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Musik, Kino, Kultur, Radio


Der Hobbit – Peter Jackson - Der Club des toten Kinos

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 2. Januar 2013, 14:54pm

Kategorien: #Kommunikation

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Ihnen dürfte aufgefallen sein, dass dieser Eintrag nicht der Kategorie Film zugeordnet ist. Denn ich bin der Meinung das diese Art von Film nichts mit der Art Kino zu tun hat, wie wir es kennen! 

Erinnern Sie sich an den Lehrer John Keating aus dem Film „Der Club der toten Dichter“? Als er die Englisch-Klasse des konservativen Internats der Welton Academy übernimmt? Keating fordert die Klasse auf, die theoretische Einleitung der Lyrik aus dem Englischbuch zu entfernen. Frei nach Walt Whitman möchte er die eigenständig der Poesie vermitteln. 

Schon immer bin ich überrascht gewesen, wie leichtfertig mit der Poesie des Kinos umgegangen wird. Seit Jahrzehnten diskutiere ich mich Rick Deckard darüber. Seit einem Jahrzehnt beschweren wir uns über das Ende des Kinos. Viele Gründe haben wir dafür aufgeführt. Wir sprachen von Kommerzialisierung, von ewigen Wiederholungen, von schlechten bis nicht vorhandenen Drehbüchern, vom Diktat der Studios und vom Regieren der Technik über die Geschichte. 

Möchte man aber nun heraus finden, warum das Kino eines Peter Jacksons nichts mehr mit dem Kino, so wie wir es lieben, zu tun hat, gibt es eigentlich nur eine schlüssige, nüchterne These. Es ist die Erfindung eines neuen Handwerks, die mit der Kunst einen Film, der ergreifend und schlüssig die Geschichten der Menschen erzählt, nichts mehr zu tun hat. 

Nun kann man sich wehren, meckern und endlose Diskussionen führen, die aber völlig unnötig sind, wenn man sich der Thematik ordentlich nähert. 

Alles fängt mit der Bildfrequenz und der Atem beraubenden 3D-Technik an. Stilgewohnheiten wie Tiefenschärfe, Kamerapositionen oder –fahrten, haben keine Bedeutung mehr und müssen neu definiert werden. Jackson befindet sich mit dem ersten Hobbit-Film auf einem Niveau eines S.M. Eisenstein oder Fritz Lang (aus heutiger Sicht). Er kann mit der neu gewonnen Technik noch nicht umgehen. Er ist selbst verzaubert von den Möglichkeiten, kann sie aber nicht anwenden und umsetzen. Dialog, Handlung, Schauspielerführung, Dramaturgie geraten stellenweise zur Farce. Andere Sequenzen lassen kurzfristig erahnen, welche Möglichkeiten, der neue Film noch cineastisch in sich verbirgt. Im Speziellen meine ich die Sequenz beim Beutling zu hause, als sich die Zwerge zu einem ersten Treffen einfinden.

Bis es soweit ist und der erste wirklich große Film, des neuen Kinos entsteht und aufgeführt wird, werde ich dieses Genre gespannt weiter beobachten, aber nicht ernst nehmen! Es ist auch völlig unnötig dieses Genre mit der Entstehung eines klassischen Kinofilms zu vergleichen. Da die Aufteilung der unterschiedlichen Handwerke und Künste, ganz anderer Natur sind und völlig anderen Prozessen unterliegen. Ein Kameramann ist kein Kameramann mehr und ein Schauspieler ist kein Schauspieler mehr. Selbst ein Kabelassistent, hat eine andere Aufgabe in einem konventionellen Film. 

Unsere Aufgabe für die nachfolgenden Generationen ist es, dies zu vermitteln und mit handwerklich gut gemachten Filmen zu untermauern, ohne den Fortschritt zu kritisieren. Damit würden wir uns auf eine Ebene mit Leuten stellen, die damals den Ton- oder Farbfilm abgelehnt hatten. Und es gibt genügend prominente Beispiele und schlechte Filme aus diesen Übergangsjahren. 

Keating agiert im Club der toten Dichter vielleicht daher auch etwas zu leidenschaftlich, später muss er dies ja auch mit dem Selbstmord einer seiner Schüler bezahlen. 

Er hat sich geirrt!

Aber hat sich die Macht des Kinos geirrt, als die Klasse sich auf die Schulbänke stellt und ihren Respekt zollt! Hat sich Peter Weier geirrt als er in dem Moment die Kamera richtig positioniert und hat sich Maurice Jarre geirrt als er das Thema komponiert hat, welches zeitgleich gespielt wird. Und hat sich das Publikum geirrt? 

Vom einsamen Berg

Alan Lomax  

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Rick Deckard 01/06/2013 14:19


Ich möchte in diese Kommunikation einsteigen. Aus einer bestimmten Gegebenheit habe ich mir den Film gestern (in 2D) angesehen. Ich habe mich gewundert, wie viele Menschen ihn in 2D gesehen
haben, obwohl zeitgleich im benachbarten Saal Plätze für den gleichen Film in 3D frei waren. Ein Arbeitskollege den ich traf, nannte mir sogleich ein schlüssiges Argument: Brille auf der Nase und
hinterher Kopfschmerzen! Das muss der Grund für alle Besucher in dem Saal gewesen sein.


Ich stimme Ihrer (nachvollziehbaren) Argumentation voll und ganz zu. Das Kino befindet sich im Wandel und es macht keinen Sinn, sich dem ewig Gestrigen zu verschreiben und das Neue abzulehnen.
Das hiesse die Errungenschaften der Gebrüder Lumiere und anderer nicht zu würdigen, ohne die es das Kino der heutigen Zeit nicht gäbe. Aber die Technik ist, so sehe ich das auch, noch nicht
ausgereift, sondern auf dem Weg. Wenn ich eines Tages im Saal ohne Brille in einer wirklichen 3. Dimension sitze, dann lässt sich noch einmal neu diskutieren.


Zum Film: Die Motivation eines Peter Jackson und des produzierenden Studios war es, die mich gestern maßlos geärgert hat. Es geht hier nur um eines: Geld, Geld, Geld. Noch mehr Zuschauer, noch
mehr Einnahmen, noch mehr Umsatz. Denn wirklich neues war nicht zu sehen. Die Dramaturgie folgt EXAKT dem ersten Teil der 'Herr der Ringe' Trilogie. Das kann und werde ich nicht weiter
tolerieren. Warum muss ein 300 Seiten Buch zur Trilogie aufgedonnert werden, wenn nicht aus den o.g. Argumenten? Lucas hat es vermasselt, Spielberg mit seinem 4. Indiana Jones Abenteuer und jetzt
Jackson, der sich sich selbst wieder demontiert. Aber Zeilen und Argumente dieser Art dürften ihm und den Machern egal sein, die Zahlen sprechen für sich: Der Film hatte das umsatzstärkste
Wochenende aller Zeiten. Was zählt schon die Kunst, etwas zynisch gefragt, bei solchen Zahlen?


Die Menschen sind auch keineswegs so kritisch wie wir es sind. Kino ist, man sieht es immer wieder, Unterhaltung und Zeitvertreib, und längst keine Kunst (mehr). Es ist im Wandel und wir sind
Zeugen einer Übergangszeit.


Mehr als abwarten kann man nicht und ... hoffen.


Rick Deckard

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