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Inseln im Strom (Islands In The Stream)

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 23. Januar 2011, 09:43am

Kategorien: #Filme

Islands-in-the-stream.jpg

Der 1977 erschienene Film wirkt im nachhinein wie ein wehmütiger Abschied einer grossen Ära in der Geschichte Hollywoods, v.a. wenn man Bildsprache, Schnitt, Rhythmus und Erzählweise betrachtet. Im gleichen Jahr erschien Star Wars und läutete den Beginn eines neuen Zeitalters ein, es gab keinen Platz mehr für episches Kino dieser Art, dessen Glanzzeiten in den 60'er und 70'er Jahren lag.

Ich habe den Film, den ich gestern zum ersten Mal sah, sehr genossen, da ich diese epische Erzählweise im Kino sehr schätze, weil den Charakteren Zeit gegeben wird sich zu entfalten und das Ausmaß der Handlung sich in der Gänze nach und nach erschliesst.

Vorlage für den Film ist der Roman von Ernest Hemingway, der erst viele Jahre nach seinem Tod veröffentlicht wurde. Es verwundert nicht, dass Hemingway ihn zu Lebzeiten nie herausbrachte, weil er tief in die Psyche des Autoren blicken lässt und sehr stark autobiografische Züge trägt. Sein alter Ego im Roman und Film ist der Künstler und Bildhauer Thomas Hudson, beeindruckend verkörpert von George C. Scott, der zurückgezogen auf einer Insel der Bahamas-Gruppe lebt und arbeitet, weil er wie er sagt "... von den Menschen in Ruhe gelassen wird!"

Franklin J. Shaffner, der so meisterhafte und wegweisende Filme wie 'Planet der Affen', 'Patton' und 'Papillon' drehte, führte Regie. Der Film erzählt die Geschichte dieses Künstlers vor dem Hintergrund des beginnenden II. Weltkriegs, der zwar im fernen Europa tobt, dessen Auswirkungen aber auch die Inselbewohner unmittelbar erreicht.

Eines Tages besuchen ihn seine 3 Söhne, die er vorher nie zu Gesicht bekommen hat, aus seinen vergangenen zwei Ehen. Diese Konfrontation löst ein Umdenken in ihm aus, als er Freundschaft mit ihnen schliesst und den Sommer mit seinen Jungs auf der Insel verbringt. Bewegende Momente mit zu Herzen gehenden Dialogen wechseln mit spannenden Momenten auf hoher See und der definitive Höhepunkt ist eine lange Sequenz, in der einer der Söhne einen Marlin am Angelhaken hat und mehrere Stunden mit dem Fisch kämpft, dramaturgisch packend inszeniert und ein wesentliches Element der Hemingway'schen Lebenskultur deutlich aufzeigend.

Diese ersten zwei Episoden, 'Die Insel' und 'Die Jungen' sind in berauschenden Bildern festgehalten vom Kameramann Fred J. Koenekamp und es kommt einen unweigerlich in den Sinn die Zivilisation zu verlassen, wenn man diese Sequenzen sieht.

Als seine Söhne die Insel wieder verlassen müssen erkennt Hudson, wie sehr sie ihm fehlen und schreibt ihnen einen Brief, in dem er seine Gefühle für sie zum Ausdruck bringt.

Im weiteren Verlauf betitelt 'Die Frau' steht plötzlich seine Ex-Frau vor der Tür und er kann sich zunächst keinen Reim auf ihren Besuch machen, bis er den Grund erfährt, der ihn zutiefst erschüttert.

In der letzten Episode muss Hudson, eher zufällig als gewollt, Juden, die aus Europa geflüchtet sind, nach Kuba bringen, was angesichts der Gewässer und der Polizei sich als äusserst gefährlich erweist und in einem spannenden Finale mündet.

Es ist weniger die Rahmenhandlung, sondern vielmehr das Seelenleben des Protagonisten, was diesen Film so besonders macht. Ein in sich gekehrtes, introvertiertes Spiel ist dem Zuschauer viel schwieriger zu vermitteln als das Gegenteil, aber Scott ist in seiner Interpretation überragend und trägt den ganzen Film durch seine unnachahmliche Präsenz. Sein ganzes Innenleben wird durch seine Physis und v.a. Augenspiel übertragen und er wirkt sehr glaubwürdig. Zudem gibt es in der Mitte und am Ende des Films einen inneren Monolog, der die Psyche des Hauptdarstellers widerspiegelt und den Zuschauer auf diese Weise teilhaben lässt.

Wie die selbst gewählte Einsamkeit des Thomas Hudson erschüttert wird und wie sich sein innerer Wandel vollzieht, ist im Roman sicherlich besser nachvollziehbar, aber Schaffner und Scott können das auch in 100 min. durchaus überzeugend vermitteln.

Ein grossartiger Film mit vielen Szenen, die in Erinnerung bleiben werden!

Jerry Goldsmith, der auch zu diesem Film eine wunderschöne Musik schrieb, bezeichnet sie als seinen persönlichen Favoriten. Wer sie in Zusammenhang mit den Bildern und der Handlung hört kann gut verstehen, warum.

Ein Film, den ich von Zeit zu Zeit mit Sicherheit wieder sehen werde.

Grosses, schönes, episches und bewegendes Kino.

Rick Deckard

link zu einer Zusammenstellung der Filmmusik auf You Tube

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