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'Alphaville' - Ein Grauen von einem Film von dem angeblichen "Sokrates des Kinos": J.L. Godard

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 13. März 2010, 22:32pm

Kategorien: #Filme

alphaville


Im Rahmen meiner kleinen persönlichen Retrospektive des französischen Films widmete ich mich heute Godard, da mir sein 'Alphaville' zufällig in die Hände fiel. Der Grund den Film zu sehen war weniger Godard, sondern eher die Film- und Fernsehlegende Eddie Constantine. Eddie C. entdeckte ich das erste mal im ZDF, als dieses vor einigen Jahrzehnten eine Reihe mit den Lemmy Caution Filmen zeigte. Eddie war mir auf Anhieb sympathisch, sowohl als mittelmässiger Darsteller (was ich besonders an ihm liebte), als auch wegen des Charakters des Lemmy Caution den er verkörperte. Ein vergessener Held! Doch zurück zum Film.

Da ich mittlerweile überhaupt keine Inhaltsangaben mehr lese und von diesem Film auch nie etwas gehört hatte war ich schon gespannt. Spätestens nach 20 min überkam mich dieses ungute Gefühl in der Magengegend, als der von Constantine verkörperte Charakter des Ivan Johnson aka Lemmy Caution seinen Freund, gespielt von dem grossartigen Akim Tamiroff, in einem Hotel aufsucht um ihn zu fragen was geschehen sei. Von da an bereute ich es zutiefst diesen Film eingelegt zu haben und musste immer wieder gegen diesen starken Trieb ankämpfen nicht auf den Aus-Knopf der Fernbedienung zu drücken.

Laut Godard soll dieser ganze Unfug ein Science Fiction Film sein, angeblich soll es um Entmenschlichung durch Maschinen und Technik gehen und die Poesie und die Liebe soll ein Gegenmittel darstellen. Gähn. Nach Herzog ist das nun definitiv der zweite Regisseur, der mich masslos verärgert hat und ich leider nicht umhin komme zu sagen, dass er "eine (oder mehrere) Dachlatte locker hat". Ich habe beim besten Wissen und Gewissen keine Ahnung, was in Menschen wie Jean Luc Godard vorgegangen sein mag, als er solche Filme gedreht hat? Für wen drehen solche Regisseure ihre Filme?

In den Specials kommen Bewunderer, Schauspieler und Mitarbeiter an diesem Film zu Wort. Godard nutze die Popularität der Lemmy Caution Filme aus und auch den Bekanntheitsgrad von Constantine um ihn für den Film zu gewinnen. Letzterer läuft durch den Film und spielt so, als verstünde er gar nicht in was für einem Film er mitspielt. Wie sympathisch! Das ist übrigens nicht meine Meinung, sondern wird von den Beteiligten ausgesprochen. Der Film kam (was für ein Wunder!) nicht gut an und laut Aussage einer Kennerin und Bewunderin von Godard besetzten die Produzenten Constantine nach diesem Film niemals wieder für einen Lemmy Caution Film und wechselten sogar die Strassenseite wenn sie ihn sahen!
Angeblich soll Eddie C. Godard das niemals übel genommen haben. Deutsche Geldgeber täuschte Godard mit einem Drehbuch nach dem Muster der Caution Filme um die Finanziers zu bewegen ihr Geld zu investieren und diese forderten es nach Erscheinen des Films umgehend zurück.

Als (normalsterblicher!) Zuschauer versteht man den ganzen Film hindurch nicht, worum es in diesem Film überhaupt geht und rätselt. Einzig der Präsenz von Eddie Constantine ist es zu verdanken, dass man diese bewegten Bilder als Film bezeichnen darf. Sonst wäre es eine Tortur! Es geht um ein Superhirn (PC) namens Alpha 60, einen Professor aus den Aussenbezirken und seine Tochter, Hinrichtungen im Schwimmbad, einen Krieg mit anderen Nationen, abgedrehte Wissenschaftler und einiges anderes mehr. Eine richtige Handlung gibt es eigentlich nicht, alles kommt vollkommen holprig und sinnlos daher mit Zitaten von irgendwelchen (damals) zeitgenössischen Schriftstellern und am Ende fährt Ivan Johnson aka Lemmy Caution mit dem Auto in eine andere Galaxie. Alles klar?

Dass in Zusammenhang mit Godard in den Specials dann Namen wie Howard Hawks oder gar Orson Welles fallen ist eine Frechheit sondergleichen. Die waren in der Lage Filme zu drehen, die Zeiten überstehen werden. Es werden von allen interviewten Personen alle möglichen Interpretationen in dieses (Mach)Werk von Godard gelegt, er wird als Philosoph bezeichnet, von einer Strukturalismus Debatte und auch Existentialismus und Sarte ist die Rede. Das alles gehört in den Hörsaal, aber nicht in das Kino. Menschen wie Godard zerstören die Poesie, den Zauber des Kinos, weil sie Filme für sich, aber nicht für ein Publikum drehen und wenn, dann nur für einige Privilegierte. Aber das Kino ist ein Ort in dem sich ein Elektriker, eine Bäckerei-Fachverkäuferin, eine Floristin, ein Beamter, Schüler, Busfahrer, Anwälte, Ärzte, Informatiker, Bauarbeiter treffen um zu vergessen und v.a. um zu träumen. Alpträume wollen sie keine sehen.

Ein grauenvoller (im wahrsten Sinne des Wortes) Kinoabend.

Rick Deckard

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