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Musik, Kino, Kultur, Radio


Django Unchained - Quentin Tarantino

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 17. Januar 2013, 00:13am

Kategorien: #Filme

Django.jpg

Bevor man am Verstand der anderen zweifelt, sollte man selbstkritisch sein und Selbstreflexion betreiben, ... im Hinblick auf das Kino. Das habe ich soeben auf dem Weg vom Kino nach Hause getan. Nachdem ich das getan habe, muss ich folgendes schreiben:

Dieser Film ist einer der schlechtesten, den ich je im Kino gesehen habe.

Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, wann mir das letzte Mal übel im Kino wurde. Damit meine ich keineswegs die Gewalt im Film, dafür bin ich erwachsen genug. Übel wurde mir deswegen, da es mich am Ende keine Sekunde mehr im Sessel hielt. Warum dieser Film für Golden Globes nominiert war, für Oscars ist und warum Tarantino einen Golden Globe für das beste (!) Drehbuch erhielt, ist für mich in keiner Weise (argumentativ, nicht emotional) nachvollziehbar.

Ich freute mich sehr auf diesen Film, zumal endlich wieder einmal ein Western im Kino zu sehen sein würde. Dann auch noch eine Hommage an den Italo-Western und das von einem Regisseur, der zuletzt mit 'Inglorious Basterds' eine Katastrophe auf die Leinwand gebracht hatte. Um mich in Stimmung zu bringen (in Erinnerung an glanzvolle Zeiten mit 'Reservoir Dogs' und 'Pulp Fiction') habe ich mir jüngst sogar 'Kill Bill' angesehen und war begeistert.

Und jetzt? Eine grottenschlechte, Sinn entleerte Handlung, einen kaum erträglicher und unfassbar schlecht platzierter Soundtrack-Mischmasch, Schauspiel-Leistungen die an C-Filme erinnern und an den Nerven zerrende Szenen und Dialoge, die, Verzeihung, so dämlich und z.T. debil sind, dass sich einem der Magen umdreht.

Sergio Leone, Sergio Corbucci, Sergio Sollima. Ich bin froh, dass diese 3 Regisseure sich diesen Müll nicht ansehen müssen und ärgere mich zugleich, dass ihre Namen mit einem solchen Film in Verbindung gebracht werden.

Dass Tarantino bekannt für seine Kino-Leidenschaft ist, ist nicht neu. Dass aber Hingabe an das Kino nicht nur darin besteht, pausenlos zu zitieren, sondern wenn schon als Hommage gedacht, auch darin, das Erbe intelligent und mit Stil weiter zu entwickeln, das scheint bei Mr. Tarantino nicht angekommen zu sein. Ich muss es sagen: Ein maßlos überschätzter und zu Unrecht gehypter Regisseur.

Der ganze Film wirkt dermaßen konstruiert, dass ich mich frage, ob Tarantino seine Vorbilder wirklich verstanden hat. Die Idee einen Zahnarzt aus Deutschland mit einem Afroamerikaner auf der Leinwand als Duo zu präsentieren ist zugegebenermaßen ein genialer Einfall. Mit diesem Einfall hat es sich dann aber auch. Fängt der Film spritzig und durchaus amüsant an, so wird er länger und länger und länger. Im Grunde ist die Handlung diese: Ein Zahnarzt befreit einen Sklaven aus der Gefangenschaft und gemeinsam retten die beiden dessen versklavte Frau. Bis das passiert wird geschossen, geredet, geredet, geredet und geschossen. Es fliessen Tonnen an Kunstblut und der Zuschauer wird mit dermaßen schlechten Dialogen gequält, dass man ein ums andere Mal die Lust verspürte das Kino zu verlassen. Keine Ahnung, wie oft das Wort 'Nigger' in dem Film fällt. Schlimm!

