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Superman - Ein unvergessener Held

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 11. Mai 2010, 16:16pm

Kategorien: #Vergessene Helden

Superman.jpg

Ich kannte mal einen Jungen, der sich viel aus Helden machte, sie sogar verehrte und heute nach Ihnen sucht.

Woher seine Begeisterung für Helden kam vermag ich nicht zu sagen. Bereits in sehr jungen Jahren als er lesen konnte entflammte seine grosse Leidenschaft für Comics, die bis heute anhält. Er verfolgte gebannt die Abenteuer von Tim und Struppi, von Mandrake dem Zauberer, von Flash Gordon und auch dem Phantom. Durch die Bilder und den Text konnte er sich in eine andere Welt versetzen und die Umgebung und den Alltag vergessen. In der 5. Klasse machte er die Bekanntschaft von Heiko S., der ihn eines Tages nach Hause einlud. Sie spielten Tele-Tennis und aßen Kuchen und tranken Kakao, der von Heiko's Mutter gereicht wurde. Während sie am Chemie Baukasten herum bastelten fiel sein Auge auf eine Reihe von grossen Zeitschriften oder Bänden im Regal und er sah sich diese zunächst von aussen an. Ehrfürchtig holte er den ersten Band heraus und sah auf den Titel:

Superman.

Voller Neugier fing er sofort an in diesem Comic zu blättern und Heiko schloss sich ihm an. Man unterhielt sich über diesen Superman und schmökerte in den darauf folgenden Wochen und Monaten in allen Bänden, mal gemeinsam, mal alleine, da Heiko S. zu den grosszügigen Menschen gehörte, die kein Problem damit hatten etwas auch mal auszuleihen. Der Junge war seitdem vollkommen fasziniert von diesem Superman. Allein die Tatsache, dass er fliegen konnte begeisterte ihn ungemein, denn wenn er abends so da lag in seinem Bett machte er sich Gedanken wie es wohl sein würde zu fliegen, die Welt von oben zu sehen, die Städte, die glitzernden Lichter, die Landschaften, die Berge, weit hinaus bis ins Weltall zu den Sternen ... . All das konnte dieser Superman und es machte dem Jungen grosse Freude das zu beobachten und zu lesen. Seine Hingabe kannte keine Grenzen, insbesondere wenn 'Der Stählerne', so wurde er im Comic auch genannt, hoch oben über Metropolis in der Luft innehielt und seinen Gedanken freien Lauf liess. Was für eine Freiheit! Was für ein Blick auf die Welt!

Aber ihn faszinierte auch der Charakter dieses Aliens, der Kal-El genannt und als kleiner Junge von seinem Vater Jor-El von dem untergehenden Planeten Krypton in einer guten Absicht auf die Erde geschickt wurde, wie er mit seinen Zieheltern in Smallville, Kansas aufwächst um später in Metropolis als Clark Kent seine irdische Berufung als Reporter zu finden. Er verfolgte sehr genau was dieser Superman dachte und verstand nur allzu gut, wenn er sich in seine 'Festung der Einsamkeit' zurück zog. Später als Erwachsener sollte er sich näher mit den Autoren Jerry Siegel und Joe Schuster beschäftigen.

Was für tolle Eigenschaften dieser Superman hatte: er verfügte über einen Röntgenblick, hatte unermessliche Kräfte, ihm konnten extreme Hitze und Kälte nichts anhaben und er verfügte über einen so edlen Charakter. Dazu hatte er einen unglaublich athletischen Körper. All dies in Verbindung mit seiner Herkunft und seinen Abenteuern machte ihn zu einem Helden der Superlative für diesen Jungen und diese Leidenschaft für den Comic-Helden hielt ungebrochen an.

