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www.lomax-deckard.de

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Jede Menge Musik: Stöbern im Princeton Record Store

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 18. Juli 2010, 11:31am

Kategorien: #Kommunikation

 

 

 

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So sehr ich die Vorzüge des Bits & Byte Zeitalters auch geniesse, es hat sehr viel Spass gemacht mal wieder in einem Plattenladen nach Musik zu suchen. Regale voll mit CD's und LP's, altes und neues, rares und bekanntes. In Ruhe (!) ohne Zeitdruck nach Lieblingen und Favoriten zu suchen, aber auch neues zu entdecken ist für jeden 'Jäger und Sammler' die reine Freude. So kam es auch, dass ich einige kleine Stippvisiten zum 'Princeton Record Exchange' unternahm, zu gross die Neugier. Ich bin froh, dass es solche Geschäfte noch gibt, derweil die klassischen Musikgeschäfte rasant aussterben, bzw. sie es kaum noch gibt. Das letzte Mal habe ich Läden dieser Grössenordnung in Köln und Berlin noch aufstöbern können. Einzig Saturn Hansa in Köln und Hamburg, als auch das Kulturkaufhaus Duismann in Berlin bieten aktuelle und nicht gebrauchte Musik in noch grösserer Menge an. Aber nur in solchen Läden wie oben findet man noch die kleinen Schätzchen, die man sucht. Und auch die Preise waren unübertroffen günstig, die meisten Scheiben konnte ich für sagenhafte 1,99$ (!) erwerben.

Den Anfang machte jedoch ein aktuelles Album: 'American Slang' von The Gaslight Anthem. Klar bietet sich an, wenn man gerade in dem Land Urlaub macht und die Jungs um die Ecke (New Brunswick) gross geworden sind. Der Anlass dieses Album zu kaufen war ein positives Statement über diese Band eines anderen Herren aus New Jersey: Mr. Bruce Springsteen. Der hier bereits erwähnte A. hatte mir von der Band mal einen Track zukommen lassen, so waren sie mir nicht ganz unbekannt. Ein tolles Album mit guten Texten die zum nachdenken anregten und den Urlaub mit glasklarem und schnörkelosem Rock einläuteten. Daneben aber auch mit treibenden und ruhigen Momenten. 

 

 

Das nächste Album war unausweichlich, gerade nach dem Konzert in New York:'The Imagine Project' von Herbie Hancock, über das hier auch gebührend berichtet wurde. Apropos Hancock: nachdem ich anfing in den Regalen zu stöbern, fiel mir gleich ein Doppelalbum in die Hände: 'Mwandishi: Herbie Hancock-The Complete Warner Bros. Recordings'. Wunderbare, groovige und eingängige Fusion Nummern aus den Siebziger Jahren mit vielen illustren Gästen, aufgenommen in den Van Gelder Recording Studios in 'Englewood Cliffs', New Jersey im Jahre 1969 und erstmals veröffentlicht 1970.

 

 

Unglaublich aber wahr, in dem Laden drängten sich eng an eng eine CD nach der anderen und man musste sich wirklich die Zeit nehmen um in Ruhe die Titel zu lesen, "um ja nichts zu übersehen". Jeder der ähnliche Interessen hat, kennt dieses Fieber. So kam ich auch gleich zur nächsten Entdeckung:'Discovered Again'-Shaffield Lab, "Direct from the Masters". Ein Scheibe, die es hier im Handel nicht mehr gibt, aktuell aber als Download erhältlich ist. Auf dem Album spielt Dave Grusin mit seinem Jazz Quintet 3 eigene Kompositionen, sowie Kompositionen von Thad Jones, Antonio Carlos Jobim und 3 schöne Arrangements von Cowboy Songs. Der Klang dieser CD ist schlicht phänomenal und ich freue mich, wenn ich meine Anlage wieder aufstellen und diese wunderschöne Musik in vollem Stereo Sound geniessen kann. 

Das Verve Label hatte jüngst die 'Originals' Reihe aufgelegt und ich kam nicht umhin 2 Alben aus dieser Reihe zu kaufen. Zum einen das fulminante 'Smackwater Jack' von Quincy Jones mit tollen Versionen von 'Ironside', 'Theme from "The Anderson Tapes", weiteren Eigen- und 4 Fremdkompositionen. Auch hier jede Menge Funk, Groove and Melodie. Das zweite Album aus dieser Reihe war 'The Kennedy Dream'-A Musical Tribute to John Fitzgerald Kennedy von Oliver Nelson und seinem Orchester. Ich legte die Scheibe im Auto auf, musste aber wieder abbrechen, da das definitiv kein Album zum nebenbei hören ist. Das wird etwas Zeit brauchen und ich muss auch die Liner Notes noch lesen um zu verstehen, worum es geht.

