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Sean Connery - Einer der letzten wirklichen Stars

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 31. Oktober 2020, 19:27pm

Kategorien: #Filme

Sean Connery - Einer der letzten wirklichen Stars

Mehr als ein halbes Jahrhundert! So lange währte die Karriere des Briten. Über einen so langen Zeitraum Filme zu drehen und mit ihnen auch noch weltweit erfolgreich zu sein, das ist in Zeiten des Internet kaum vorstellbar, in denen die meisten bereits gestern wieder vergessen sind.

Sean Connery war einer der letzten großen Stars, ein Schauspieler dessen Name allein einen Film tragen konnte und der für Qualität bürgte. Es gibt kaum einen schlechten Film mit ihm. Das ist eine beeindruckende Leistung, wie ich finde. Sein Name ist untrennbar verbunden mit vergangenen Zeiten, in der mit beständiger Regelmäßigkeit qualitativ gute Filme im Kino erschienen und auf die man sich im Vorfeld freute. Wenn Schauspieler wie er uns verlassen, dann stirbt mit ihnen auch diese Ära, die Kinokultur, die sie mit ihrer Präsenz prägten.

Connery benötigte keinen Krawall, kein Method Acting, um auf der Leinwand zu wirken. Er hatte style. Stil ist eine Eigenschaft, die nur ganz wenige Schauspieler und Schauspielerinnen innehaben (ich erinnerte in diesem Zusammenhang jüngst an Michael Caine). Sean Connery erzielte Wirkung durch seine Statur, seine Virilität, seine Physis und sein leises, nuanciertes, ja manchmal schelmisches Spiel.

Das erste Mal durfte ich ihn im Kino 1986 in Umberto Eco's Klassiker DER NAME DER ROSE bewundern. Ihn in der Rolle des Franziskaners William von Baskerville zu sehen, das war ein Erlebnis! 

Es waren andere Zeiten und das System liess es zu, aber auch die Würdigung und der Respekt der Menschen für das Medium Kino erlaubten so lange andauernde Karrieren. Die Filmografie von Connery ist imposant. Bis auf den Horrorfilm gibt es kein Genre, in dem der Schauspieler nicht aktiv und erfolgreich gewesen wäre. Das spricht auch für einen guten Instinkt bei der Auswahl seiner Filme. Er genoss selbst das Privileg mit dem Meister aller Klassen zu arbeiten: Mit Alfred Hitchcock in MARNIE.

Er drehte mit Sidney Lumet, John Milius und John Huston. Was für Schwergewichte! DER WIND UND DER LÖWE von John Milius ist nebenbei bemerkt (für mich) einer der schönsten Abenteuerfilme (mit grandioser Musik von Jerry Goldsmith). 

Ich mochte Sean Connery, immer schon. Für mich verkörperte er den Übergang aus den swinging sixties in die Moderne. Ein unvergesslicher Moment, der von Brian de Palma sensationell inszeniert wurde und der für einen solchen Übergang steht, ist die erste Begegnung von Kevin Costner mit Sean Connery auf einer Brücke in DIE UNBESTECHLICHEN, nach dem Elliot Ness (gespielt von Costner) eine Niederlage im Kampf mit dem organisierten Verbrechen hinnehmen musste. Diese Szene ist ein Beispiel für die sagenhafte Leinwandpräsenz des Schotten.

Der Schauspieler wurde nicht müde. Er drehte einen Klassiker, einen Hit nach dem anderen, ob mit Richard Attenborough DIE BRÜCKE VON ARNHEIM oder mit Peter Hyams OUTLAND, ob als Juan Sánchez Villa-Lobos Ramírez in HIGHLANDER oder Prof. Henry Jones in INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG, stets adelte er mit seinen Namen jeden Film, in dem der mitspielte.  

Seine beiden letzten großen Rollen waren der U-Boot Kommandant Marko Ramius in John McTiernan's Actionklassiker JAGD AUF ROTER OKTOBER und des Barley Blair in der John Le Carré Verfilmung DAS RUSSLAND HAUS.

Was für eine filmische Vita!

Sir Thomas Sean Connery geboren am 25.08.1930 in Edinburgh ist am 31.10.2020 in Nassau auf den Bahamas verstorben.

Mit ihm geht einer der letzten großen Vertreter des klassischen Kinos, ein Superstar, ein "versatile actor" und er begräbt mit sich eine Ära.

Cheers Sir Thomas!

Rick Deckard

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