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Die Michael Cimino Retrospektive, Teil I: Die Letzten beissen die Hunde

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 2. Oktober 2010, 11:04am

Kategorien: #Filme

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In die Reihe der grossen Regisseure, die wir beide bewundern und schätzen, zu denen u.a. Grössen wie Lean und Leone, Hitchcock und Mann, Eastwood und Peckinpah, Zinnemann und Fincher und viele andere gehören ist einer dabei, vor dem wir grossen Respekt haben und der unser tiefes und sehr leidenschaftlich geprägtes lnteresse zum Kino geprägt hat, wie vielleicht kein anderer der hier genannten: Michael Cimino. Mit dem Herbst kommt die Zeit der Ruhe und auch die Chance die geschätzten Filme wieder zu sehen und neu zu entdecken. Aus diesem Grund startet die kleine Retrospektive mit Filmen dieses Regisseurs über die nächsten Monate, zu denen 'The Deer Hunter' (Die durch die Hölle gehen), 'Heavens Gate', 'Year Of The Dragon' und 'The Sicilian' (http://lomax.over-blog.de/article-kurzer-brief-an-rick-deckard-notizen-zum-filmsonntag-40265726.html link) gehören, als auch der kürzlich angekündigte 'Thunderbolt & Lightfoot', den ich heute gesehen habe.

Die Vorlage zu diesem ersten Erfolg von Cimino bildet interessanterweise ein Film aus dem Jahr 1955 vom Meister des Melodrams, Douglas Sirk, mit Rock Hudson und Jeff Morrow in den Hauptrollen und der in Irland im Jahr 1815 angesiedelt ist: 'Captain Lightfoot'. Er spielt in einer Ära, in der die Iren sich mit den Engländern bekriegten und Hudson spielt die Rolle eines abwegigen Kriminellen, der zufällig die Bekanntschaft eines führenden Rebellen macht (Jeff Morrow) und im Verlauf in seine Fussstapfen tritt. Dieser Film zählt zu den Lieblingsfilmen des Regisseurs und war die Vorlage für 'T&L'.

Clint Eastwood war angetan von der Scriptüberarbeitung von Cimino zu dem Dirty Harry Film 'Magnum Force' und so kam die Zusammenarbeit der beiden zustande. Als weitere Schauspieler wurden besetzt Jeff Bridges, George Kennedy und Geoffrey Lewis. Die Dreharbeiten fanden statt im US Bundesstaat Montana, in Fort Benton, Great Falls, Wolf Creek und Hobson. Die Musik stammt von Dee Barton, der u.a. auch in der Big Band von Stan Kenton spielte und die Musiken zu zwei weiteren Filmen mit Eastwood schrieb, 'Play Misty For Me' und dem Western 'High Plains Drifter'. Fotografiert wurde der Film von Frank Stanley, mit dem sich Eastwood später bei 'The Eiger Sanction' überwarf.

'T&L' ist ein Beispiel für Americana pur. Es ist vielleicht nicht das Amerika eines Norman Rockwell oder eines Edward Hopper, aber wir sehen prächtige Bilder des mittleren Westens, Weizenfelder, unendlich lange Highways, die sich in den Bergen verlieren, Vieh auf den Weiden. Dazwischen kleine Städte und Vororte mit ihren Vergnügungen, Autokinos, kleinere Betriebe und Vororte wie sie aus vielen Filmen bekannt sind. Diese Bilder werden gerade bei den Landschaften in grandiosen Einstellungen mit viel romantischem Blick festgehalten und lenken den Blick des Zuschauers in die Tiefe. Auf der grossen Leinwand muss der Film ein optischer Genuss gewesen sein.

Inmitten dieser Weiten beginnt der Film mit der Einstellung auf eine Kirche und wir sehen aus der Ferne ein Auto mit schnellem Tempo heranfahren. Dass der Fahrer kein Samariter ist erkennt man auf den ersten Blick. Hinter einer Kanzel steht Clint Eastwood mit Pommade im Haar und predigt einer kleinen Gemeinde, bis der Fahrer des Autos das Feuer auf Ihn eröffnet. Eastwood flieht und wird verfolgt, bis er per Zufall Bridges über den Weg läuft, der gerade in der Nachbarschaft ein Auto gestohlen hat. Beide schliessen sich unfreiwillig zusammen, wobei Eastwood aka Thunderbolt zunächst abgeneigt ist. Erst langsam kommen die beiden sich näher und öffnen sich gegenseitig in kleinen, aber präzisen Dialogen. Während dessen sind Ihnen die Häscher auf der Spur und in der Mitte erfährt der Zuschauer auch warum.

Einer dieser Verfolger wird von dem rothaarigen George Kennedy gespielt, der leider in Vergessenheit geraten ist. Leider, da er ein exzellenter Schauspieler ist. Er begann seine Karriere mit dem Stanley Donen Thriller 'Charade' und wurde seitdem in fast allen Genres vornehmlich als Nebendarsteller besetzt. Zu seinen bekannteren Filmen gehören 'Der Flug des Phönix' von Robert Aldrich oder auch 'Der Unbeugsame' von Stuart Rosenberg. Ein Grossteil der komödiantischen Elemente von 'T&L' kommt durch die Dialoge von Kennedy und Bridges zustande, der hier seine erste fabelhafte Leistung zeigt und auch prompt als 'Bester Nebendarsteller' für den Oscar nominiert wurde. Im Grunde trägt Bridges den ganzen Film, da Eastwoods schauspielerische Qualitäten bekanntermassen bescheiden sind. Die Chemie zwischen ihm und Eastwood funktioniert aber sehr gut, v.a. auf eine sehr subtile Art und Weise.

thunderbolt-and-lightfootEs fällt schwer diesen Film einem bestimmten Genre zuzuordnen, am ehesten dem Road Movie mit Anleihen beim Buddy- und Heist Movie. Cimino geht bei dem Film sehr behutsam mit der neu geschlossen Freundschaft zwischen den beiden Hauptdarstellern um und vermeidet Pathos, was auch eine Stärke des Film ist. Erst nach und nach und auch das wird nie dick aufgetragen, kommen die beiden sich näher und der Humor wird hierbei nie aus den Augen verloren. Sowieso ist der Film in dieser Hinsicht ein Zwitter, denn Humor und Dramatik halten sich die Waage, was in der Rezeption des Films mitunter verunsichert, wenn es phasenweise zu Gewaltausbrüchen kommt. Aber diese Verbindung führt auch dazu, dass man herzhaft lachen muss, insbesondere in den Szenen zwischen Bridges und Kennedy.

Cimino's Filme sind stets Filme mit grösster Nachhaltigkeit und grosser Wirkung, auch hier in diesem Fall. So weht von Anfang an ein leiser Hauch Melancholie durch den Film, die sich zum Ende des Films fast unaufgeregt steigert und fast mit Zärtlichkeit in der Schlusseinstellung verfliegt. Diese inszenatorische Kraft von Cimino ist es, welche uns beide stets begeistert hat und die er in seinem 4 Jahre später folgenden hoch intensivem und ans Herz gehendem Meisterwerk 'The Deer Hunter' perfektionierte. Michael Cimino beherrschte die epische Erzählweise im Kino wie kaum ein anderer und war in der Lage eine Geschichte in Bildern so zu erzählen, dass man seine Filme hinterher nie vergass. Im Gegenteil, der Effekt war so immens, dass Lomax und ich uns nicht mehr "trauten" diese Filme zu sehen, da sie einen in allen Facetten seines Lebens durchdrangen.

Ein überragender Regisseur!

Rick Deckard

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