Kein stöbern ohne Filmmusik. Zunächst fischte ich einen Sampler aus dem Regal:'The Sopranos-Music from the HBO Original Series'. Mir waren viele Stücke auch während der Serie aufgefallen sowie der Geschmack und die grosse Kenntnis der Produzenten. Das Doppelalbum ist voll mit famosen Songs von u.a. The Police & Henry Mancini, Elvis Costello & The Attractions, Otis Redding, Sinatra, The Kinks, Bob Dylan, Keith Richards, Tindersticks, Van Morrison u.v.a. mehr. Normalerweise lehne ich Compilations ab, aber diese macht Sinn und ist qualitativ noch gut dazu.

Der James Bond Franchise lässt momentan auf sich warten, die MGM Studios sind marode und die Zukunft offen. Beim spähen nach Scores kam ich in den Genuss zweier Musiken, zum einen 'Casino Royale' von David Arnold und zum anderen witziger weise eine thematisch ähnlich gelagerte mit 'The Incredibles' von Michael Giacchino. In beide habe ich nur sporadisch hinein hören können, klingen viel versprechend, Bond natürlich mit vielen Action Passagen und der andere mit Big Band Sounds und jazzigen Elementen gepaart mit Symphonik.

 

 

 

 

 

 

Abgerundet wurde die Suche schliesslich durch drei fabelhafte Jazz Scheiben: 'Bill Evans Trio - Sunday at the Village Vanguard', 'Bill Evans - You Must Believe In Spring' und 'Oscar in Paris - Oscar Peterson Live At The Salle Pleyel'. Alle 3 Alben sind phänomenal. Das Live Album von Evans bietet Jazz vom allerfeinsten, man hört bei der Aufnahme die Hintergrundgeräusche dezent, das klimpern von Gläsern und vereinzelt Stimmen, was den Aufnahmen eine unvergleichliche Atmosphäre verleiht. Evans spielt zusammen mit Scott LaFaro und Paul Motian und die drei zaubern vor sich in. Insbesondere 'Alice in Wonderland' ist eine Offenbarung. 'You Must Believe In Spring' wurde Dekaden später aufgenommen und ist in der Stimmung gänzlich anders: introvertiert, ruhig, bisweilen meditativ und auch von zarter Melancholie. Ein unfassbar schönes Exempel eines Trios. Nebst Themen für seine verstorbene Frau und seinen Bruder (beides Suizide) warten eine Variation des Themas aus 'Mash' und der titelgebende Track auf den Hörer. Ganz grosse Kunst!

  

 

Erwartungsgemäss heiss gelaufen ist der Player dann mit Oscar Peterson. Was der Mann am Klavier vollbringt ist grandios: nebst seiner überragenden Technik besass dieser Mann eine wahnsinnige Freude an der Musik, die in jedem der Stücke auf diesem famosen Doppelalbum zu hören ist. Balladen wechseln mit Blues geschwängerten Stücken voller Swing und Tempo, mitreissend gespielt. Mir blieb nichts anderes übrig, als Oscar Peterson wiederholt anzufeuern, weil er eine Gänsehaut nach der anderen verursachte. Einen kongenialen Partner fand er zeitlebens in seinem Bassisten, dem Dänen Niels-Henning Oersted Pedersen. Was dieser Mensch auf seinem Instrument vollbringt und wie viel Verständnis er neben seinen Begleitern für Musik aufbringt ist atemberaubend. Die Balladen werden mit einem Höchstmass an Sensibilität und Einfühlungsvermögen gespielt. Man achte in den vielen Stücken gerade hier auf Peterson's Anschlag und die Harmonien.

Eine Legende.

 

 

Nun bleibt die Erkenntnis, dass es sich weiterhin lohnt nach guter Musik Ausschau zu halten, trotzdem das digitale Zeitalter unaufhörlich seinen Weg geht. Hätte ich einen Plattenspieler, den ich mir noch anzuschaffen gedenke, dann wären sicherlich auch einige Raritäten mit über den Ozean gekommen.

Jazz ist ein grosser Teil amerikanischer Kultur.

Die Musik wird immer eine bleibende Erinnerung an diese Reise sein, an die vielen Autofahrten, den Blick aus dem Fenster und die verschiedenen Stimmungen ... .

Stay tuned,

Rick Deckard

 

 

 

 

 

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