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From Gainsbourg To Lulu (Version Internationale)

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 20. Dezember 2011, 18:23pm

Kategorien: #Jazz

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Nach dem das Jahr 2011 musikalisch und archivarisch beendet wurde, hatte ich mir vorgenommen mal wieder eine gute neue Jazzplatte zu kaufen. Da ich derzeit nicht in den Schallplattenhandel gehen mag, bevorzugte ich den Weg über den itunes Jazzstore. Mal sehen was einem dort angeboten wird: Various Artists - Nachtcafé, Robbie Williams - Swing When You're Wining, Nils Landgren, Trombone Shorty, Melody Gardot, Roger Cicerto, Till Brönner - The Christmas Album (natürlich!), Stefan Kaempfert spielt Kaempfert und jede Menge weiterer Various Artists Scheiben.

Alles ehrenwerte various Künstler, aber irgendwie habe ich das merkwürdige Gefühl, dass es hier um Weihnachten geht, um Musikverkauf und nicht um Jazz. Was tun? Alte Platten entdecken wäre die eine Möglichkeit, der Zufall die andere:

"Intoxicated Man" ist die erste Nummer die ich kenne, auf diesem zufälligen Album. Es handelt sich dabei um eine alte Serge Gainsbourg Nummer die auf einer Platte von 1962 gemeinsam mit dem Alain Goragour Orchestre kenne. Allerdings mit Gesang und nicht in so einer feinen Bop Version, die klassisch gespielt, aber doch modern vorgetragen wird. Bestimmend ist ein sehr ehrlich gespieltes Saxophone, welches mir während des improvisierten Mittelteils direkt ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Wer spielt denn da? Es ist Lulu Gainsbourg der inzwischen 25-jährige Sohn der französischen Legende und des Übervaters, wie es sie zahlreiche gibt. 

Diese Überväter der musikalischen Kunst gilt es in diesen trostlosen musikalischen Zeiten zu entdecken. Endlich ist Zeit dafür. Kürzlich hatte ich eine Paul Simon Phase. Diese will ich hier aber nicht erklären, da es sowieso keinen Sinn macht, davon zu erzählen, weil nicht jeder Musik interessierte Hörer Paul Simon für einen Übervater hält. Ihr wisst wen ich eigentlich meine, so Leute wie: Leonard Cohen, Elvis Costello, David Bowie etc. Eben die die immer wieder genannt werden. Zu recht!

Das Gainsbourg ein Übervater ist steht wohl außer Frage und schön also, dass er nun wiedermal entdeckt werden kann!

Wie es wohl ist, wenn man so eine "Lichtgestalt" als Vater hat? Man könnte nun versuchen es an den Interpretationen des Sohnes abzulesen, der das Album massgeblich mitprägt. Klar er hat arrangiert, orchestriert und dirigiert, interessant wäre nun noch die Erinnerung an den Vater. Muss man wohl nachlesen oder Gedanken malen.

Was bleibt ist eine überväterliche Huldigung, die der Sohn in den besten Neuinterpretationen nicht selbst schafft. Lulu ruft und alle kommen. Schliesslich geht es um die Provokante und verruchte Haltung des Mannes der wohl unsterblich sein wird. Vanessa Paradis, Johnny Depp, Rufus Wainwright, Marianne Faithfull und weitere beteiligen sich gerne und ich freue mich darüber.

Dabei sind angenehme bis grandiose Varianten entstanden. Die man entdecken sollte und die in den nächsten Jahren in jeder Wiedergabeliste stehen und auf jeder unvermeidlichen Mix-CD auftauchen werden.

Ein schnelles Weihnachtsgeschenk? Bitte schön! Danke ein Gainsbourg Tributealbum, da freue ich mich! So könnte der Dialog am Samstag lauten. Wenn dann später beim Eierpunsch oder beim guten Riesling Inital BB läuft sollte man allerdings darauf gefasst sein, dass Kenner den ständigen Wiederholungsknopf drücken werden. Nicht weil der alte Knabe Serge aus dem Grab singt, sondern weil unser alter Freund Iggy Pop das ebenso würdevoll, entspannt und unterhaltsam macht. Was für ein Kompliment!

Und dann ist da noch etwas ganz, ganz besonderes: Sous le soleil exactement gesungen von dem unvergleichlichen und immer noch unter den Lebenden weilenden Shane McGowan. Mein Französisch ist Mist, aber mein musikalischer Instinkt sagt mir, dass hier jede Menge schöne Ironie am Start ist.

Exakt unter der Sonne. Das bringt diese schöne, über Gainsbourg nichts sagende Platte, wohl auf den Punkt. Ein leises Säuseln in Form von Lulus gefühlvollen Jazzinterpretation hinterlässt allerdings das ewig leise Geräusche des Geheimnisses im Kopf und im Verstand zurück.

Alan Lomax 

 



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