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Autumn Leaves - Miles Davis

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 21. März 2011, 19:57pm

Kategorien: #Jazz

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In einem behäbigen Tempo, wie eine vor sich hin trödelnde Karawane, wird das Stück eröffnet vom Klavier, Saxophon und der Rhythmus-Sektion, bis Miles Davis seine Trompete aufnimmt und anfängt zu spielen. Jeder Ton, jede Farbe stimmt punktgenau und zeugt von einer unglaublichen Lässigkeit aber auch Konzentration. Davis beendet seine Einleitung und ein betörend weiches und doch bestimmendes Saxophon spielt weiter. Das ist so einnehmend und so überzeugend dargeboten, dass man das Stück weiter laufen lassen muss.

Was die Schönheit des Jazz ausmacht, wird hier gezeigt.

Das ist Musik, Jazz, der belebt, der einen zum lachen bringt, der eines vermittelt: pure Spielfreude. Ein ums andere mal musste ich schmunzeln als Davis spielte, weil das wirklich Liebe zur Musik ist, die man in jedem Ton spürt.

Die Phrasierung, Improvisation, das reiche verzieren und verändern von Tonfolgen, die Ornamentierung, all das kann man hier in Slow Motion erleben. Davis lässt die Melodie nie aus den Augen, nie die Stimmung dieses Klassikers, die er durchgehend aufrecht erhält. Sein Spiel ist anders, anders als die der anderen Trompeter. Es ist kein satter und auch kein weicher Ton. Es ist eine Vermengung von Schallwellen und Luft, die sich durch die Ventile presst und Töne formt, mit denen der Musiker dem Inhalt des Liedes Ausdruck verleihen will.

Beeindruckend sind dabei sein Gefühl für den Inhalt des Chansons, der zum Jazzstandard und Klassiker wurde. Er filtert die Essenz und die Melancholie der Geschichte mit unglaublichem Einfühlungsvermögen. Das Saxophon hingegen konterkariert die Melancholie auf eine fast unbeschwert drängende Art. Ein sagenhaft schönes Spiel ist das! Die Töne sind fliessend, schnell in tiefen und hohen Registern. Fabelhaft!

Yves Montand sollte ursprünglich den Song in Marcel Carnés Film 'Pforten der Nacht vortragen, er wurde aber sehr populär, entwickelte ein Eigenleben als Chanson und später als Jazz Standard. Viele namhafte Grössen spielten und sangen diesen Titel von Bill Evans über Chet Baker bis hin zu Sinatra und Streisand. Es werden eben die Autumn Leaves, die abfallenden Herbstblätter beschrieben, synonym für eine alte Liebesgeschichte.

Danke J. für diese fantastische Nummer!

Rick Deckard

 

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