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www.lomax-deckard.de

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Wir Kinder vom Bahnhof Soul

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 25. August 2009, 13:06pm

Kategorien: #Populäre Musik



Ich könnte mir Vorstellen, dass vielen musikinteressierten  Menschen „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ nicht gefällt. Die Gründe und Aussage hierfür kenne ich: „das Album klingt vorhersehbar“, „die Platte ist zu glatt produziert“, „Delay’ Texte sind nervig und oberflächlich“ und „Soul Rebell fand ich ja noch gut, aber jetzt ist das Hitparadenmusik“. Das Argument, dass Jan Delay ein nerviger Spinner mit näselnder Stimme ist, gilt sowieso nicht.

 

Ich kenne das Phänomen von guten Soul und Funkplatten! Marvin Gaye, James Brown, Tammi Terrell oder auch alte Motownscheiben sind so lange cool und wichtig für die Leute, bis sie gut produziert sind. Merkwürdig, unangenehm! Zugegebener Weise klingt Soul und insbesondere Funk gut, wenn er dreckig ist. Ist er zu sauber geht ihm irgendwas verloren und Platten hören sich schnell durchschnittlich Mainstreamig und nach Radiogedudel an.

 

Das neue Jan Delay Album hört sich nicht zornig und auch nicht dreckig an. Delay sagt, dass seine Texte persönlicher geworden sind, weil er in den alten Songs bereits alles Politische thematisiert hat.

 

Außerdem verzichtet er weitestgehend auf den Hip-Hop Slang. Was seine Texte, weniger subtil und biederer macht. Bei einigen Songs hat man den Eindruck einen Songtext von Udo Lindenberg zu lesen: „Jaa; Tante Emma wurde umgebracht; Vom Onkel H und Onkel M; Doch keine KriPo keine Hundertschaft; ne, alle ham Schiss vor ihrer Gang; vor den Hässlichen Don Aldi und dem Deichmann-Clan“. Vielleicht ist Delay aber auch direkter geworden. Alles kann man ihm derbe vorwerfen. Das Zusammensuchen guter Sachen aber nicht.

 

Was man ihm nicht vorwerfen kann, ist ,dass er keine Haltung hat. Von den wenigen deutschen Musikern der vergangen 15 Jahre hat er sich quasi neu erfunden und auch weiterentwickelt. Glaubwürdig im Hip-Hop geboren, im Reaggae aufgewachsen und im Soul und im Funk erwachsen geworden. Eine feine musikalische Biografie. Und Style hat er auch. Den Vorwurf kann ihm keiner machen. Delay will bei „Wetten dass…“ spielen. Kein Vorwurf und er hat sein neues Album „Wir Kinder von Bahnhof Soul“ mit einem passenden Cover versehen, welches einen Teilabschnitt des Hamburger Kiez zeigt, aber auch in Chicago vor irgendeinem Bluesclub der sechziger aufgenommen worden sein könnte. Word!

 

Jan Delay lässt sich nicht aufhalten. Ein Soul Man kennt keine Hindernisse und keine Grenzen. Lest Euch mal die Biografie von Curtis Mayfield durch, dann wisst Ihr was ich meine!

 

Mein Geist und mein Gehör werden durch diese famose Platte auf jeden Fall angeregt. Die Bläser kommen aus einem längst vergessenen Himmel der Soulengel. Die Beats und Breakbeats sind eine Wucht und kommen an Arrangements von Bill Evans ran. Der Frauenchor (die Ladys) haben mit ihrem Stakkatomäßigen „Wu“ und "Ho" eine erste wichtige deutsche Gesangsline erfunden und Delays jämmerliche bis unerträgliche Stimme ist einfach nur goldrichtig für diese Art von Musik.

 

Man muss Respekt vor diesem Delay und seiner Kunst haben. Wer das nicht will sollte zumindest Spaß haben. Wenn man beides nicht hat ist es eh zu spät.

 

Mach wie du meinst, und fühl dich frei
Sauftouren, rumhuren, Prügelei
Ey alles cool, mach wie du willst
Geh lügen, betrügen, lies bild
Ey gib’n fick, alder! mach geld
Klau ideen, piss im steh’n, trag pelz!
Nenn meine mudder eine miese schlampe
besitze keine energiesparlampe

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