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Alfred Hitchcock's Sabotage

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 10. November 2009, 11:37am

Kategorien: #Filme



1936 hat Joseph Conrad den Roman Der Geheimagent (The Secret Agent) geschrieben. Er beschreibt dort das Leben des Mr. Verloc.

 

Mr. Verloc betreibt in London ein kleines Einzelwarengeschäft, dass weniger durch eine aktive Käuferschaft, als durch das Treffen von zwielichtigen Gruppen auffällt. Carl Verloc sitzt bei den Versammlungen der Gruppe meist stumm in der Ecke und hört zu. Natürlich ist der Herr kein Einzelwarenhändler (auch in dem nun vorgestellten Hitchcock-Film nicht, dort ist er Kinobesitzer) sondern ein Terrorist. Der weitere Verlauf der Geschichte ist nicht maßgeblich interessant. Die Tiefe des Romanes drückt Conrad in einer furiosen Fragestellung nach dem Wesen des Menschen aus!

 

Was der verborgene Antrieb eines Menschen im Handeln eines jedes einzelnen ist, will auch Alfred Hitchcock in seinem Film „Sabotage“ klären.

 

Ab diesem Punkt muss man aufpassen! Hitch hat bereits 1934 einen Film gedreht, der als „The Secret Agent“ erschien. Der Film über den hier berichtet wird, ist bekannter unter dem Namen „Sabotage“. Ein Albtraum für jeden Marketingmann und eine Herausforderung für jede PR-Abteilung eines Filmstudios. Scheinbar nicht in den dreißiger Jahren.

 

Der Film ist für Hitchcocks Verhältnisse ungewöhnlich zynisch und kalt inszeniert. Unter anderem stirbt in der Schlüsselszene ein Kind. Der kleine Junge wird von Carl beauftragt ein Paket von A nach B zubringen. Tödlicher Inhalt eine Zeitbombe, die auch tatsächlich explodiert. Diese Sequenz ist eine der besten Hitchcock Sequenz überhaupt und kann auch als Mutter der Suspense stehen. Ein Schelm wer Hitchcock eine böse psychologische Krankheit unterstellt. Die Sequenz erhöht den Schockeffekt und war aus dramaturgischer Sicht erforderlich. Später muss noch einmal ein Kind in einem Hitchcock Film sterben. Diesmal sind die allerdings „die Vögel“ schuld.

 

Die britischen Medien und damalige Filmpresse hatte diesen Filmschock, des sterbenden Kindes, immer wieder in Zusammenhang mit dem berühmten Zitat von Hitchcock’s Zeitgenossen W.C. Fields gebracht. Der Komiker sagte: „Wer Kinder und Hunde hasst, kann kein schlechter Mensch sein.“ In Wirklichkeit war es aber so, dass Alfred Hitchcock ein treu liebender Familienmensch war und seine Tochter Patricia (Pat) Hitchcock O’Conell liebte und unterstützte.

 

Selbst Francois Truffaut war der Meinung, dass der Tod eines Kindes in einem Film, an Missbrauch des Kinos grenzt. Hitchcock stimmte dem französischen Cineasten in dem späteren Interview zu und sagte: „…da haben Sie recht!“

 

Sabotage ist aus Sicht eines Hitchcock Fanatikers wie mich ein Kleinod an psychologischer Analyse des Regisseurs. Daher gehört das Meisterwerk aus der englischen Periode auch zu meinen Lieblingsfilmen der Frühphase von Hitchcock.

 

Hitchcocks pathologische Angst vor der Polizei ist ein wesentlicher Bestandteil des Filmes. Interessant und wirklich im Wesen des Menschen Alfred Hitchcock gedacht, fragt man sich doch unweigerlich, warum die Heldin des Filmes eine Liebesbeziehung mit dem Kriminalbeamten eingeht. Übrigens ein Thema, welches in „Shadow of a Doubt“ nochmals aufgegriffen wird. Siehe auch: http://lomax.over-blog.de/65-categorie-10684174.html

 

 

Die Schlusssequenz von Sabotage ist atemberaubend. Carl Verloc, hat soeben den Tod des Sohnes seiner Frau zu verantworten. Der unsympathische Kerl, sitzt bei Abendessen und regt sich über verbrannten Kohl auf. In diesen Momenten strahlt Hitchcocks Kunst in alle Richtungen, denn er zwingt sein Publikum sich auf die Seite der trauernden Frau zu stellen, die gerade den Braten mit einem beachtlichen Messer tranchiert. Hitchcock verlangt nun vom Kinopublikum, dass es Lust hat zu töten.

 

Das ist natürlich schwierig, weil jeder normale Mensch Töten verabscheut. Hitchcock greift hier die niedrigsten Instinkte des Menschen an und stellt zu dem das Wesen des Menschen in Frage.

 

Aus meiner Sicht erklärt eben genau dieser Schlüsselmoment die Genialität des Filmemachers. Denn hier liegt die wesentliche Kunst des Kinos Hitchock hat gesagt: „Ich bin Regisseur, und deshalb versuche ich, dem Publikum den Seelenzustand dieser Frau ausschließlich mit Kinomittel klarzumachen.

 

Die Frau stellt den Braten auf den Tisch und ist wie behext von dem Messer, als ob ihre Hand sich selbstständig machte, wenn sie danach greift. Die Kamera geht auf die Hand, dann auf ihre Augen, dann auf ihre Hand und wieder auf die Augen, bis zu dem Moment, in dem ihrem Blick das Bewusstsein erreicht, was das Messer bedeutet.

 

Zeitgenössische Regisseure hätten den falschen Weg gewählt. Sie hätten die Schauspielerin overacten lassen, um den Zuschauern so zu erklären, was im Inneren des Charakters vor sich geht. Hitchcock hat das nicht nötig.

 

Auf dem Fernsehsender arte wird der Programmschwerpunkt Hitchcock am Donnerstag, 12.11.2009 mit dem Vorkriegsthriller „Die 39 Stufen“ fortgesetzt.

 

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