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www.lomax-deckard.de

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Johnny D.

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 8. Juli 2009, 12:20pm

Kategorien: #Filme

Der Gangsterfilm hat eine lange Tradition und gilt neben dem Western zu dem Genre im Kino ueberhaupt. Man denke an die Klassiker von Raoul Walsh mit James Cagney, die John Huston Filme mit Humphrey Bogart, aber auch an moderne Filme wie 'Scarface' oder 'The Untouchables' von Brian de Palma und 'A Better Tomorrow' von John Woo. Dramatik und Action waren immer garantiert, sowie virtuose Momente, die in die Geschichte eingegangen sind. 

Mann selbst hatte mit 'Heat' ein Meisterwerk des Genres und einen der besten Filme der letzten 20 Jahre geschaffen. Nun verfilmt er die Geschichte des John Dillinger mit Johnny Depp in der Hauptrolle. Leider ist der Film eine grosse Enttaeuschung, eine sehr grosse dazu. Zum einen fuegt Mann dem Genre keine neuen Akzente hinzu und zum anderen ist der Film extrem langweilig, vielleicht nicht fuer Kinobesucher die sporadisch in das Lichtspielhaus gehen, aber fuer diejenigen, die Filme zu Ihren Hobbys zaehlen.

Schauspielerisch werden Depp als auch Bale unterfordert und auch Marion Cotillard ist nicht mehr als erforderliches Beiwerk. Leider ist das Konzept der Filme von Mann hinlaenglich bekannt - zu Beginn sieht man 2 Haende umeinander gewunden, der Schlussszene aus 'Heat' entsprechend. Der professionelle Kampf 'Mann gegen Mann' auch. Die Shoot Outs sind gut, aber nicht der Rede wert, ich habe schon spannendere und besser geschnittene gesehen.

Was ich bei diesem Film vermisse ist eine stringente Dramaturgie und v.a. Spannung. Alles ist alt bekannt. Von Anfang bis zum Ende duempelt die Handlung vor sich hin ohne wesentliche Hoehepunkte. Es gibt zwar hier und da einige Verfolgungsjagden, aber die reissen einen nicht vom Kinosessel. Was v.a. fuerchterlich nervt ist die Tatsache, dass Mann hier wieder, aber diesmal voellig fehl am Platz, die digitale Aufnahmetechnik und das digitale Videoformat verwendet hat. Bei 'Collateral' machte das Sinn mit diesem Medium die 'Stadt der Engel' nachts zu filmen. Aber einen Film mit High Definition abzulichten, der in den 30'er Jahren spielt, wirkt vollkommen fehl am Platz, weil man sich immer der Tatsache bewusst ist, dass hier ein Film Team am Werk ist und genau dieser Eindruck sollte ja beim Kino/ Film vermieden werden.

Das ganze wirkt extrem kuenstlich und hat dadurch einen dokumentarischen Stil, man hat das Gefuehl staendig dabei zu sein. Mann und sein Kameramann Dante Spinotti arbeiten mit extremen close ups und einer Steady Cam die ebenfalls sehr sehr nah an den Akteuren agiert und dabei das eine ums andere mal mit Wackelbewegungen nervt. Der Soundtrack ist eher sekundaer, spiegelt die Aera wieder und spielt im Hintergrund.

Es kann sein, dass das Ganze auf dem heimischen Bildschirm anders wirkt, im Kino zumindest ist es anstrengend.

Bereits bei 'Miami Vice' zeichnete sich ab, dass Mann seine Ideen ausgehen. Sowohl 'Miami Vice', als auch jetzt 'Public Enemies' sind beides keine schlechten Filme, aber in Relation zu Ihrem Regisseur eher belangloser Durchschnitt. Mit solchen Schauspielern wie Depp und Bale haette man mehr erwarten duerfen und hat bei dem Film das Gefuehl der Regisseur legte mehr Wert auf die technischen Aspekte des Filmes als auf die Handlung. Die Locations sind langweilig, die Aussenaufnahmen der Stadt oede und kuenstlich. Alles wirkt uninspiriert. Nach David Fincher nun Michael Mann. Beides Regie-Genies, die mit ihren letzten Filmen sehr enttaeuscht haben.

In dieser Hinsicht muss ich Lomax zitieren: "Tim Burton hat bisher keinen einzigen schlechten Film gedreht."

Ein schwer enttaeuschter,

R.D.

Bildquelle: Universal Pictures 

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