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Jaws - Steven Spielberg

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 27. Dezember 2012, 10:46am

Kategorien: #Klassiker

jaws2.jpg

Filmfreund, Kumpane und Seebär Rick Deckard scheint eine andere Annährung zu dem Meisterwerk „Jaws“ (1974) von Steven Spielberg zu haben. Lesen Sie selbst, was er gedacht hat, als er vor einigen Tagen „Jaws 2“ gesehen hat.

http://www.lomax-deckard.de/article-retro-cinema-jaws-2-der-weisse-hai-2-analoges-kino-aus-den-70-er-jahren-113784221.html

Kürzlich unterhielten wir uns darüber, dass wir ausprobieren sollten, wie unsere alten Lieblingsfilme und die großen epischen und „KULTuristischen Masterpieces“ der Leinwand heut noch funktionieren und ob diese tatsächlich unsere ALL TIME CLASSICS sind?

Nun „Jaws 2“ habe ich nie gesehen und werde mir das auch niemals antun. Auch werde ich mir niemals Psycho 2 usw. ansehen! Ich kenne Deckard jedoch sehr gut und weiß genau wie er „tickt“. Daher will ich seine Methode mal respektieren und bin gespannt, wie er dann das Phänomen „Jaws“ beurteilt!

Das der Regisseur Steven Spielberg zu den ALL TIME CLASSICS gehört steht zumindest für mich außer Frage. Wir leben in einer Zeit, in der es seit mindestens 10 Jahren keine Filmklassiker mehr gegeben hat. Die Gründe dafür sind bekannt: Entwicklung der Digitalisierung, Verändertes Seh- und Konsumverhalten des Kinogängers, Veränderte Distribution, verhaltener Mut und weniger Talent in den Studios.

Auch wenn wir unsere Lieblingsregisseure wie Spielberg, Coppola, Scorsese oder meinetwegen Robert Altman immer wieder aufrufen, so muss man doch auch sagen, dass eben gerade die einstigen Hollywood-Rebellen auch an dem Zustand des Kinos Schuld sind. Oder wie es Peter Biskind sagen würde: „Sie haben es vermasselt“.

Die Selbstbezogenheit, Rücksichtslosigkeit oder Kaltherzigkeit der Regisseure dieser Zeit war nicht ungewöhnlich. Das Verhalten ein „Arsch“ zu sein, bringt das Metier mit sich. „Regisseure zählen zu den schlimmsten Menschen, die es gibt“, meinte der Produzent Don Devlin.

Und man kann auch keinem persönlich die Schuld geben oder die ganzen Helden von damals in einen Topf werfen. Eine andere Gruppe von Regisseuren hätte es genauso gemacht und es wäre dasselbe mit dem Kino passiert. Eine wichtige Erkenntnis, wie ich finde, denn auch ein Spielberg ist und war kein Gott, sondern er war ein Zerstörer. Er hat mit dem Film „Jaws“ das kleine Kunstkino den Autorenfilm für immer zerstört, dafür aber den Kinofilm auf eine neue Ebene gehievt und durch die Verbindung von Kinoenthusiasmus und dem unbedingten Willen zum Verkauf, das Blockbusterkino erfunden. Und so Widersprüchlich es klingt, damit den langsamen Tod des heutigen Kinos eingeläutet.

Wie es dazu kam, empfehle ich sehr in Peter Biskinds Buch „Easy Riders, Raging Bulls – Wie die Sex, Drugs und Rock’n’roll Generation Hollywood rettete“ unter dem Kapitel „Die Rache des picklingen Brillenträgers“ nach zu lesen.

Kurzer Exkurs:  Oftmals unterstellt man ja Blogschreibern, dass ihre Meinungen weithergeholt sind und wenig akademisches Wissen hinter den oftmals profanen Thesen und Aussagen stehen! Ich für meinen/unseren Teil kann nur sagen, dass wir unser Wissen nicht nur von wikipedia.com beziehen, sondern auch das gute alte Buch nutzen. Wenn Sie Filmliebhaber sind oder einer werden möchten, empfehlen ich Ihnen dieses Buch. Die Süddeutsche Zeitung schrieb damals bereits: „Dieses Werk ersetz eine halbe Filmbibliothek.“ …und ohne, da bin ich mal arrogant, wird man kaum nachvollziehen können, warum ein scheinbar alter Streifen über einen Hai noch immer diese wichtige Tragfähigkeit besitzt.

Somit ist es auch unmöglich über die Zeit des „New Hollywood Kinos“ zu schreiben oder zu diskutieren, wenn man das damalige Sittengemälde außer Acht lässt.

Mit dem Begreifen des Filmes „Jaws“ verhält es sich ähnlich! Man muss sich für die Produktion, Veröffentlichung und der Auswirkung des Filmes auf das Publikum neben dem eigentlichen Film, interessieren.

Deckard würde nun sagen: „Schuster bleib bei Deinen Leisten“, was ich sofort dementieren würde. Denn „Jaws“ ist nicht nur „Jaws“, sondern „Jaws“  bewirkte eine dramatische Veränderung der Filmbranche. Und zwar in völliger Unabhängig davon, ob man nun meint, es handelt sich hierbei um ein Meilenstein oder um einen völlig überwerteten Popcornfilm der ersten Generation.

