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Musik, Kino, Kultur, Radio


Eine Reise in die Abgründe der menschlichen Seele: Francis Ford Coppola's Meisterwerk Apocalypse Now

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 6. Januar 2013, 20:59pm

Kategorien: #Klassiker

Apocalypse Now

In 'Lawrence of Arabia' sagt Peter O' Toole an einer Stelle:"Nichts steht geschrieben!" Dieser Satz hat bei 'Apocalypse Now' keine Gültigkeit. Es wurde alles erdenkliche über dieses Meisterwerk geschrieben und in jedweder Form dokumentiert. Warum also die folgenden Zeilen? Weil es notwendig ist, von Zeit zu Zeit an ein Kino zu erinnern, welches in dieser Form Geschichte ist und allzu schnell gerät Geschichte in Vergessenheit.

Beim Betrachten fragte ich mich immer wieder, wie Coppola es geschafft haben mag, einen solchen Film zu drehen? In Zeiten, in denen ganze Filme am Rechner konstruiert werden, vermag man es sich kaum vorzustellen, dass Regisseure, Kameramänner, Beleuchter und so viele andere Beteiligte vor Ort, draussen in der Natur Filme gedreht haben. Lomax beschreibt das in seinem Artikel über den Film 'Der Hobbit'.

Doch es ist nicht nur der Respekt, den man für Regisseure wie Coppola empfindet, sondern auch die Wirkung des Filmes auf den Betrachter ist eine ganz andere. Alles erscheint real, natürlich, zum Greifen nahe. Das ist Kino, das sind Bilder, die zeitlos sind. Man wird sich ihrer auch in Jahrhunderten noch erinnern. Heute wirken so viele Kinobilder "gelackt", gekünstelt, schlicht austauschbar, ohne jede Seele.

Die Bildsprache bei 'Apocalypse Now' ist umwerfend. Das sind nicht nur Kinobilder, man muss das als Kunst bezeichnen. Unglaublich, wie sich die Beleuchtung und die Kameraeinstellungen verändern, je weiter Martin Sheen in "das Herz der Finsternis" vordringt. Parallel zur Entwicklung der Geschichte verändert sich das Visuelle und das allein zu verfolgen löst Euphorie aus. Kamermann Vittorio Storaro erschuf Bilder von magischer, düsterer und dunkler Schönheit, wie ich sie so im Kino selten gesehen habe. Es sind dies nicht nur die Bilder des Bootes auf dem Fluss umgeben von einer tropischen Welt, es sind v.a. die Naheinstellungen von Marlon Brando am Ende des Films: Meisterhaft! Mehr kann und will ich dazu nicht sagen, man muss sich den Film ansehen, alles weitere erklärt sich von selbst.

Doch warum dieses Kino so schön, so ästhetisch, so beeindruckend und so zeitlos war und ist zeigen neben der Kamera auch andere elementare Bestandteile, die zum Kino gehören. Hier speziell im Einzelnen zu nennen, ist es der Schnitt. Ein Grund, warum dieser Film so überragend und so wichtig ist, ist der Schnitt. Nun mag einer denken:Was interessiert mich dieser technische "Schnick-Schnack"? Es sollte sie aber interessieren, wenn Sie einen Film sehen, denn ganz essentiell für seine Wirkung, gerade bei einem Film wie 'Apocalypse Now', ist der Rhythmus, in dem der Film erzählt wird und dieser ist bei dem hier genannten Film äusserst beeindruckend: Wie Bilder ineinander gleiten, sich überdecken, kaum sichtbar ineinander übergehen, das verursacht eine Gänsehaut. Beispielhaft sei die Szene ganz zu Anfang genannt, in der Sheen in seinem Hotelzimmer in Saigon liegt oder die Szenen am Ende des Films. Ein solcher Erzählrhythmus, ein solches verzögertes Tempo wäre in heutiger Zeit kaum mehr denkbar, in denen unser Gehirn im Stakkato befeuert wird und das mit ständig verwackelter Kamera. Die Macher kaschieren damit nur eines: Ihre Unfähigkeit.

Was jedoch diesen Film zu einem Klassiker, einem echten Meisterwerk erhebt, das sind die Handlung, die Dialoge, die Reise des Captain Willard auf dem Fluss, immer tiefer in den Dschungel hinein, auf der Suche nach dem angeblich verrückt gewordenen Colonel Kurtz. Diese Reise wird, wenn man den Film das erste Mal sieht, aber auch danach, für immer unvergesslich werden, denn, und hier liegt der Unterschied zu so vielen anderen Filmen aus diesem Genre und überhaupt, hier tritt der Zuschauer mit Willard zusammen eine Reise an in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele.

Das was Joseph Conrad in seinem grandiosen Roman herausarbeitete, das visualisiert und dramatisiert Coppola mit den Mitteln des Films auf kongeniale Weise. Eine der in diesem Zusammenhang atemberaubendsten und erhellendsten Szenen ist die, in der Willard sich mit einem Crew Mitglied auf die Suche nach Mangos macht. Schauen Sie sich diese Szene an mit allem, was ich in den vorherigen Absätzen geschrieben habe, ganz genau an! Solche Szenen sind es, die mich und Lomax immer wieder begeistern und unsere Leidenschaft für dieses Kino aufleben lassen.

'Apocalypse Now' ist ein Film, der eine unfassbare Szene an die andere reiht. Ob es die schier sensationell gefilmte Sequenz mit Robert Duvall ist, oder aber die Szene mit den französischen Kolonialisten, alle diese Momente sind einzigartig in ihrer Art.

Die abschliessende Sequenz in der Sheen auf Marlon Brando trifft ist pure Kinomagie, pure Poesie, die so beeindruckend und nachhaltig ist, dass das geschriebene Wort dem nie ebenbürtig sein kann. Brando, seine Monologe, sein Schauspiel, seine Körpersprache, die Kamera, jede einzelne Einstellung, der Inhalt seiner Worte: Grandios!

'Apocalypse Now' von Francis Ford Coppola ist ein überragender Film und einer der wichtigsten Filme der populären Kultur überhaupt. Er wagt sich so weit vor, wie kaum ein anderer Film vor oder nach ihm und zeigt, was für eine Kunst Kino sein kann.

Ein Film mit Wahrhaftigkeit.

Rick Deckard


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