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The Last Boy Scout - Tony Scott

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 18. Oktober 2020, 16:49pm

Kategorien: #Filme

The Last Boy Scout - Tony Scott

Tony Scott geniesst bei uns Kultstatus. Wenn sein Bruder Ridley Scott der Paul Bocuse der Filmkunst ist, so ist Tony der Tim Mälzer des Kino-Mainstream. Tony Scott wird häufig belächelt, jedoch offenbart er erst bei näherem - und vorurteilsfreiem - Hinsehen seine Kunst. Sein Ansatz ist ein vollkommen anderer und dass er Filme gedreht hat, die weit über dem Mainstream liegen, haben wir im Blog öfter besprochen (siehe unten).

Im Zuge der Retrospektive mit dem Titel "Halten die Klassiker von einst auch heute noch Stand?" wurde THE LAST BOY SCOUT gestern einer kritischen Würdigung unterzogen. In den 90er Jahren genoss dieser Actionthriller (auch persönlich) einen hohen Status, nicht zuletzt wegen des legendären Drehbuchautors und Schauspielers Shane Black.

Bruce Willis wurde mit dem Meilenstein DIE HARD zu einem gefeierten Star der ausgehenden 80er und vor allem 90er Jahre. Hier jedoch liefert er eine drittklassige Leistung an der Seite des Stand up Comedian Damon Wayans, der gar kein Schauspiel bietet. Den ganzen Film hindurch besteht Willis Leistung darin, im 3 Tage Bart verkatert auszusehen und eine Zigarette nach der anderen zu rauchen. Zwischendurch steckt er viel Prügel ein und teilt  auch ordentlich aus. Seine Hauptgeste besteht darin mit der linken Hand sein Auge zuzuhalten. Damit lässt sich seine Rolle als abgehalfterter Privatdetektiv mit Ehekrise gut beschreiben.

Die Handlung ist recht dünn und wenig plausibel, die Actionszenen gut inszeniert, wobei die Pyrotechnik und die Shoot Outs eher Mittel zum Zweck sind. Dass Scott optisch mit Filtern und Hochglanz arbeitet, stört nicht, was den Streifen leider im Laufe der Jahre an Bedeutung verlieren lässt, ist, dass er nach nunmehr 30 Jahren (!) überhaupt nicht mehr zündet. Er ist ein Relikt der ausklingenden 80er Jahre, was sich im Film uneindeutig in der Mode und der unfassbar schlechten Musik äussert. Der Titelvorspann beispielsweise ist absolut dilettantisch inszenierter Ultra-Trash, der so konzipiert ist, als hätten sich Praktikanten daran versucht. Wenn dann auch noch Bill Medley anfängt zu singen, ist es um einen geschehen.

Wie eng häufig Popkultur an ihre Zeit gebunden ist und bereits nach kurzer Zeit an Bedeutung verliert, dass ist aus der Popmusik hinlänglich bekannt (und ich meine das nicht generalisierend), gleiches gilt auch für das Kino und dafür war gestern THE LAST BOY SCOUT das beste Beispiel. Einige wenige Gags zünden, der Rest ist ein fürchterliches Sammelsurium an - damals pflegte man zu sagen - Billig-Sprüchen.

Nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich, auch in der Kunst und Kultur, gerade der Popkultur, mache ich immer mehr die Erfahrung, dass man die Vergangenheit lieber ruhen lassen sollte, erst recht nach Lesen des Buches DER ANSCHLAG von Stephen King. Es gibt nur ganz wenige Filme, die, so habe ich das Gefühl, die Zeiten überdauern werden und der Prozess der Veräusserung der eigenen DVD Sammlung hat deswegen begonnen und er wird keineswegs von nostalgischen Gefühlen geleitet (ohnehin trügerisch), sondern der Qualität der Filme.

Für diejenigen, die sich mit Tony Scott beschäftigen wollen, seien die nachfolgend genannten Filme zu empfehlen v.a. seinen grandiosen MAN ON FIRE mit Denzel Washington in der Hauptrolle. Lomax sagte mal vor Jahren, dass Tony Scott mit seinen Kopfschmerzen verursachenden Schnitten in DOMINO Avantgarde sei! Das werde ich überprüfen, aber nicht heute.

Aus Los Angeles,

Rick Deckard

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