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Kick Ass von Matthew Vaughn

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 25. September 2010, 12:54pm

Kategorien: #Filme

Kick-Ass.jpg

Man nehme einen Comic, unbekannte Darsteller, Zeitgeist, aktuelle Strömungen, diverse bekannte Filmvorlagen, viel Humor, Action, Gewalt, neue Ideen, Satire und eine Vision, tue alle diese Zutaten in einen Filmmixer, quirle sie ordentlich um und als Resultat erhält man:

Kick Ass - ein popkulturelles Trash Meisterwerk.

Vaughn ist bekannt für seine Ideen und v.a. seinen Humor, siehe die grossartigen 'Bube, Dame, König, Gras' und den höchst amüsanten 'Snatch'. Dieser eigenwillige Humor und das Augenzwinkern sind zuhauf in diesem Film vorhanden. Ich wusste nicht was mich erwartet, da ich wie immer konsequent keinen Artikel oder Rezension im Vorfeld gelesen hatte. Dass der Mob in Vaughn's Filmen eine Rolle spielt war dann nichts neues, viel mehr überraschte die Tatsache, dass er hier einen Comic als Vorlage nimmt und diesen visuell mit der Sprache und den Gesetzen des Films umsetzt.

Die Vorlage ist eine achtteilige Serie des Schotten Mark Millar und des Zeichners John Romita Jr.. link zu einer ausführlichen Rezension auf comicgate.de

Im Film (als auch im Comic) sehen wir den grossartigen Looser Dave Lizewski (fast Kult Status erreicht gestern), der Superhelden und Comics liebt und verehrt. Er ist ein ganz normaler Schüler, was in einer exzellenten Titelsequenz mit Kommentar aus dem Off verdeutlicht wird und einige der besten Einzeiler der letzten Jahre enthält (welche wiederum zu asthmatischen Lachattacken geführt haben), der Überlegungen anstellt, die ein jeder von uns in seinem Leben als Jugendlicher oder junger Erwachsener gehabt hat. Allein die Erwähnung und Visualisierung dieser Gedanken, v.a. in dieser Form muss man Vaughn hoch anrechnen!

Lizewski geht aber einen Schritt weiter, den entscheidenden: er bestellt sich online einen Taucheranzug und wird selbst zum Superhelden aus Frustration über die Ungerechtigkeit in der Welt und v.a. Machtphantasien. Wie ergeht es einem Superhelden im realen Leben? Diese erste halbe oder Dreiviertel Stunde ist mit das komischste neben 'Fear And Loathing in Las Vegas', was ich dieses Jahr gesehen habe. Auch die optische Umsetzung in Bilder ist fantastisch gelungen und sehr reizvoll, der Film ist im Format 1:2,35 gedreht, was dem ganzen auch ein episches Maß verleiht. 

Genau in diese Phase der Verwandlung weben der Drehbuchautor und Vaughn eine beissende Kritik an der aktuellen Gesellschaft und ihren Idealen ein, ohne erhobenen Zeigefinger oder moralinsauren Belehrungen. Der Kniff ist gut gelungen.

Im Verlauf der Handlung kommen dann weitere Charaktere hinzu, die zynischer, abgedrehter und comichafter nicht sein können: 'Big Daddy' und sein 'Hit Girl', sowie der zweite Superheld 'Red Mist'. Im zweiten Drittel der Handlung wird langsam das Geheimnis von Big Daddy gelüftet, bis am Ende alle Fäden zusammen geführt werden. Das Finale ist so wie man es erwartet: voller Zitate, Verflechtungen zur PoP Kultur, furioser Action und einem der schönsten Flüge durch Manhattan, sowohl was den Bösewicht betrifft, als auch Kick Ass und Hit Girl. Diese visuellen Ideen und Umsetzungen sind famos gelungen und machen einen sehr grossen Reiz des Films aus.

Das Comic und die brutalen Darstellungen, sowie auch die Gewalt im Film wurden wie immer heftig kritisiert und werden wie immer missverstanden. Aber diese Gewaltdebatte im Kino gibt es ja, seit dem es das Kino gibt. Wer nicht in der Lage ist zu differenzieren, der sollte sich solche Filme nicht ansehen.

Ein Wort noch zu Nick Cage der als einziger Star im Film den 'Big Daddy' spielt: wie nicht anders zu erwarten eine extreme Rolle am Rand des Mainstreams, glaubwürdig gespielt. Er verleiht dem Film ein gutes Mass an Absurdität und Zynismus. 

Kick Ass ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass er als Independent Movie für heutige Verhältnisse mit "läppischen" 30 Mio Dollar gedreht wurde. Das Ergebnis lässt sich sehen wie ein Big Budget Movie.

In jedem Fall ist Kick Ass blendende Unterhaltung, phasenweise sogar meisterhaft, die man nicht allzu Ernst nehmen sollte. Der Film ist sehr humorvoll, vollführt etliche Verbeugungen vor der Kunst des Comics und bietet viele Schauwerte, die deswegen überzeugen, da sie in einem anderen, als den bisher bekanntem Kontext dargeboten werden. Daneben gibt es für Cineasten viele Querverweise auf andere Filme, sowohl in verbaler als auch in optischer Form.

Ich hoffe sehr, dass es eine Fortsetzung geben wird.

Rick Deckard

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