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www.lomax-deckard.de

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Breaking Bad – Season 3

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 2. Mai 2011, 12:39pm

Kategorien: #Fernsehen

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Der geneigte Leser wird sich wahrscheinlich fragen, was macht Lomax eigentlich so, da er so gar nicht mehr über Filme berichtet und auch nicht über Wanderungen und Kochrezepte. Keine Angst ich bin am Ball, hänge vorm Bildschirm und konsumiere Filme/Serien wie eh und jeh!

 

Es laufen wie gehabt viele Serien parallel, berichtet werden muss aber nach den Einträgen:

 

http://lomax.over-blog.de/article-breaking-bad-season-2-68029634.html

 

http://lomax.over-blog.de/article-breaking-bad-sinistre-trostlose-aber-furiose-unterhaltung-66154611.html

 

…unbedingt über die dritte Staffel Breaking Bad!

 

Die Serie geht auf jeden Fall in die Geschichte ein, weil sie visuell, vom Konzeptionsstil und von den Lösungsansätze der Dramaturgie einzigartig ist. Der eigenwillige Stil wird einem vor lauter Aufregung dann auch erst richtig in der dritten Staffel bewusst. Über die Erzählkunst dieser Serie, gilt es eine gesonderte Darstellung zu schreiben, die der Wirkung auch gerecht wird. Zusammengefasst: Aristoteles Theorie der Handlungsänderng und des Umschwungs wird hier nicht nur belegt, sondern manifestiert. Soviel zur wahren Kunst dieser Serie, die aber jeder –auch–  für sich selbst entdecken muss.

 

Ebenso entdeckt werden muss die „Verklanglichung“ von David Porter. Einem nahezu unbekannten Komponisten, der aus meiner Sicht, das erledigt, was viele Filmmusikfreunde seit langem von ihrem Genre fordern. Die Stilistik auf eine neue Ebene zu bringen. Porter ist mir sodann auch erst aufgefallen, als ich mir die Podcasts zu den einzelnen Folgen angesehen haben. Wenn man im Zusammenhang mit theorethischer Filmdiskussion die Grundpfeiler „Paraphrasierung, Polarisierung, Kontrapunktierung“ nimmt, kann man über die Funktionsweise der Musik von Porter wirklich nur von einer „verschwundenen Verklanglichung sprechen“.

 

David Porter verwendet alle möglichen nicht konventionellen Musikinstrumente, um eine Musik zu komponieren, die ehr an Geräusche erinnert, daraus aber kleinere musikalische Strukturen entwickelt. Beispiel 1: Die im Wind schlagende Befestigung eines Fahnenmastes. Ähnlich wie in einem Leone-Film, wird die Sequenz filmisch aufgeaut. Die Befestigung schlägt im Takt zu den Schnitten. Morricone hätte nun eine Melodie gewählt, Porter geht einen Schritt weiter, er nutzt den Klang nicht nur, sondern interpretiert ihn, um daraus eine neue Syntax zu bilden. Grandios! Beispiel 2: In der kammspielartigen bisher besten Folge aller Staffeln „The Fly“, kämpft W. White mit einer Fliege im neuen Superlabor. Das sirrende Geräusch der Flige, wird nicht nur als dritte Person, in die über aus wichtigen Dialog zwischen White und J. Pinkman eingebaut, sondern auch als tragendes musikalisches Element. Furios! Hier werden Stilelemente neu erfunden, modifiziert und weiterentwickelt. Eben das, was wir uns vom Kino so lange gewünscht haben.

 

Natürlich muss man nicht so kopflastig an die Sache herangehen und kann sich ebenso an den wunderbaren Charakteren und den geniale unterhaltsamen Elementen erfreuen.

 

So ist der Höhepunkt der Absurdität der Vertriebsweg der grünen Fee via der mexikanischen Restaurantkette „Los Pollos Hermanos“. Gleichzeitig kann man wohl sagen, dass die Rolle des Gus Fring, gespielt von  Giancarlo Esposito, die Rolle von Benjamin „Ben“ Linus/Henry Gale (Lost), gespielt von Michael Emerson, nicht nur übertrifft, sondern im direkten Vergleich schauspielrisch und inhaltlich torpediert und zum explodieren bringt.

 

Übrigens ist die Berichterstattung über Breaking Bad im deutschsprachigen Internet, eine Katastrophe. Auch die wikipedia Einträge würde ich am liebsten ändern, wenn ich ein wikipedia Schreiber wäre. Vieles ist schlichtweg falsch recherchiert und dramatisch falsch dargestellt. Die Specaial Features der DVD sind sehr gut gemacht. Fast 50 % aller Folgen sind mit Audiokommentaren ausgestattet oder es gibt diese kurzen amüsanten Podcasts, die meist 4 Aktuere der Serie in einer launigen Sofaumgebung zeigen.

 

An Breaking Bad kommt man nicht vorbei, wenn man sich für moderne Unterhaltung interessiert und zudem Interesse an künstlerischen Umsetzungen guter Storys in einem zeitgemässen Kinostil interessiert. Die Querverweise an die Kino- und Fernsehgeschichte sind wohl etwas viel und dann auch ehr etwas für echte Nerds, aber die Geschichte, die ständig zwischen moralischen Fragen und gesellschaftskritischen Wegen (gemein) schleicht ist schlichtweg weltbewegend für dieses Segment.

 

Es ist so, dass diese Serie „Lost“ von Platz 2 meiner TOP-5 Serienliste der modernen Fernsehserien, auf Platz 3 geht und sich Breaking Bad, wahrscheinlich lange hinter „The Sopranos“ festsetzen wird. Es ist auch noch lange nicht alles gesagt und geschrieben zu diesem Thema und ich freue mich schon jetzt auf einen zweiten Durchlauf.

 

Alan Lomax  

 

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