Eines Tages sah er im Fernsehen im Jahr 1978 eine Vorschau für einen Kinofilm und glaubte seinen Augen kaum zu trauen: Superman! Er war damals 10 Jahre alt und beschwor seine Eltern ihm Geld zu geben, damit er sich diesen Film im Kino anschauen konnte. Mit 5 DM in der Tasche war es dann eines Tages soweit. Mit der Strassenbahn-Linie Nr. 4 fuhr er zum Steintor um von dort zum Kino zu laufen, welches Weltspiele hiess und es heute nicht mehr gibt. Über dem Kinoeingang hing ein riesengrosses gemaltes Plakat mit seinem Helden. Sein Herz schlug ihm bis in den Hals hinauf. Um zum Kartenverkäufer zu gelangen musste er über einen Flur. An den Seiten hingen Schaufenster in denen die Bilder und Poster des gezeigten Filmes ausgestellt waren. Er schaute sich jedes genau an und war sehr aufgeregt zu erfahren wie der Film wohl sein würde. Am Ende des Flurs musste er warten, weil die Vorstellung davor gerade zu Ende war. Als die Besucher an ihm vorbei strömten sah er in ihre Gesichter, v.a. die der Kinder und konnte ihre Freude und Begeisterung sehen, wie sie mit ihren Händen den Helden imitierten und sein Fliegen nachahmten. Die Eltern einiger Kinder sahen sich dieses Spektakel an und schmunzelten.

Endlich war er an der Reihe. Nach dem Kauf der Karte nahm er in einem plüschigen Sessel vorne im Kino Platz und schaute sich um. Ein wunderschönes altes Kino mit weichen, samtigen und dunklen Vorhängen und überall Leuchter, die von der Decke hingen. Das Licht verdunkelte sich langsam und nach der Werbung wurde es vollends dunkel und was er dann zuerst zu sehen bekam war das:

link

Was in dem Jungen damals innerlich vorgegangen sein mag kann sich jeder vorstellen, der vielleicht ein ähnliches Erlebnis in seinem eigenen Leben hatte. Sein Held wurde Wirklichkeit in Form eines realen Menschen auf der Leinwand. Was für atemberaubende Bilder das waren vom Planeten Krypton, von seinem Vater Jor-El, seiner Reise zur Erde, seine Abenteuer in Smallville, seinen Rennen mit dem Zug, seine Reise zum Nordpol und schliesslich nach Metropolis. Was für ein fieser Superschurke Lex Luthor war! Wow, kann der schnell fliegen! Jetzt fliegt er einem Hubschrauber und Raketen hinterher um im nächsten Moment einen Zug über sich gleiten zulassen! Die Euphorie kannte keine Grenzen! Seine Augen waren weit aufgerissen und glänzten, sein Mund war vor Staunen weit aufgerissen. Was für ein Erlebnis! Er kannte die ganzen Schauspieler nicht und Namen wie Christopher Reeve, Marlon Brando, Terence Stamp, Maria Schell, Glenn Ford und Gene Hackman waren ihm fremd, auch kannte er Mario Puzo, Geoffrey Unsworth und Richard Donner nicht, er liess sich nur leiten von den Bildern und der Action auf der Leinwand. Superman war der Grösste!

Dieses Kinoerlebnis war einer jener Momente in seinem Leben, welches er nie wieder vergessen sollte. Auf dem Heimweg war der Junge nicht zu halten, die Fahrt in der Strassenbahn verging wie im Flug und auf dem Heimweg versuchte er so schnell zu laufen wie es nur ging in der Hoffnung irgendwann einmal abzuheben... und ständig summte er fünf Töne vor sich hin, die ihm seit dem Ende des Films in Erinnerung geblieben waren. Am Abend erzählte er seinen Eltern von dem Film und liess alle Momente noch einmal Revue passieren.

Noch nie schlief er so aufgeregt ein.

Aber noch etwas sehr wichtiges war an diesem Abend passiert. Ein Mann, der an diesem Film auch mitwirkte, hatte an diesem Abend unbewusst einen ungeheuren, einen immensen Eindruck auf ihn hinterlassen, dessen sich der Junge aber gar nicht bewusst war. Ein Grundstein in seinem Gedächtnis war gelegt worden, ein Keim, der erst viele Jahre später zu voller Blüte gelangen sollte und dieser Mann, der zu einem weiteren Helden, vielleicht dem grössten aller Zeiten für ihn werden sollte war:

John-Williams.jpg

John Williams schrieb für diesen Film eine Musik, die neben Themen aus 'The Empire Strikes Back' inhaltlich und in ihrer zeitlosen und überragenden Schönheit fast zu einer Lebensphilosophie werden sollten. Für den Jungen wurde diese Musik im Alter eines jugendlichen Heranwachsenden zu einem der bahnbrechendsten Erlebnisse aller Zeiten mit einer Frage, die er bis heute nicht beantworten kann:

Wie kann ein Mensch in der Lage sein so schöne Musik zu schreiben?

Der Name des Jungen war

Rick Deckard

 

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