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www.lomax-deckard.de

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Der Falke und der Schneemann

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 26. Juli 2010, 19:36pm

Kategorien: #Filme

Falcon-and-the-Snowman.jpg

Endlich, nach 25 Jahren, habe ich mir diesen Film einmal angesehen. Er hat die Jahrzehnte überdauert, ist kein Klassiker, nicht aufwühlend, ein Kind seiner Zeit, aber das ist nicht wesentlich, denn im Kern ist er gut und vielleicht auch doch wieder zeitlos. 

Christopher Boyce (Timothy Hutton) und Daulton Lee (Sean Penn) sind zwei Freunde seit Kindertagen aus der bürgerlichen Mittelschicht. Sie lernten sich als Ministranten kennen und wuchsen gemeinsam heran. Boyce lehnt es aus innerer Überzeugung ab Theologie zu studieren und Priester zu werden, Lee dealt mehr oder minder erfolgreich mit Drogen. Boyce' Vater verschafft ihm einen Job als Postverteiler bei einer Rüstungsfirma und über familiäre Beziehungen bekommt er einen Job in der gleichen Firma in einer staatlichen Behörde/ Nachrichtenzentrale, die in Verbindung zum Geheimdienst steht. Erst macht er sich nichts daraus, geniesst seine "privilegierte" Stellung. Eines Tages liest er jedoch über die Verwicklungen des heimatlichen Nachrichtendienstes und ist verstört, weil er seine Ideale verletzt sieht und über Umwege beschliesst er mit Lee als Kurier wichtige und geheime Informationen gegen Geld in der russischen Botschaft in Mexiko zu verkaufen.

Es beginnt eine dramatische und gefährliche Reise.

Zum einen spiegelt der Film eine Ära wieder, er spielt während der Jahre in denen Nixon's Beteiligung am Watergate Skandal das Demokratie Verständnis zum wanken bringt, zum anderen schafft er es die Atmosphäre, sowohl politisch als auch gesellschaftlich, dicht zu transportieren, was ihn u.a. sehenswert macht.

Stilistisch ist es ein "Spionage"-Film mit allen Versatzstücken dieses Genres, aber der Fokus liegt weniger auf Thrill, Action oder Spionage Story, sondern darauf, wie zwei junge Menschen aus ihren (bürgerlichen) Bahnen entgleisen durch Gier, falsche Interpretation ihrer Ideale, mangelnder Lebenserfahrung und unendlicher Naivität. 

Regisseur John Schlesinger führt dies aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger durch, sondern zeigt dies aus der nötigen Distanz, zumal der Film auf einer wahren Begebenheit beruht. In beiden Familien ist der Vater eine dominierende Figur und beide Charaktere, haben es sichtlich schwer die Anforderungen ihrer Eltern zu erfüllen oder konform mit Ihnen zu gehen geschweige denn ein gutes freundschaftliches Verhältnis zu ihren Vätern aufzubauen. Das wird in einigen Szenen sehr deutlich. Ob dieser Umstand eine der Ursachen ist, warum die (jungen) Erwachsenen ihren eigenen Weg gehen sei dahingestellt, aber ein Beweggrund ist es alle mal.

Es ist beängstigend zu sehen, wie gut Sean Penn bereits in jungen Jahren spielte und wie viel Potential in ihm steckte, Timothy Hutton steht dem keineswegs nach, wenn auch seine Rolle weniger extrovertiert ausgelegt ist. Beide Schauspieler vermögen es ihre Charaktere glaubhaft zu verkörpern, was den Film dadurch auf ein realistisches Niveau hebt. 

Der Film ist unterhaltsam, phasenweise sehr spannend, seitens des Schnitts und der Kamera in einigen Szenen wirklich gut. Zu der Musik von Pat Metheny und Lyle Mays braucht man nicht viel zu schreiben.

Der Song von David Bowie 'This is not America' wurde ein Welthit.

Rick Deckard

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