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Idris Muhammad Power of Soul

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 17. März 2010, 20:16pm

Kategorien: #Jazz

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Grover Washington Jr., Bob James, Gary King, Joe Beck, Ralph MacDonald und Randy Brecker. Meine vor kurzem, zurück gekommene Liebe zum 70er Fusion-Jazz wird weiter angefeuert. 1974 trafen sich die Musiker bei Creed Taylor Inc. (CTI Records) und nahmen dieses Album auf. 

Der ersten Takte von Power of Soul versprechen viel. Sofort weiß man ich welcher Welt man sich befindet! Groove, Groove und wieder Groove. Das rhythmische Konzept des Schlagzeugers Idris Muhammad ist klar. Aber die Kollegen verstehen es hervorragend sich in dieses Konzept zu integrieren. Muhammad der in den 60zigern zum Islam konvertierte und als Leo Morris geboren wurde, sucht seine Basis im Rock. Keine Frage! Die Idee das als unterhaltendes Element zu nutzen und darauf soulhaltige Riffs zu blasen war nicht neu. Die Harmonien in dem Fall, haben aber eine wunderbare Eleganz und gehen bis zu einer unerträglichen Schönheit. Nach mehrmaligen hören fallen die vielen Keyboardpassagen von Bob James auf. James der offensichtlich an komplexen Arrangements interessiert war, versucht sogar Streicherteppiche zu integrieren, was einigen ruhigen Passagen erstaunlich gut tut und viel mit Melodie zu tun hat. Das ganze verleiht der rockigen Struktur und den afroamerikanischen Downbeats eine schöne Lässigkeit. Die an viele gute Filmmusiken aus den siebziger Jahren erinnert. Natürlich ist der Einsatz des E-Pianos nicht zu knapp und Erwartungen an den charakteristischen Sound des Fender Rhodes „Silver-Top“ Electric Piano werden voll und ganz erfüllt. 

Vielleicht könnte man Washingtons Smoth-Jazz-Ansätze, die oftmals nach übelsten Kenny G. Sounds klingen anmerken, allerdings kann man dem Mann mit dem besten Vornamen der Welt (Grover) nicht unterstellen, dass er etwas adaptiert, schließlich hat er dieses sehr melodiöse Jazzgenre mit erfunden. Geschmackssache! Bei der Nummer The Saddest Thing kann man diese Trivialität nachvollziehen. Allerdings finde ich, dass der Gitarrist Joe Beck mit seinen feinen, gnadenlosen Riffs in der Nummer die treibende Kraft ist und mit Washington einen tollen Dialog führt. Zu hören ab Minuten 1:36! Zahlen kommen übrigens zu kurz auf diesem Album. Nur vier Tracks und nicht mehr 35 Minuten Spielzeit. Egal, mehr Fokus auf das wesentliche und keine unnötigen Nummern. Das Opus Die ist dann zum Schluss die über 10-Minuten lange Nummer  Loran’s Dance. Beastie Boys Fans werden die Nummer wieder erkennen. In „B-Boy Bouillabaisse“  haben sich die drei New Yorker Musiker an den Beats, aber auch an James extrem coolen Rhodes-Sound bedient. 

Keine Ahnung, ob diese Platte ein Meilenstein oder Muss ist. Sagen wir es mal so. Wenn ich einen Plattenladen hätte, würde ich das Album an einem Samstagmittag auflegen, wenn die ganzen Nerds und pickligen DJ-Kids da sind. Auf der Suche nach coolen Sounds und unbekannten Jazzplatten, mangels fehlender Mentoren und Einflüsse, würde sie mir die Scheibe auch für über dreißig Euro abnehmen. „Extrem Rar“, klar, dass würde ich sagen. Aber mit einem gewinnenden Lächeln im Gesicht, in dem Bewusstsein ihnen etwas, wertvolles mit auf den Weg mitgegeben zu haben. 

Alan Lomax  

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