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www.lomax-deckard.de

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Musik, Kino, Kultur und Radiosendung musikabend 674.fm


In die Ferne schweifen

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 5. April 2010, 11:00am

Kategorien: #Kommunikation

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Bereits vor einem Jahr war ich in Bremerhaven. Seit einigen Jahren wurde dort gebaut und einiges investiert, um den Hafen und die angrenzenden Gebiete interessanter zu gestalten. Es gibt am Wasser und dem eigentlichen Hafen viele interessante Gebäude, welche architektonisch und optisch sehr ansprechend gestaltet wurden, u.a. das Klima- und das Auswandererhaus. Letzteres habe ich vor einiger Zeit besichtigt. Der Besucher wird audio-visuell durch die Geschichte der vielen Auswanderer geführt, die ihr Schicksal in der Ferne, v.a. auf neuen Kontinenten suchten. Es war beeindruckend zu verfolgen, unter welchen Bedingungen die Menschen vor einem Jahrhundert auf Schiffen reisten, warum sie auswanderten und unter welchen Bedingungen. In Archiven kann man die Geschichte einiger Familien nach verfolgen von der Heimat und bis zu ihrer Niederkunft im neuen Land. Das ist sehr spannend! Auf den Schiffen gab es 3 Klassen in denen die Passagiere reisen konnten, die Kabinen wurden originalgetreu nachgebaut. Ohne Handy, Computer, Laptops und allen anderen Annehmlichkeiten des modernen Lebens waren die Menschen mehrere Wochen eingeengt auf dem Schiff bis sie ihr Ziel erreichten. Diese Schicksale nachzuempfinden und den Weg dieser Menschen zu verfolgen verursachte eine Gänsehaut. Nord- und Südamerika waren die bevorzugten Reiseziele. In der Führung wird man zuerst durch den Nachbau eines Schiffes geleitet unter entsprechender akustischen Ausmalung, betritt dann ein Archiv, wo man vieles nachlesen kann und wird dann weiter zu einem Kino geführt, in dem man mehrere kleine Filme sehen kann, in denen diese Geschichten erzählt werden. Sehr interessant.

Als ich gestern auf der Aussichtsterrasse am Hafen stand, die Sonne mir ins Gesicht schien und ich Schiffe auf dem Fluss beobachtete versuchte ich diese Stimmungen und Empfindungen nachzuvollziehen. Auf Pferdewagen mit ihrem wenigen Hab und Gut liessen die Menschen ihre Häuser, Höfe und z.T. grössere Anwesen zurück, reisten mit kleineren und grösseren Familien an die Küste einem Land entgegen, was sie höchstens aus Erzählungen kannten. Das Auswandererhaus ist auf jeden Fall für Menschen, die sich für diesen Teilaspekt der Geschichte interessieren absolut empfehlenswert.

Die Sonne schien, ich ging entlang des Wassers spazieren und beobachtete die Menschen. Eigentlich hatte ich vor das Klimahaus zu besuchen und mir einen Überblick zu verschaffen, aber als ich die lange Schlange sah überlegte ich es mir anders. Dann lieber hoch hinauf auf den Aussichtsturm. Unten am Fahrstuhl dann die klassischen Szenen: alle waren ungeduldig, man wurde hin- und her geschoben, keiner wollte auch nur einen Deut Platz machen, um den anderen vor zu lassen. Alle zwängten sich durch eine Drehtür und versuchten irgendwie in den Fahrstuhl zu gelangen, der schon voll war. Im Fahrstuhl dann 'Billig-Sprüche' von allen Seiten am laufenden Band, angefangen von "Hat jemand den 2. Stock gedrückt?" über "Fahren wir schon?" bis "Der ist nur für 18 Personen zugelassen, sind wir nicht 50? Ha,Ha,Ha!" Ich atmete tief durch als ich oben ankam. Man hatte einen famosen Blick über Bremerhaven, die Nordsee und die Weser bei bester Aussicht und Sonne. Man kommt dem Gefühl der Freiheit sehr nahe, wenn die Dinge am Boden plötzlich so klein werden, der Wind einem um die Nase weht und die Natur sich in all ihrer Schönheit zeigt. Die Menschen um mich herum konnte man gut katalogisieren: Rentner und "Lehrer-Persönlichkeiten" die die Infos auf den Tafeln lasen, Jugendliche, die den üblichen Unsinn am Geländer machten und Hobby-Fotografen mit irren Objektiven, die ihre Bilder aus allen erdenklichen Perspektiven aufnahmen. Nach soviel Ruhe und Ausgelassenheit musste ich leider wieder den Fahrstuhl benutzen um nach unten zu kommen. Dem Klimahaus gegenüber gab es eine grosse kreisförmig aufgebaute Mall. Ich nutzte die Zeit, besorgte mir ein erstklassiges selbst gemachtes Eis, setzte mich auf die Treppen und genoss die Ruhe.

Von Zeit zu Zeit verspüre ich immer wieder eine Sehnsucht, die mich zum Meer treibt. Die Ruhe und Gelassenheit des Wassers und v.a. der Wind sind es, die mich immer wieder dorthin führen. 

Es war ein schöner Tag gestern.

Rick Deckard

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