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Musik, Kino, Kultur, Radio


Andreas Dorau - King Georg Köln, 16. Mai 2014

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 19. Mai 2014, 19:19pm

Kategorien: #Konzerte

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Ehrlich gesagt, bin ich sehr verwundert, dass ich bei allen den aktuellen Berichten über Andreas Dorau immer noch Erklärungsversuche wahrnehme, die die Werkschau des Musikers nach 33 Jahren hinterfragen. Dabei hat der Hamburger Musiker bereits in Zeiten der totalen Banalität einen musikalisch-gesellschaftlichen Gegenentwurf entwickelt. 

Wenn man heute von elektronischer deutscher Musik spricht, muss man auch über die lange Tradition des kleinen Labels Ata Tak sprechen: Der Plan, Pyrolator, DAF, Holger Hiller, Oval und eben Andreas Dorau haben bereits eigenständige, künstlerische, nicht Hitparadenkompatible Musik gemacht, bevor die Massenmedien den Begriff NDW schufen. 

Da all diese Künstler Mitauslöser und Innovatoren ihrer Musik waren, werden sie heute aus künstlerischer Sicht, fälschlicher Weise in einen Topf mit den unsagbaren One-Hit-Wonder dieser Zeit geworfen. 

Die damalige ART ATTACK (Festermacher/Reichelt) muss heute als Wegweisend genannt werden, da ihre Vision für die Entstehung der deutschsprachigen Musik in den Städten, Hamburg, Düsseldorf, Hannover und Berlin (…) maßgeblich wichtig gewesen ist. 

Die heutige Assoziation Andreas Dorau mit der NDW, ist völlig unnötig! Die Alben „Blumen und Narzissen“, sowie das frühe Meisterwerk „Die Doraus und die Marinas geben offenherzige Antworten auf brennende Fragen“ stehen somit auch für sich selbst. Und es wird schon lange mal Zeit, dass endlich jemand ausruft, dass das ein fester Bestandteil der deutschen Jugendkultur ist. Und zwar für Menschen die sich heute mit über vierzig Jahren noch immer den gesamten Tag mit Rock-Pop International beschäftigen.

Im zweiten und besten Musikclub der Stadt Köln, sollte man davon ausgehen, dass die Zuschauer das alles wissen. Aus welchen Gründen aus immer, sitze ich ein weiteres Mal bei einem Dorau Konzert fast auf der Bühne. Was den enormen Vorteil hat, dass man das Publikum aus der Perspektive des Künstlers beobachten kann. Und auch wenn es vielleicht nur 100 – 150 Zuschauer sind, man muss Andreas Dorau für den Mut und die Selbstsicherheit bewundern, mit der er die Bühne betritt und diese bespielt. Denn ihm bleibt nichts anderes übrig, als seinen Musik in direkter Augenhöhe dem Publikum zu präsentieren und das ist erstmal zurückhaltend. Und natürlich ist der Vortrag Rock- und Pathos frei! Da steht also dieser kauzige Typ und hat außer einem Schlagzeuger und einem „Elektro-Mann“ nichts weiter zur Schau zu stellen, als die minimalistische Musik und seine cleveren Texte!

Betrachtet man beides getrennt ist es einfacher. Denn die Musik ist natürlich, gewollt, zurückgenommen, aber Eingängig poppig gehalten. Die Texte allerdings wirken nach wie vor seltsam entrückt, vordergründig, naiv, bei genauem zuhören, aber doch voller Hass und Ironie! Im besten Sinne ein Liedermacher, ohne Lieder, sondern mit Punk im Herzen und Kunst im Kopf. Nicht jeder wird das so sehen, aber so ist das nun mal!

Der Club tanzt, spätestens bei „Girls In Love“. Nach 1,5 h wollen die Leute mehr! „Das hier ist kein Wunschkonzert“, klärt Dorau einmal sehr direkt und Oberlehrerhaft einen kleinlauten Zuschauer auf. Irgendjemand hat „es“ sich doch wieder gewünscht! „Kleines Stubenmädchen“ ist dann eine tolle indirekte alte, Alternative. Eben wie Dorau selbst. Er ist eine Alternative zur Alternative. Einzigartig! Lohnenswert! Unterhaltsam! Intelligent! Verkannt! Entdeckungswürdig! Aber bloß nicht berühmt! Denn dann würde das alles nicht mehr funktionieren. 

 

Natürlich wäre das alles noch perfekter, wenn die sympathischen, Hamburger Gentleman der gewöhnlichen Liga dabei gewesen wären. Schliesslich entspricht das ja der Grundidee der Platte: „mal wieder was mit einer Band machen“ (seit 1989 ist das nicht der Fall gewesen). Und wer würde sich besser eigenen als die Herren „Supergentlepunk“. Allerdings ist das Trio Doras, Strzoda und Lorenz so famos eingespielt, dass kaum Wünsche offen bleiben. Lorenz herrliche kleinen „Mix-Einfälle“ zur vorgefertigten Spur und Matthias Strzoda knarziger Discobeat schaffen eine sinnvolle Clubatmosphäre und amüsante Antihaltung mit Leidenschaft. 

Alan Lomax

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