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Die Avantgarde eines umstrittenen Klassikers: "Zahlmeit!"

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 21. Mai 2009, 13:23pm

Kategorien: #Kommunikation

Vor einigen Tagen bekam ich aus Nordrhein-Westfalen eine elektronische mail, die mit "Mahlzeit" endete. Der Verfasser selbst subsumierte dieses Wort auf Platz 11 der unmöglichsten Worte aller Zeiten. Mir wurde während der Arbeit an unmöglichen Orten und zu unmöglichen Zeiten dieses Wort entgegen geschmettert. Da meine soziologischen Studien noch andauern kann ich keine exakten Daten liefern, nur soviel, dass es von allen Berufsgruppen im Alltag angewendet wird. Wobei festzustellen ist, dass es häufig auch recht süffisant und mit Nachdruck ausgesprochen wird.

"Mahlzeit!" Ja was bedeutet das eigentlich als "Gruß", woher kommt es und welche ursprüngliche Bedeutung wohnte dem bei? Warum spaltet es die Arbeitswelt und wird von den Intellektuellen verschmäht? Ich war überrascht, wie viele Einträge und Diskussionen es um dieses Wort gab und stellte einige Recherchen im World Wide Web an, hier meine Ergebnisse:

"Mahlzeit!" als Gruß hat seinen Ursprung in "Gesegnete Mahlzeit!". Was soll man als Rückschluss daraus ziehen? Dass einem der Ursprung bekannt ist, oder der "Grüßende" zwar einen 'Guten Appetit' wünscht aber dieser nicht gesegnet ist? Oder wird gar der Glaube vom Essen abgekoppelt? Aus (Mund)Faulheit? Aber bereits im 19. Jahrhundert soll es eine Vereinfachung dieses Wortes gegeben haben, wie mann bei den Gebrüdern Grimm nachlesen kann.

Die Vorsitzende des Arbeitskreises 'Umgangsformen International' in Bielefeld, Frau Inge Wolff, hat 'M.' den Status als offizielle Begrüssungsformel abgesprochen. Nach Ihrer Meinung würde ein 'Hallo' oder 'Guten Tag' ausreichen. Zudem habe Sie 'M.' auch des öfteren auf der Toilette gehört, wo es völlig fehl am Platze wäre. Diese Information habe ich von der Seite www.shortnews.de. Prompt schrieb ein Herr Christoph L. aus Trier, dass Ihm 'M.' weit über ein 'Guten Tag' hinaus gehen würde und es auch als Identifikation oder 'Corporate Identity' zu verstehen sei. 
Frau Wolff warnt: Wer das 'M.' kumpelhaft anwendet, sollte das mit grosser Umsicht tun!

Gero v. Randow schreibt dazu auf www.zeit.de, dass das Segen lose 'M.' erstmals wie er glaubt beim Militär aufkam. Da wird man doch gleich hellhörig! Schon immer war die Beziehung 'Militär-Religion' eine sehr zwiespältige. Aber auch Militärs sind doch gläubig, warum wurde dann das 'Gesegnete' weggelassen? Nun ja, v. Radow kommt zur Ansicht, dass in Büros das 'Hallo' zu unpersönlich sei und man deswegen auf das vereinende 'M.' zurückgreift. Er schreibt ausserdem, dass die gedankenlose Erinnerung an das Essen etwas Persönliches hat und somit als störend empfunden wird. Ich glaube hier liegt eine mögliche Erklärung gegen die Abneigung: wenn man selbst gesättigt aus der Kantine kommt wird 'M.' jovial ja fast euphorisch geschmettert, wohin gegen wenn einem der Magen an den Schuhsohlen hängt 'M.' durchaus Aggressionen hervorrufen kann.

Wie dem auch sei, ich habe mich mit diesem Wort nie so recht anfreunden können und frage mich wie es den vereinfachten Einzug in die Arbeitswelt geschafft hat? Wer hat es eingeführt und wann? Ich glaube ich mache demnächst eine direkte Umfrage in meiner Umgebung und werde hinterfragen. 

Doch zur Überschrift: Aus dem Harz kommt nicht nur Käse, sondern auch Avantgarde. Ein Freund von mir der aus den 'Harz Mountains' kommt muss sich Gedanken gemacht oder schlechte Erfahrung gesammelt haben und entwickelte, wie ich finde, eine sensationelle Variation, nämlich 'Zahlmeit'. Ausgesprochen führte das im Alltag zu konsternierten oder gar keinen Reaktionen. Die Angesprochenen gingen entweder weiter, kräuselten die Stirn oder (wie in einem Fall) hakten nach, was denn das zu bedeuten habe? Die Antwort wurde gleichgültig aufgenommen.

Aber so ist das mit der Avantgarde. Das Wort kommt übrigens aus dem französischen Militär und bezeichnet die Vorhut, die als erste Feindkontakt hat. Im übertragenen Sinne wurde 'A.' aber auch als politische und künstlerische Bewegung verstanden, die eine starke Orientierung an der Idee des Fortschritts hat und sich durch eine besondere Radikalität auszeichnet.

Na, denn:




Einen besinnlichen Feiertag wünscht,

R.D.

Bildquelle: Copyright www.oberoesterreich.at, Cölner Hofbräu P. Josef Früh KG

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