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Fussball WM 2014 - Jogi Löw gegen 40 Millionen Bundestrainer

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 28. Mai 2014, 13:45pm

Kategorien: #Sport

WM 2014

Ein großes Turnier im Fußball steht bevor. Fußball ist ein Volkssport. Millionen Menschen spielen und sehen Fußball, in diesem Land und weltweit. Tut man etwas selbst und kann man etwas selbst, oder meint es zu können, hat man dann die Berechtigung im Profisport mitzureden?

Bundestrainer Joachim Löw hat keinen leichten Beruf. Wenige Wochen vor dem grossen Ereignis verschafft sich vox populi Gehör. Aber nicht nur das Volk will mitreden, sondern auch die Profis. Jeder will in seiner Meinung gehört werden. 

Versuchen wir zunächst die vielen selbst ernannten Bundestrainer zu verstehen, bevor wir uns in einem nächsten Schritt den Aufgaben und Herausforderungen des Bundestrainers zuwenden. Warum äussern sich die Menschen vor jedem Turnier in der bekannten Weise? Als Löw den vorläufigen Kader bekannt gab, begann die Kritik und die Aufstellungswut:

Wieso der und nicht jener?

Warum hat er ihn nicht mitgenommen?

Das kann doch nicht wahr sein!

Ich verstehe ihn nicht. X hat doch über 15 Tore geschossen!

Der war doch verletzt, der andere nicht, warum lässt er denjenigen nicht zuhause und nimmt den anderen mit?

Usw. und so fort.

Liegt die Einmischung und laute Wortäusserung gar an dem Spiel selbst? Schauen wir uns Fußball einmal aus der Nähe an, im Grunde ist es eine der einfachsten (Ball)Sportarten überhaupt: 11 gegen 11 auf einem Platz. Ziel ist es den Ball im Tor des Gegners zu versenken! Aus dieser einfachen Grundidee wird in heutiger Zeit zwar eine Wissenschaft gemacht, aber im Prinzip bleibt es dabei.

Liegt es vielleicht an der Einfachheit dieses Spiels, dass sich Fußballfans einmischen und meinen das Spiel, die Aufstellung und die Ziele auf professioneller Ebene beurteilen zu können?

"Was die in 90 min. jeden Samstag zeigen, kann ich auch, zwar nicht auf diesem Niveau, aber ich kann es." So zumindest mag die Denke derjenigen sein, die mitreden wollen. Die anderen, die Couch Potatoes, die seit 30 Jahren Fußball im Fernsehen sehen und jede Statistik sowie jedes Spielergebnis kennen, haben auch ein gehöriges Stück mitzureden und nicht zu vergessen die Fans, die jeden oder jeden 2. Samstag ins Stadion gehen, um ihre Mannschaft anzufeuern. Die erleben diesen Sport live mit und haben eine Sonderberechtigung.

Fußball ist ein Volkssport und Joachim Löw bekleidet ein öffentliches Amt. Also darf jeder mitreden und kritisieren, weil was dem Volk "gehört", darf vom Volk auch be- und verurteilt werden. Wer im Rampenlicht steht, darf und muss sich Kritik gefallen lassen.

Doch von wem kommt diese Kritik?

Schauen wir uns einmal den Beruf des Bundestrainers an.

Herr Löw muss seinen Plan, seine Spiele an die Bundesliga anpassen, denn dort ist das Zentrum des Fußballs, Jahr für Jahr. Er muss sich den Trainern und mächtigen Präsidenten beugen, wenn es um die Freistellung der Spieler geht. Joachim Löw hat wenig Zeit für die Vorbereitung auf ein solches Turnier, immer wieder müssen Spieler absagen, weil sie verletzt sind. Das, wofür die Bundesligatrainer ein Jahr und mehr Zeit haben, muss der Bundestrainer in wenigen Wochen erreichen: Ein Team zusammenstellen, welches in kürzester Zeit miteinander harmoniert und sich einspielt. Er muss Profis, die die ganze Saison hindurch mehr oder minder Rivalen im Wettkampf waren, praktisch "umpolen" und zu Teamkollegen machen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Er steht vor der Aufgabe die klimatischen Verhältnisse des Gastgeberlandes mit seinem Trainerstab einzuschätzen. Er muss die Gegner auf das genauste studieren und herausfinden, wo die Stärken und Schwächen der jeweilgen Teams liegen, um sich dementsprechend vorzubereiten.

Um das zu bewerkstelligen hat er Zeit. Er schaut sich die Spieler aus nächster Nähe an und beobachtet sie wiederholt über mehrere Monate, Jahre. Er geht in die Stadien, in Deutschland und Europa. Er redet mit den Trainern, er kommuniziert, er beobachtet. Umgeben ist er von seinem Trainerstab und den Medizinern, die ihm regelmässig über den körperlichen Zustand der Profis berichten.

Auf diese Weise gewinnt er eines: Fakten. Daten. Informationen.

Um ein Urteil fällen zu können sind diese Daten unumgänglich. Auf Grund der Fakten macht er sich ein Urteil. Für diese Entscheidung, dieses Urteil, trägt er allein die Verantwortung und die ist riesig angesichts des öffentlichen Interesses. Gewinnt Deutschland den Titel und wird Weltmeister, was wir alle uns natürlich wünschen, hat er alles richtig gemacht und die Millionen Bundestrainer, Couch-Potatoes und Fans klopfen sich und dem Nachbarn auf die Schulter: Löw und WIR haben alles richtig gemacht. Verliert die Mannschaft ist wie immer nur einer Schuld: Der Bundestrainer. Kritik ist in den Medien immer Personen bezogen. Die Millionen Bundestrainer, Couch-Potatoes und Fans ergiessen sich in Häme und Spott. "Habe ich doch gleich gesagt, der taugt nichts!"

Nur: Er muss sich der Kritik aussetzen und nicht WIR. WIR können uns entspannt zurücklehnen und ein Bier trinken.

Lassen wir Joachim Löw in Ruhe seine Arbeit machen, er weis genau was er tut und schliesslich wollen wir uns von ihm doch auch nicht in unseren Beruf 'reinreden lassen, oder? WIR wissen doch selbst genau, was wir jeden Tag zu tun haben! Stellen Sie sich vor, da kommt einer eines Morgens zu Ihnen ins Büro, auf die Baustelle oder den Bauernhof und sagt Ihnen, wie Sie kalkulieren, bauen oder melken sollen ... .

 

Viel Glück für die WM Herr Löw, Ihnen und dem ganzen Team!

 

Rick Deckard

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