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Die Best-Of-Platten von Gilbert Bécaud und Benjamin Biolay

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 16. November 2011, 11:23am

Kategorien: #Populäre Musik

 

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Unterhaltungs-Profi, Monsieur 100000 Volt, Entertainer, Chansonnier, Franzose, Schlagersänger, Schauspieler, eleganter Lebemann, Nationalheld. All’ das war Gilbert Bécaud. Diese Rollen zu verstehen, dieses Leben (1927-2001) einer jüngeren Generation verständlich zu machen, ist ausschließlich unmöglich. Denn so eine Gestalt kann man wohl nur gänzlich verehren, wenn man sein künstlerisches Leben begleitet hat, mit ihm alt geworden ist.

 

Bei meinen Überlegungen und Recherchen zu diesem Eintrag habe ich mir überlegt, welche Attribute man verwenden muss, um diesen vergessenen Helden zu beschreiben. Aufzählungen sind mühevoll, langweilen. Daher die hier nun die Summe der einzelnen Teile, die Bécaud beschreiben: Direktheit!

 

Will man den unvergessenen Gilbert Bécaud wieder oder neu entdecken, empfiehlt sich der Kauf des Best-Of-Albums und/oder des Boxsets und/oder der Vinylausgabe „Unsterblich – Seine größten Chansons“, welche nun zu seinem zehnten Todestag erscheinen werden. (Ende November, verschiedene Editionen, EMI France > Capitol Records Germany)

 

Parallel empfiehlt sich die Anschaffung des Albums „Best of Benjamin Biolay“ von -wer hätte es gedacht- Benjamin Biolay. Biolay setzt die Tradition des Chansons mit modernen, aber auch morbideren Arrangements fort. Seine Mischung aus dem klassischen Songwriting  und internationalem Pop, modernen Arrangements und verschiedenen Traditionssträngen ist nicht immer so griffig charmant wie die alten Hits von Bécaud, aber mindestens genau so tiefgründig, wenn man es dann so verstehen will.

 

Wäre ich nun noch selbst etwas jünger, hätte ich den Mut eine Erweckung auszurufen, insbesondere weil Kollege Deckard erst vor kurzem Alsmann’s bemerkenswerte Platte „Mit Götz Alsmann in Paris“ besprochen hatte und sich auch zu der famosen „Dreamer In Concert“ von Stacey Kent frankophilie gezeigt hat. Beides hier nachzulesen:

 

 http://www.lomax-deckard.de/article-stacey-kent-dreamer-in-concert-87598899.html

http://www.lomax-deckard.de/article-gotz-alsmann-in-paris-87076695.html

 

Derzeit also viel Frankreich auf diesem blog. Und auch deutsches!? Warum erwähne ich das? Nun, um eine These auszurufen: Die Franzosen und die Deutschen hatten eine gemeinsame Liebe: Das Lied! Musikwissenschaftler werden nun streiten, ich sehe es gelassener und sage, dass Deutschland eine ebenso große Chansontradition hat, wie Frankreich. Denn man muss das Blatt nur wenden und eine andere Sichtweise annehmen, dann wird man feststellen, dass auch im Frankreich der sechziger und siebziger Jahre nicht jeder Chanson Gold war und glänzte. Und dann gab es ja die grenz überschreitende Versuche, deutsche Stars in Frankreich und französische Stars in Deutschland zu vermarkten.

 

Ich erspare mir auch hier alle Aufzählungen und gehe von einer Kenntnisreichen Leserschaft aus. Die Fortsetzung im „Nouvelle Chanson“ führt diese Tradition übrigens sehr wohl fort. Man denke nur an das schöne Duett „Riesenräder“ von Kitty Hoff & Coralie Clément, der Schwester von B. Biolay.

 

Die Herren Dominique A, Philippe Katerine und auch Benjamin Biolay sind da allerdings etwas verhaltener und werden von der jüngeren Generation in Frankreich, sowohl als auch in Deutschland, eben als Vertreter des französischen Liedgutes gesehen.

Schade eigentlich, denn insbesondere die gemasterten, deutschsprachigen Fassungen auf der Bécaudscheibe von „Nathalie“ oder „Überall blühen Rosen (L’important c’est la rose) lassen einen doch recht sprachlos, wenn nicht sogar überwältigt vor den Lautsprechern stehen und daran glauben, dass so etwas funktioniert.

 

Ich persönlich würde mir das von Multitalent Biolay auch wünschen. Wie schön wäre eine deutsche Version von „Novembre toute l’année“ oder gar „Padam“?

 

Solche Gedanken laufen mir durchs Gehirn und durchs Herz, wenn ich beide Platten höre. Biolay ist natürlich ein Kind der Moderne und kann kleine Meilensteine auch mit minimalistischen Arrangements schaffen.

Diese Erfahrung hatte Bécaud weniger. Aber er hat sich eben auch wegen seiner äußeren Erscheinung und seiner rauchigen Stimme in kollektive Gedächtnis von Musikliebhabern verankert. Das hatten die begnadeten Entertainer dieser Zeit den jungen Musikern von heute voraus. Aber es ist ehrlich gesagt, das was ich persönlich liebe, insbesondere wenn diese auch in bester Tradition der amerikanischen Crooner stehen und somit auch einen gewissen Schauwert vermittelt wurde.

 

„Ach ja, damals als Unterhaltung noch etwas mit Alkohol zu tun hatte“ (Jerry Stiller als Arthur Spooner in der TV-Serie King of Queens)

 

Beide Platten kann ich uneingeschränkt als Völkerverständigende und Generationsübergreifende Weihnachtsgeschenke des guten Geschmacks empfehlen. Wer da nicht unter dem Weihnachtsbaum an alte Zeiten denkt und neue entdecken möchte, dem soll doch das Baguette oder die Bockwurst im Hals stecken bleiben.

 

Au revoir!

Alan Lomax

 

Benjamin Biolay – „Best of Benjamin Biolay“ / VÖ: 25.11.2011

Gilbert Bécaud – “Unsterblich – Seine größten Chansons” / VÖ: 25.11.2011

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