Ich bin kein Spielverderber und auch kein Phrasendrescher, sondern ein Mensch, der das Kino von Kindheit an liebt und mich mit dieser Unterhaltungs- aber auch Kunstform ein Leben lang beschäftigt habe. Insofern darf ich behaupten, und das ist meine persönliche Meinung, selten einen Film gesehen zu haben, der so Menschen verachtend schlecht ist wie dieser.

Keine Dramaturgie, keine echte Dramatik, keine Überraschungen, keine grosse Kinokunst.

Jamie Foxx wäre durch jeden anderen Schauspieler beliebig ersetzbar und Waltz täte gut daran sich einen neuen Regisseur zu suchen, seine grandiosen 20 min. in IB mal abgezogen. Ach ja und noch eines: Hatte ich Hoffnung darin, dass Scorsese-Protégé Di Caprio sich zu einem guten Schauspieler mausern könnte, so nährt er mit diesem Film meine tiefste Überzeugung: Er kann nichts.

Was waren das für Zeiten als es Regisseure wie Peckinpah, Leone, Zinnemann, Aldrich, Mann, Hawks und Ford gab. Sternstunden des Kinos.

Tarantino sollte sich wieder in seine Videothek verziehen und drittklassige Filme ansehen.

Ich bin sehr gespannt darauf zu lesen, wie die schreibende, professionelle Zunft diesen Film bewerten wird.

Einer der schlimmsten (persönlichen) Kinomomente aller Zeiten.

Rick Deckard

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Kanchan 02/10/2013 02:41


Dem kann ich nur 100% zustimmen. Mein Tip: nach dem Kinobesuch so schnell wie moeglich "High Noon (1952)" oder "Gunfight at the O.K. Corral (1957)" schauen und tief durchatmen.

the spirit 01/22/2013 20:31


ich sehe es etwas anders, habe mich aber köstlich über die kritik amüsiert. die ehrliche abneoigung "django unchained" gegenüber begeistert mich! man kann es so sehen, muss aber nicht. dsas ende
ist in der tat schlecht. waltz, jackson und de caprio allerdings köstlich! die besten tarantinos sind und bleiben "death proof", "kill bill vol. 1 & 2" und "jackie brown". ansonsten verweise
ich auif mein interview mit quentin zu "django unvchained": 


 






The SPIRIT meets Quentin
Tarantino More ...


http://www.spirit-fanzine.de/interviews/pdf/Django_Unchained.pdf







Alan Lomax 01/17/2013 10:02


Na ja, obwohl ich erst geschockt war, ist es natürlich auch klar, dass der Film nicht funktioniert und offenbar ist auch der
Grund dafür recht einfach zu finden. Tarantino ist kein Europäer! Corbucci und Leones Vorstellung vom Westen waren einfach eine andere.


Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass dem Film der notwendige Nihilismus fehlt. Nenn‘ mir einen Amerikaner, der einen guten
Italo-Western gedreht hat (Clint lassen wir mal außen vor, denn mit „Erbarmungslos“ ist ihm im wesentlichem ein guter Western mit dem notwendigen Spaghettinihilsmus gelungen, weil er die Luft der
alten Welt geatmet hatte). Die Versatzstücke des „Eastern“ sind Tarantino bei „Kill Bill“ noch gelungen, aber mit der Sicht auf das Nazi-Europa scheiterte er bereits wieder.


Tarantino hat uns die mit Besten Kinomomente der letzten 25 Jahre beschert.  Aber
wir kennen ihn doch auch inzwischen und ja vielleicht hat er sein Talent und seine Intelligenz tatsächlich mit den europäischen Themen verpulvert.


Das alles aber ist subjektiv! Der richtige Kommentar zur politischen Seite, wenn man nachdenkt, dann auch zur Haptik des Filmes,
kommt von Spike Lee: „Die Sklaverei war kein Sergio-Leone-Spaghetti-Western, sie war ein Holocaust. Meine Vorfahren sind Sklaven. Gestohlen aus Afrika. Ich werde sie ehren.“

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