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Wo wuerden Sie gerne wohnen?

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 24. Juli 2009, 03:37am

Kategorien: #Kommunikation

Das ganze war irgendwie surreal. Ich sass gegen Mittag in einem Indischen Restaurant an der Lexington Av. in New York mit meiner Schwester und ass die leckersten Gerichte die ich je gesehen, gerochen und geschmeckt hatte. Inmitten dieser jedesmal so unglaublich grandiosen Stadt, die einen immer wieder herausfordert, die einen reizt bis es einem weh tut, die Dich einlaedt zu ruhen und Dich in Ihr zu vergessen, die Dich aber auch auf Geschwindigkeiten bringen kann, die Du nicht fuer moeglich gehalten haettest. Im Hintergrund lief indische Musik, groesstenteils aus Klassikern und so langsam fuellte sich das Restaurant, dass einen kleinen Tisch an den anderen reihte und wunderbar dezent eingerichtet war. Eine einsame Afroamerikanerin in einem gruenen Kleid sass mir im Ruecken, nebenan am Tisch ein Angeber mit seiner Oma, weiter hinter uns eine vollkommen durchgekrachte aeltere Frau, die den Kellner bat er moege doch bitte diese furchtbare Musik ausstellen, was auch prompt erfolgte, wir erinnern uns: Der Kunde ist Koenig. Ich trank ein erstklassiges King Fisher Bier, labte mich an einer sensationellen Vorspeise um dann von einem Hauptgang in die Ecke gezwungen zu werden. Es war ueberragend.
Es war aber auch schwuel heute morgen als ich an der Princeton Junction einstieg um mit den Pendlern zusammen mit dem NJ Transit in Richtung Mega City zu fahren. Ich war im Rausch. Ich war im absoluten Rausch. Wer sich 364 Tage auf einem Dachboden aufhaelt und Staedte liebt, insbesondere diese und sich dann ploetzlich auf dem Weg dorthin befindet, der kann nicht mehr Herr seiner Sinne sein. An der Penn Station stiegen wir aus und nur noch eine Rolltreppe, bis einem die Stadt wieder in seinem Bann hatte: Ein monstroeser (herrlicher) Krach aus Autos, Hupen, Verkehr, Sirenen und Menschen. Wer das in seinem Leben einmal gehoert hat, der wird verstehen, warum 'Rhapsody in Blue' ein Meisterwerk ist. Es ist die kongeniale musikalische Umsetzung genauer dieser Geraeuschkulisse. Mit einem Taxi, dem legendaeren Yellow Cab ging es dann weiter in Richtung Suedwesten Manhattans, vorbei an der Town Hall bis zur Brooklyn Bridge.

Es war unglaublich schwuel und Massen an Einheimischen, Touristen und anderen Menschen gingen zu Fuss dieses Bauwerk hoch. Es war atemberaubend umgeben zu sein von diesen Hochhaeusern, Menschen aller Coleur und dem Himmel auf Erden. Oben angekommen bot sich ein fantastischer Blick auf den Hudson River. Ich hielt inne und atmete tief durch. Ich liess meinen Kopf von einem warmen Wind umwehen und genoss den Augenblick.

Dieses mal hatte ich mir vorgenommen, einige Stadtteile einfach mal zu Fuss zu erkunden. War ich die letzten Male viel Bus gefahren um zu sehen, bevorzugte ich dieses mal ein Taxi, da schneller in Anbetracht der Zeit. In den Yellow Cabs sind jetzt Monitore mit Touch Screen installiert, auf denen man einen Stadtplan sieht und die Fahrt des Taxis entlang der Strassen verfolgen kann, im rechten Fenster laufen News. Wir hielten in der Naehe des indischen Restaurants, genossen vegetarische und v.a. koshere Kueche in Perfektion und liefen dann zu Fuss in den Meat Packers District. Entlang an den skurrilsten Menschen, am Flatiron Building, hoechst merkwuerdigen Geschaeften, viel Verkehr und vielen vielen kleinen und grossen Restaurants. Es war ein Spaziergang wie in Trance. Wenn sich jemand fuer Menschen, deren Verhalten und v.a. Beobachten interessiert, dem kann ich mit Nachdruck New York empfehlen. Es gibt keinen Ort auf der Welt, keinen, auf dem man Menschen so grossartig beobachten kann wie hier. Es gibt saemtliche Facetten der Spezies Mensch, die einem ueber den Weg laufen.

30 Fuss ueber den Strassen des Orteils Chelsea und beginnend am Meat Packers District verlaeuft die 'High Line', eine ausgediente ehemalige Bahnlinie, die von genialen Architekten umfunktioniert wurde zu einer Strasse ueber den Strassen, auf der man links flankiert vom Hudson, rechts von den Strassen New Yorks spazieren gehen kann. Eine fantastische Idee und ein mustergueltiges Beispiel von staedtischer Planung. Holzliegen luden ein zu pausieren, zu lesen oder einfach den Blick inmitten des Trubels auf das Wasser zu lenken. Viel Gruen flankierte den Holzweg und unter einem fuhren die Autos und tobte das Leben: Das Frank Gehrig Gebaeude zur linken, gigantische Armani Werbungen zur rechten, allen Orten Menschen ausgestattet mit Spiegelreflexkameras die Blumen, Gebaeude, Strassen, sich selbst und andere fotografierten. Dazwischen Gaertner die alles in Stand hielten. Ich wollte danach den ultimativen Overkill und beschloss gegen den Willen meiner Schwester zum Times Square zu fahren. Ich war inmitten des Universums angelangt, ein ohrenbetaeubender Laerm durchdrang mein Trommelfell, aus allen Richtungen schossen Reklamen auf mich ein, jugendliche Strassenhaendler verkauften "Obama Kondome', riesige Lichtreklamen flossen in allen Farben um die Haeuser und Menschen in unglaublicher Anzahl stroemten auf den Strassen. Kollossal. Ich war auf einem Trip. Nach 10 min Dauerberieselung gingen wir eine Querstrasse weiter und in Richtung Sueden zur Penn Station, da es anfing zu regnen, vorbei am Bryant Park, vorbei am Krach, Laerm, Autos, um wieder auf dieser Rolltreppe zu landen, die uns zum NJ Transit brachte.

Es gibt Menschen, die finden N.Y. laut, haesslich, obszoen, stinkend, langweilig. Wenn es eine Stadt gibt, in der ich gerne leben und arbeiten wuerde, dann New York. Es ist vielleicht schwer zu verstehen, aber so ist es nun einmal. Die ersten 7 Jahre meines Lebens wurde ich gepraegt von einer aehnlichen Millionenstadt und wenn man gepraegt wird fuers Leben, dann wird man es nie wieder los, niemals wieder. In dieser Stadt weit weit entfernt spielte der letzte Film von Danny Boyle.

Es war ein Traum, ein fantastisches audio-visuelles Erlebniss. Etwas von dem ich lange zehren werde, wenn ich am kommenden Samstag nachmittag wieder auf dem Dachboden in Norddeutschland sitze... .

Greetings from N.Y. City,

R.D. 

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