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More is More – Stanley Kramers “It’s a mad mad mad mad World”

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 21. September 2009, 09:36am

Kategorien: #Filme



Mad 1: “Ich wollte eine Komödie machen, die alle anderen Komödien beendet und für immer ganz oben steht”, sagt der ansonsten sympathische und gar nicht so arrogante Kramer in Donald Spoto’s Buch „Stanley Kramer – Film Maker“.

 

Mad 2: Kramer hatte gerade einige schwere und inhaltlich komplizierte Meisterwerke wie „Das Urteil von Nürnberg“ und „Wer den Wind sät“ abgedreht. Und benötigte Entspannung

 

Mad 3: Wir schreiben das 1963. Das Fernsehen erobert das Unterhaltungsverhaltung der Gesellschaft. Das erste große Kinosterben zeichnet sich ab.

 

Mad 4: Der Welt steht eine echte Apokalypse bevor. Die Kubakrise kündigt sich an. Zu keinem anderen Zeitpunkt war ein Atomkrieg wahrscheinlicher als zu dieser Zeit.

 

Vier durch geknallte Gründe die größte Komödie aller Zeiten zu drehen. „Größte“  auf jeden Fall was Cast, Budget, Geschwindigkeit und Länge (161 Minuten!) angeht.

 

Die Handlung ist schnell erzählt und wie bei jeder guten Komödie von wenig Gehalt. Acht Menschen werden Zeuge eines Unfalls. Während das Unfallopfer stirbt, haucht er den Unfallzeugen seine letzten Worte entgegen. Der Sterbende beschreibt Ihnen, wo sie 350.000 Dollar finden können. Somit beginnt ein 200 Meilen langes Rennen .

 

Weniger schnell erzählen kann man von den umwerfenden Schauspielern: Milton Berle, Dorothy Provine, Ethel Merman, Mickey Rooney und Buddy Hackett, Jonathan Winters, Phil Silvers, Terry-Thomas, Spencer Tracy, Jerry Lewis, Peter Falk, Carl Reiner, Jack Benny, Buster Keaton und die drei Stooges als Feuerwehrmänner. Das absolute „Who is Who“ der Comedyszene der sechziger Jahre.

 

Alle Akteure wirken und spielen wie zu Leben erweckte Comicfiguren. Jeder Charakter hat einen absoluten Schaden, der sich in der Gier zum Geld und im Laufe des Filmes um ein Vielfaches steigert. Dabei wirkt kein Charakter debil oder gemein, sondern lediglich überzeichnet.

 

Als Maßstab kann man die „Cannonball Run“ Filme der achtziger Jahre heranziehen. Diese Streifen habe ich auch geliebt und wurden bei jedem Kindergeburtstag gerne mitgenommen. An das ausgefeilte Timing, dem rasanten Charme und der Anlehnung an das große Slapstickkino der guten alten Zeit kommt allerdings kaum ein Streifen der Neuzeit `ran. Nennt mir einen, ich wäre gespannt auf den Tipp.

 

Kramer ist ohne Zweifel einer meiner Lieblingsregisseure. Im Gegensatz zu Hitchcock und Burton, ist er eben kein Genrespezialist, sondern einer der wenigen Hollywood-Regisseure, die sich an brisante politische Themen heranwagte. Außerdem hat er das heutige, moderne  Kino wesentlich mitgeprägt. Nicht zuletzt, weil er den Film liebte und ständig weiterentwickelt hat, sondern auch genügend Verstand besaß, zu zitieren und zu verstehen, dass ein Schauspieler in einem Film, nicht nur „Vieh“ ist, sondern eine transportierende Rolle hat.

 

Die unerträgliche, streitbare Schwiegermutter in „It’s a mad mad mad mad World“ (Ethel Merman) rutscht am Schluss im Krankenzimmer auf einer Bananenschale aus, die ihr Spencer Tracy vor die Füße wirft. Alle beteiligten Figuren aus dem Film liegen in eben diesem Krankenzimmer mit den allerschlimmsten Blessuren. Es gibt wohl kaum einen Menschen der diese Komik nicht lustig findet. Keine Worte, sondern nur körperbezogene Aktion. Überhaupt gibt es eigentlich kaum noch etwas zu lachen. Ein sich immer schlimmer abzeichnender Trend in unserer Gesellschaft.

 

Die Menschen mögen keine Schadenfreude mehr. Der Begriff „Slapstick“ leitet sich von der "Pritsche des Narren" ab, die großen Lärm erzeugte, dem Geschlagenen aber keinen ernsthaften Schmerz zufügte (wikipedia). Vielleicht liegt es daran, dass wir meinen alle möglichen Figuren und Menschen zu kennen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es keine „Erziehung“ im Lachen mehr gibt. Auf televisionärer Seite wird nur noch Unfug produziert. Kinder von gestern und heute, kennen weder Hal Roach, noch Dick & Doof, noch „NonStopNonsens“. Gelacht wird über schlechte Comedians und schlechte Plagiate unseres eigenen Lebens.

 

Eine der größten künstlerischen Herausforderungen ist somit die Revitalisierung der Methoden der großen Hollywoodkomödien. Stanley Kramer hat mit „Mad 1“ aus meiner Sicht sein Ziel erreicht.  Mal sehen, wer der Nächste ist!

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