Genau das macht diesen Film aber zu einem ALL TIME CLASSIC FILM, weil er nicht nur in der Aufnahme der Wirkung auf das gesamte Kino von Bedeutung ist, sondern auch seine Berechtigung hat, um zu überlegen, was einen großen Film ausmacht!

Kein neue Erkenntnis, aber „Jaws“ zeichnet sich durch zwei wesentliche Elemente aus, die selten so perfekt harmonisiert wurden: Entertainment und Suspense..

„Die Bombe ist unter dem Tisch und das Publikum, weiß das“, resümierte Alfred Hitchcock einst das Thema gegenüber seinem Gesprächspartner Francoise Truffaut. Was zeichnet „Jaws“ aber gegenüber einem Hitchcock Klassiker aus? …sollte man dann fragen, um das fiktive Gespräch aufrecht zu erhalten!

Nun, würde ich antworten, bei „Jaws“ steht die „Suspense“ der Handlung im direkten Zusammenhang mit der visualisierten Angst und der unfassbar gutgelaunten Spiel der drei Hauptakteure: Dreyfuss, Schneider und Shaw. Hinzu kommt das unfassbare von mir in diesem Film sehr geliebte Zusammenspiel von Kamerapositionierung, Montage und Filmmusik. Über alle drei Vorgaben, die letztendlich auch die angesprochene Suspense funktionalisieren, können ganze Doktorenarbeiten geschrieben werden.

Eine weitere Möglichkeit den Film zu rezipieren, sind die Möglichkeiten und Zusammenhänge der menschlichen Angst: Da gibt es ganze Bücher, die das Thema „Selachophobie“ (Angst vor Haien) aufgreifen. Dann weiter gedacht, der Hai als Monster, als Element eines Horrorthrillers und noch weiter gedacht, die ganze Situation des Filmes als gesellschaftskritische Haltung gegenüber politischen Systemen, Bürgerlichkeit, Kommerzialisierung darzustellen.

Mich aber fasziniert die Wirkung des Filmes!

Obwohl ich fremdes Territorial betrete und mich nicht in Deckards Fußstapfen messen möchte, ausnahmsweise ein Wort zur Musik von John Williams, da ich diese für eine der besten Hollywoodkompositionen für einen Film überhaupt halte.

Jeder Mensch der sich für dieses Thema interessiert oder interessieren will, sollte sich mal die Zeit nehmen und eine Stunde vor dem heimischen DVD/BR-Player mit Musik und Film laborieren. Denn die motivische Verarbeitung ist künstlerisch, technisch und lyrisch am Limit. Sie ist ultimativ. Natürlich wird es X-tausend Kombinations- und Variationsmöglichkeiten geben, aber man wird keine perfektere als dieses Zusammenspiel zwischen Film, Motiv und Musik finden. Kritiker, würden nun wieder sagen, dass der Sekunden-Intervall ja auch schon bei Hermanns Psycho auftrat und im Zusammenhang mit den Messerstichen ist dieser Cue sicherlich auch spektakulär, aber hören Sie sich einmal die komplette Partitur der beiden Scores an. Vergleichen Sie einmal Bernard Herrmann mit John Williams, sie werden bemerkenswerte qualitative Unterschiede feststellen. Später, wenn Sie es raus haben, können Sie anfangen zu überlegen, an welcher Stelle Williams sich beim herrmannschen Score bedient hat. Ich halte den Score auch für überlegener, weil er die ganze Bandbreite und die ganzen Möglichkeiten der Filmkomposition darstellt. Die Actionthemen, das Hai-Motiv, die unglaubliche Bedrohlichkeit des Tracks „The Empty Raft“, die brachialen mit vollem Orchester gespielten wichtigen Suspensemomente und die wunderschönen lyrischen Passagen, die das Meer und den Jähzorn der Natur vereinen, sind eben nicht nur glanzvolle Begleitmusik sondern, wichtige klassische Orchestermusik der Gegenwart. Es wird Zeit für diese Kunst und dieses Genie ein neues Wort für Meisterwerk zu erfinden!!!! Und es gilt dem musikalischen John Williams zu danken, dass er bereits sehr früh verstanden hat, wie er seine begnadeten Fähigkeiten und sein Talent am besten einsetzen kann.

„Jaws“ ist ein zeitloser Unterhaltungskunstfilm! Den man als Kunst oder als Unterhaltung betrachten kann. Jede Denkliga der Menschheit, jedes Milieus, jeder Bildungsstand und jede Anforderung wird bedient. Sie können mit Professoren über diesen Film streiten und politische, gesellschaftstheoretische und cineastische Gedankenwelten aufbauen, Sie können diesen Film mit Straßenkindern aus Südamerika sehen und einen fantastischen Abend haben oder Sie können sich diesen Film mit Schwerverbrechern im aller letzten Gefängnis hinter Chemnitz ansehen. Und das jetzt, in 10 oder 100 Jahren. Er wird immer funktionieren, den Menschen immer Angst einjagen und sie immer zum Denken und zum Unterhalten einladen. Das ist für der perfekte Kinofilm und daher DER All TIME CLASSIC FILM überhaupt!

Aus dem schönen Seebad Amity!

Alan Lomax      

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