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www.lomax-deckard.de

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Arctic Monkeys – At the Apollo

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 13. März 2010, 12:10pm

Kategorien: #Populäre Musik

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In diesen Zeit wo die neue Gorillaz Platte „Plastic Beach“ in meinem Kopf und auf meiner Musikanlage rauf und runter läuft, bequemen sich nun also erneut die Arctic Monkeys in mein Herz. Wie kommt das?

Der Einstieg ist absolut rational. Seit mitterweile einem Jahr schiele ich bei jedem Einkauf auf die DVD At the Apollo. Ich hatte sogar kurzfristig überlegt meinen Geburtstag öffentlich zu feiern, damit mir die Box geschenkt wird. Der Filialleiter des Plattenladen meines Vertrauens, hatte ein Einsehen. Von knapp fünfzig Mark, hat er die Box auf sensationelle zwölf Mark runtergesetzt. Warten lohnt, auch wenn es dann nicht immer in den musikalischen Plan passt. Bevor die bezaubernde Lena Mayer-Landrut den sympathischen Kontest „Unser Star für Oslo“ gewonnen hat, habe ich mir die damals gleichaltrigen Monkeys angesehen.  

Im Gegensatz zu sehr vielen mir vorgespielten Hypes von der Insel habe ich die Arctic Monkeys von der ersten Note an bewundert. Leider noch nie live gesehen, bin aber nun überwältigt zurückgelassen worden. 

Der musikalische Zauber der Arctic Monkeys erklärt sich für mich durch ein extrem effizientes und punktgenaues Spiel. Ich war immer sehr skeptisch, ob das live tatsächlich so umzusetzten ist. Insbesondere dem Schlagzeuger Matt Helders stand ich skeptisch gegenüber. Im Apollo, auf der Bühne ist es aber insbesondere Helders, der neben dem jugendlichen Greis Alex Turner begeistert. Die Beats sind weniger Post-Punk mehr Rap (was für eine bedeutungslose Aussage!). So ist dann auch seine musikalische Vergangenheit zu erklären. Es gibt derzeit nicht viele weiße Schlagzeuger seiner Generation, die einen so groovigen, dynamischen und eigenen Beat schlagen. 

Nächstes Augenmerk liegt auf dem furiose Alex Turner. Inzwischen etabliert und mit seiner zweiten Band „The Last Shadow Puppets“ bereits in der Champions-League des Pops unterwegs . Turner hat etwas, was sich schlecht und schwer beschreiben lässt. Vielleicht am besten mit einem Vergleich: Mit seinen tiefgründigen Blicken, seinem jugendlichen Gesicht und der notwendigen Arroganz ähnelt er einer englischen Ausgaben des von mir sehr verehrten Conner Oberst. Ein Greisenphänomen im jugendlichen Gewand. Beide wirken, als wenn sie die Lebenserfahrung mit Löffeln gefressen haben und wirklich alles in ihrem Leben durchgemacht haben. Es sind schon jetzt die Helden der Zukunft. Turner’s Texte sind zwar populistischer als die des in Omaha, Nebraska geborenen Oberst, aber das kann man jemanden der aus der Mittelschicht Sheffield stammt nicht vorwerfen. Halten wir es mit dem englischen New Music Express. Er ist der „coolste Mann auf dem Planeten“. Das er aber in Wirklichkeit schüchtern und zurückhaltend ist merkt man auch auf der Bühne des Apollo’s in Manchester. Bei dem Überhit 505 sitzt er an einer Orgel aus den sechziger Jahren (Vox oder Farfisa, kann mir das jemand sagen?) und blickt schüchtern ins Auditorium, bevor er sich wieder auf den Text konzentriert, während im Hintergrund die langeszogenen, Tremolo A-Moll-Riffs von Kollegen Miles Kane (The Rascals) und Gitarristen Jamie Cook einsetzen. Kane ist nach dem Song sichtlich euphorisch und möchte seine Gefühle gerne mit dem diffus wirkenden Turner teilen. Turner rafft sich aber nur zu einem kurzen Nicken hin. Er wirkt nicht ganz zufrieden, allerdings in dem Bewusstsein, dass er hier gerade einen der besten Songs der Musikgeschichte vorgetragen hat. 

„Who the Fuck Are Arctic Monkeys“  erschien 2005. Die Ep steht für meinen Einstieg in die wunderbare Welt der Arctic Monkeys die man nicht beschreiben muss, sondern hören sollte. Schließlich sind sie bis dato. das vorerst letzte Relikt einer großartigen britischen Combotradition.  Bevor die Musikpolizei mich nun nieder redet, empfehele ich den Song „Despair in the Departure Lounge“. Hier zeigt sich Turners Songwriterqualität am deutlichsten. Das sind zu herzengehende Akkorde und gelebtes Timing und hat etwas was die wenigsten lebenden Musiker besitzen. Wahrhaftigkeit! 

Alan Lomax

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