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"It's a whisper, not a scream" - Diana Krall - Live in Rio

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 25. Mai 2009, 21:27pm

Kategorien: #Jazz




Ich glaube an manchen Orten muss man einfach gewesen sein, um zu begreifen wenn Menschen davon erzählen. Im November 2008 gab Diana Krall in Rio de Janeiro im Vivo Rio ein grossartiges Konzert, welches man jetzt in voller Länge geniessen kann. Sie ist begeistert von der Natur, der Landschaft, den Menschen und der Atmosphäre und gerade letztere wird kongenial in das Konzert einbezogen. Anthony Wilson, der Gitarrist Ihrer Stammband, zu der auch der Bassist John Clayton und der Schlagzeuger Jeff Hamilton gehören, umschreibt den Bossa Nova wie oben im Titel angegeben. Das muss man erst einmal verstehen, dann eröffnen sich auch neue Horizonte. 

Das erste mal kam ich mit dem Bossa Nova in Berührung in Zusammenhang mit Frank Sinatra und seinem fantastischem Album 'Francis Albert Sinatra & Antonio Carlos Jobim', arrangiert und dirigiert von keinem geringeren als dem grossartigem Claus Ogerman, der auch die aktuellen Arrangements beisteuerte. Hier hörte ich zuerst 'Garota de Ipanema', 'Corcovado' und 'Insensatez' in der unnachahmlichen Phrasierung von 'Ol Blue Eyes'. Umso mehr freute es mich zu sehen und zu hören, wie Krall Sinatra neben Nat King Cole zu Ihren Einflüssen und Idolen zählt.

Auf dem neuen Album, welches einhellig schlecht aufgenommen wurde, mich aber keineswegs beeinflusst hat, werden Standards des 'American Songbook' mit dem 'Bossa Nova' kombiniert. Nicht das diese Kombination neu wäre, aber hier wird sie eben in der Interpretation von Krall präsentiert und ein hinhören und hinsehen lohnt sich.




Ob Lerner & Loewe, Cole Porter oder Irving Berlin, Rodgers & Hammerstein: Alle Standards werden souverän gesungen und in Anleihen an den Bossa Nova neu interpretiert. Mein erster Gedanke war, als ich sie am Piano sitzen sah, dass Krall sich sehr unter Kontrolle hat, aber das ist Programm. Eruptionen oder seismographische Spitzen darf und sollte man bei diesem Konzert auch nicht erwarten, ist es doch viel zu sehr der Stimmung verhaftet, die das Land und die Musik umgibt. Lediglich bei dem Irving Berlin Klassiker 'Cheek to Cheek' ist so etwas wie ein Ausschlag zu spüren, hier improvisieren die Akteure um Krall.

Aber es ist gar nicht dieser erste Teil des Konzerts der beeindruckt, sondern die zweite Hälfte und die hat es in sich, wenn das Publikum die Klassiker in Landessprache mitsingt. Dann kommt eine Stimmung auf, die absolut unvergleichlich ist und nicht nur John Clayton hatte Tränen der Freude in den Augen. Es gibt eine Eigenschaft in der Musik die ist unbeschreiblich und universell: Dass sie Menschen unabhängig von Herkunft, Sprache und Hautfarbe miteinander verbindet und wenn auch nur für wenige Minuten. Dieses Gefühl kommt unweigerlich auf, wenn Diana Krall das Publikum animiert mit zu singen. Too marvelous for words!

Es ist "natürlich" das betuchtere Publikum welches da mitsingt und das Konzert atmet nicht die verruchte und verrauchte Aura eines Jazzlokals, aber das ist nicht wesentlich. Viel wichtiger ist die Musik und Ihr Effekt. Und um den zu untermalen, werden Bilder während des Konzertes vom Strand, von der tropischen Vegetation, von der pulsierenden Metropole Rio eingewoben und wenn das Orchester dazu im Hintergrund fast leise und bedächtig spielt, dann ist die Imagination perfekt.

Zu gelackt und zu perfekt werden die Kritiker schreien, mag sein, aber Menschen die die Zusammenhänge dahinter erkennen und darüber hinweg sehen, die werden die Essenz des Ganzen verstehen. Diana Krall kommt insgesamt sehr sympathisch 'rüber, auch in den Konversationen am Rande des Konzerts. Sie erzählt von Ihrem Ehemann Elvis Costello, Ihren Zwillingen und Ihrer Verbundenheit zur Familie. Das und ihr musikalischer Werdegang zusammen ergeben beiläufig ein sehr stimmiges Bild von dieser Musikerin.

Für mich war es ein sehr sinnlicher, warmer und entspannter Abend in Brasilien und es war bewegend zu hören, wie Menschen zusammen singen, etwas (wie Krall sehr richtig so formuliert), was viel zu wenig gemacht wird.

Mit einem Daiquiri in der Hand, umweht von einem warmen Wind, umspült von Wellen und Sinatra's Geist im Herzen,

beste Grüsse aus Rio,

R.D.

Bildquelle: Copyright Globorati Media Inc. und Verve/ Eagle Eye Productions

 

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