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Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn: Ein filmisches Debakel der Herren Spielberg & Jackson

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 30. Oktober 2011, 12:10pm

Kategorien: #Filme

Tintin-Film.jpg

Liebe Leserinnen und Leser, verehrte Tim und Struppi Freunde!

Können Sie sich noch an diese Geräte aus der Kindheit erinnern, die wie ein Fernglas aussahen? Man musste vorne eine Scheibe aus Pappe einstecken, auf der in Plastik kreisrund angeordnet verschiedene Bilder waren und mit einem Hebel an der rechten Seite diese durchklicken. Blickte man hindurch hatte man eine 3-D Ansicht der Bilder. Was für ein toller Gimmick! Erinnern Sie sich auch noch genau an den Effekt? Für wenige Sekunden war er da der "Aha und Ooh-Effekt" um so dann wieder gleich zu verschwinden. Man war kurz erstaunt und legte dann das Gerät bei Seite um doch lieber in der realen Welt zu spielen. Schnell gerieten diese Spielzeuge in Vergessenheit.

So ist es mir auch nach dem Film ergangen. Ganz ehrlich: ich hatte überhaupt keine Erwartungen an diesen Film und "ahnte" was mich erwarten würde. Trotzdem habe ich mir den Film aus Interesse angesehen um herauszufinden, was die beiden Regisseure mit den filmischen Mitteln der heutigen Zeit aus den Comics anstellen würden? Wollen Sie eine ehrliche Antwort? Bitte und ich will es bewusst sehr überspitzt formulieren, weil es dem sehr nahe kommt: Der Untergang des kulturellen Abendlandes!

Der Film ist eine einzige Katastrophe.

Recherchiert man im Internet und liest, dass Hergé seine Bewunderung für Steven Spielberg aussprach, nachdem er 'Raiders Of The Lost Ark' gesehen hatte und weiter angab, dass er der Meinung sei, dass nur dieser Regisseur die Abenteuer seines gezeichneten Helden verfilmen könnte, wünschte man sich nichts sehnlicheres, als dass Hergé noch leben würde. Ich glaube er wäre aus dem Kinosaal geflüchtet!

Warum wird eigentlich immer davon gesprochen, dass diese beiden Herren noch immer (wohlgemerkt 'noch immer') so talentiert und wegweisend seien? Dem Film ist nichts davon anzumerken. "Immer diese Nerds und Puristen" werden Sie jetzt denken! Wir können mit diesem Vorwurf gut leben antworte ich Ihnen. Der Grund: Die Comics des begnadeten Zeichners aus Belgien sind Erinnerungen, Zauber, das Betreten einer anderen Welt, Magie, Rückkehr in die Kindheit, Freude an der Popkultur, vielleicht auch ein kleines bisschen Lebenseinstellung. Dieses hätten die beiden Regisseure bedenken müssen!

Was machen sie stattdessen? Einen stromlinienförmigen Film für das 'Popcorn & Cola Publikum' ohne dies alles, ohne eine fesselnde Dramaturgie, ohne Humor, ohne jegliche Empfindung für das was Hergé mit seinen Bildern bezweckte und erschuf.

Vollkommen unverständlich auch, warum man Unsummen in dieses 'Motion Capturing' -Verfahren steckt? Der Effekt, überhaupt ein Effekt, stellt sich nicht ein. Alles wirkt seltsam leblos und verfremdet. Da werden Massen an Schauspielern ausgewählt, die man hinterher ohnehin nicht mehr erkennt. Wie sinnlos das ist! Zudem muss ich sagen, dass dies mein erster 3D-Film im Kino war und ich muss diese Effekthascherei als Treppenwitz der Kinogeschichte formulieren. Sieht vielleicht hier und dort beeindruckend aus, aber was zählen diesen ganzen Effekte, wenn die Geschichte nicht stimmt?

Spielberg und Jackson hätten besser daran getan die Abenteuer von Tim und Struppi überhaupt nicht zu verfilmen oder wenn, dann nur als Realverfilmung, wobei das wahrscheinlich auch desaströs geendet wäre.

'Das Geheimnis der Einhorn' ist nichts als eine Aneinanderreihung von Actionszenen, die sich ab der Hälfte fast inflationär aneinander reihen und somit auf Dauer ziemlich ermüden. Beim Betrachten des Filmes kamen bei der Einführung der Charaktere wie Kapitän Haddock, des stoischen Butlers oder Bianca Castafiore Erinnerungen an die Comics hoch: wie hat man gelacht und sich amüsiert über diese Figuren! Überhaupt: Wo war Prof. Bienlein? Nichts davon bleibt beim Betrachten über.

Ein wesentlicher Punkt und das Geheimnis Hergés war es Welten zu kreieren und eine unvergleichliche Stimmung und Atmosphäre beim lesen hervorzurufen- davon ist nichts, aber auch gar nichts mehr im Film geblieben.

Gab es überhaupt etwas positives?

Ja: es war umwerfend und schön und mal wieder ein Erlebnis die Musik eines John Willliams im Kino zu hören! Herrlich!!

Ja: die Titelsequenz ist eine meisterhafte Leistung und Hommage!

Ja: die Szene, in der auf dem Flohmarkt zu Beginn der Maler Tim's Gesicht zeichnet! Da wurde einem warm ums Herz.

Lesen Sie hier den prophetischen Beitrag meines Kompagnons Mr. Lomax:

http://www.lomax-deckard.de/article-tim-und-struppi-film-84993425.html

Lesen Sie hier seinen schönen Bericht über das Museé Hergé:

http://www.lomax-deckard.de/article-34766282.html

Wenn der Winter kommt, dann werde ich mich in eine Decke einlullen, einen Grog trinken und mich den Abenteuern meiner Helden widmen, ganz in 2D ohne Schnickschnack!

Herzliche Grüsse,

Rick Deckard

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