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Cory Doctorow – Little Brother

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 24. September 2010, 14:15pm

Kategorien: #Kommunikation

doctorow.jpg

 

 

Seit dem ich das Buch "Little Brother" das erste Mal in der Hand gehalten habe, möchte ich es am liebsten gar nicht mehr weglegen.

 

Es ist nicht nur die atemberaubende Geschichte des Teenagers Marcus Yallow, der nach einem terroristischen Attentat auf San Francisco in einer Welt lebt, die sich komplett verändert hat, es ist auch das Bewusstsein eine Schutzanleitung für das Recht von Privatsphäre dabei zu haben.

 

Ein Bombenanschlag zerstört die Bay Bridge in San Franscisco. Unser Held ist mit seinen Freunden ganz in der Nähe. Die nächsten Tage verbringen sie als Verdächtige der Anschläge an einem unbekannten Ort. Nach einigen Tagen wird die Gruppe wieder frei gelassen. Marcus bester Freund ist nicht dabei…

 

Als Marcus wieder bei seinen Eltern ist, muss er feststellen, dass sich Amerika und seine Stadt in einen Überwachungsstaat verändert hat. Die Einschränkungen im Alltag nimmt der Schüler nicht hin und so fängt er an mit modernen Waffen gegen die Regierung zu kämpfen.

 

Die modernen Waffen sind in dem Fall das Wissen über Computer und deren Funktion. Ein scheinbares Attribut der Jugend, welches Doctorow genial verwertet. Die Sprache in dem Buch ist jugendlich und umgänglich. Die zum Teil schwierigen Zusammenhänge um das Wissen von Sicherheitslücken in Betriebssystemen und Verschlüsselungstechniken werden so raffiniert überbrückt.

 

Konsequenter Leser unseres blogs werden festgestellt haben, dass wir nicht sehr häufig über Literatur schreiben. Das liegt nicht daran, dass wir keine Bücher lesen, sondern vermutlich ehr daran, dass Literaturbeschreibungen eine gewisse Anstrengung verbergen. Hinzu kommt für mich persönlich, dass ich nicht gerne über Gelesenes schreibe, weil der Umfang einer möglichen und im Raum stehenden Diskussion zu nervtötend sein würde. (!?)

 

Im Falle von „Little Brother“ geht es mir persönlich aber auch um den Autor und Blogger Cory Doctorow. Aber auch darum, dass ich mir sicher bin, dass eine Verfilmung aussteht, die unter guter künstlerischer Leitung zu einem der wichtigsten Filme der letzten Zeit werden könnte.

 

Doctorow gehört lt. einer amerikanischen Illustrierte zu den 10 wichtigsten Menschen im Internet. Wer Zweifel hat, sollte einmal seine Internetseite www.craphound.com besuchen.

 

Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren und Gesellschaftskritikern lebt Doctorow seine Visionen und setzt sie in die Tat um.

 

So stellt er z. B. seine Bücher kostenlos zum Download zur Verfügung und verkauft trotzdem viele seiner Werke. Denn für die meisten Menschen sind elektronische Bücher nur ein Lockmittel. Wer Bücher lesen will kauft sie sich auch und liest sie nicht von Monitoren ab. Das der Autor so einen genialen Weg gefunden hat, ein unabhängiges Verlagsmarketing zu realisieren und gleichzeitig sein eigenes Marktforschungstool verwirklicht hat, bleibt nicht unerwähnt, sondern wird eifrig publiziert.

 

Cory Doctorow geht sogar noch weiter. Mit einer sogenannten „Creative-Commons-Lizenz“ erlaubt er seinen Fans, die Bücher zu übersetzen.  Das Buch kann hier legal und kostenfrei gedownloadet werden: http://craphound.com/littlebrother/download/

 

Das Experiment des kostenloses Buches wird sogar vom Verlag Random House unterstützt. Die Stellungnahme hierzu:

 

„Schon mit dem Erscheinen der Originalausgabe von “Backup” in den USA hat Doctorow seinen Leserinnen und Lesern die Möglichkeit eines kostenlosen Downloads eröffnet – damit war das Buch der erste Roman, der parallel zur gedruckten Ausgabe frei im Internet erhältlich war. Ein Experiment mit durchschlagendem Erfolg: Doctorows Fan-Gemeinde hat sich in kürzester Zeit vervielfacht – und der Autor wurde zugleich zu einer der zentralen Figuren in der Debatte um geistiges Eigentum in Zeiten des Internets.“

 

Zurück zum Buch: Wir schwelgen gerne in Superlativen. Schwer es bei diesem Buch nicht zu tun! So kann man bestimmt nicht von einem der besten Bücher, aber sicherlich von dem wichtigsten Buch mit gesellschaftstheoretischen Kontext der Neuzeit sprechen.

 

Die Anti-Utopie zu  Orwells „1984“ liegt natürlich nah, aber leider ist „Little Brother“ keine Vision sondern ernsthafte Realität mit der man sich einfach auseinandersetzen muss.

 

Alan Lomax

 

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