren Energie und verausgabt sich zwischendurch dermassen, dass er das Publikum für wenige Sekunden um Geduld bitten muss, da er vollkommen aus der Puste ist. Keine Ahnung was die grossen Rock- und PoP-Gesten sind, aber Flowers Performance wirkt ein wenig wie die eines Arbeiters, jemand, der sich gewisse Aktionen zurecht legen muss, oder sie einstudiert hat. So wirkt es zumindest. Das ist, um mal ein Gegenbeispiel zu nennen, bei Dave Gahan vollkommen anders. Da ist Gahan integraler Bestandteil der Musik. Gut sieht er aus der Brandon und kein Wunder, dass bei den Schwenks auf das Publikum so viele Frauen zu sehen sind, fast hat man das Gefühl der überwiegende Teil des Publikums besteht aus Ihnen.

Dave Keuning ist ein merkwürdiger Vogel. Der Typ wirkt wie ein Relikt aus vergangenen Jahrzehnten, wie er mit Kapitänsjacke, langen Haaren und seiner blitzförmigen Gitarre so dasteht. Irgendwie kann mich sein Spiel nicht überzeugen. Fast erinnert er mich an Brian May. Vorhin habe ich gelesen, dass u.a. 'Queen' ein Vorbild dieser Band sei. Dann verwundert es überhaupt nicht. Keuning ist im Gegensatz zu Flowers fast relaxed.

Ronnie Vanucci hingegen spielt jeden Song mit einer fast unbändigen Leidenschaft und haut auf seine Drums, dass es eine wahre Freude ist ihn zu beobachten. Gelegentlich hat man bei seiner Mimik das Gefühl es würde ihm vor Schönheit schmerzen.

Mark Stoermer ist ebenfalls ein komischer Kauz. Irgendwie passt dieser Typ so gar nicht in die Band. Steht abseits und spielt 'seinen Stiefel' 'runter. Da springt überhaupt kein Funke über.

Zurück zum Konzert. Technisch ist das Ganze auf höchstem Niveau mit mehreren Kameraperspektiven und fettem Sound aufgenommen. Das Bühnenbild wird gebildet aus einer grossen Leinwand im Hintergrund, davor Palmen und die Band und das Ganze wird verziert von einer spektakulären Lightshow. Kein Grund sich zu beschweren, erstklassiges Entertainment wenn man so will. Als Beigabe gibt es eine Live CD, das übliche 'Behind The Scenes' und als Bonus 'Festival Performances'. Es ist schon faszinierend wie weit Menschen heute reisen um ihre Lieblingsband zu sehen - fast um den halben Globus, andere touren regelrecht mit der Band um die Welt. Und von diesen 'Die Hard Fans' waren glaube ich nicht zu wenig bei diesem Konzert, da die Karten (für dieses Konzert was programmatisch auf DVD aufgenommen werden sollte) zuerst im Fanclub angeboten wurden. Faszinierend auch, was für ein kolossaler Aufwand betrieben werden muss, damit ein solches Konzert überhaupt stattfinden kann, angefangen von den ganzen Technikern, jenen die die einzelnen Musiker und deren Instrumente betreuen (!), von Agenten, Produzenten und deren Assistenten, Tour Managern, Caterern usw. Unfassbar. Wo ich mich auch gleich gefragt habe: Wünscht sich das eine jede Band, die irgendwann einmal klein anfängt und berühmt werden möchte oder ist denen das dann bei einem solchen Aufwand peinlich? Also ob Kommerz und Kunst sich so im Wege stehen, dass das eine das andere ausschliessen muss? Denn die Musik ist doch nach wie vor das Entscheidende oder? Aber ich glaube das ist marginal. Keine Ahnung wie ich reagieren würde, was ich wollte wenn usw.

Noch eines zur Musik, auch wenn die Performance und der Sound spitze waren. Bei den 'Killers' klingt das alles nach einem Sammelsurium aus Bekanntem und Gehörtem der Popgeschichte. Nichts was mir irgendwie innovativ, spritzig oder wegweisend vorkäme.

Mr. Lomax & Mr. Ewing: "Are We Human Or Are We Dancer?"

Ich suche weiter nach einer Antwort.

Bestens aufgelegt,

Rick Deckard

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