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Jonas David – Goliath VÖ 28.08.2020 Haldern Pop Recordings

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 27. August 2020, 07:57am

Kategorien: #Album Review, #Haldern Pop, #Independent Musik, #Populäre Musik

Jonas David – Goliath VÖ 28.08.2020 Haldern Pop Recordings

David gegen Goliath. Häufig spricht man von einem Kampf zweier ungleicher Gegner. Ein lustiges Wortspiel, denke ich zunächst, als ich mich über den neuen Albumtitel von Jonas DAVID, GOLIATH wundere. Als nächstes lese ich folgende Zeilen: „Jonas David ist ein top Song-Akrobat. Zwischen fulminanten Klangwelten und verhaltenem Chamber-Pop sind seine Songs ergreifend schön, tief und visionär“. Und ich lese, dass Klaus Fiehe diese Zeilen geschrieben hat und denke: Um für dieses schöne Album die richtigen Worte zu finden, brauche auch ich die Hilfe Gottes.

Allerdings ist Klaus Fiehe ja eher ein Idol für mich als ein Riesenkrieger der feindlichen Philister. So entspanne ich mich wieder und höre Goliath zum zweiten Mal durch. Erneut bleibe ich an dem Song SORRI hängen. Sofort muss ich an den geliebten BON IVER denken. Nicht, weil Justin Vernon ein komischer Kauz ist, denn das kann ich über Jonas David nicht behaupten, sondern weil ich sofort das Gefühl habe, dass es abgesehen von der Songstruktur Ähnlichkeiten gibt, dass hier auch einer auf der Suche nach neuen Ausdrucksweisen ist. SORRI hat eine wunderschön getragene Melodie, die für die ewige Repeat-Taste plädiert und zudem auch noch diese geheimnisvollen Übersteuerungen aufweist, die Vernon auf seinem dritten Album 22, A Million gerne als Seitenkritzeleien bezeichnet und  nun von Jonas David, als Überraschungsmoment, genial genutzt wird.

Nun, für mich ist es eine geheime Sprache, die so einen Song interessant macht, aber eben auch den Künstler Jonas David. Und um es direkt vorwegzunehmen, BON IVER ist bestimmt eine schöne Referenz, aber wir sprechen hier von einem eigenständigen Künstler, der zum Glück den Finger fast  (!) gänzlich vom Autotune-Hebel lässt.

Jonas David nahm die Platte auf Sizilien auf. Er war auf der Suche, stellte Fragen an sich selbst und wollte ein Album entwickeln und Momente festhalten, denen er vertrauen kann. Der Umstand ist ihm gelungen: Nun könnte man im Falle von Jonas David von einem klassischen Haldern Pop Recording Akt im besten künstlerischen, geschlossenen Sinne sprechen. Einige Anlehnungen zu Label-Kollegen sind hörbar. Aber so ein Entwurf des Hörens muss ja nie ausgearbeitet sein. Und das französische Wort ESQUISSE bezeichnet das, was ich sagen will, sowieso viel besser.

Denn was ich abschließend sagen will ist, dass es mich glücklich macht, dass dieses wundervolle Album den Anspruch verfolgt, dem Bedürfnis nachgeht, ein kompositorisches geschlossenes Werk abzuliefern und sich über den florierenden Trend hinwegsetzt, ein weiterer Song in einer Playlist zu sein.

Die Plattenindustrie, die Kritiker, die Musiker und jeder sucht nach neuen Methoden, dem entgegenzuwirken. Dabei ist die Lösung des Problems recht einfach: Nicht der Musiker muss eine Marke sein, nicht der eine Song bleiben. Die Unverwechselbarkeit einer kompletten Schallplatte = Album ist die Lösung. Und sie muss natürlich wiedererkannt werden.

Goliath liefert dies ab. Das Album ist im Prinzip eine Aneinanderreihung unverwechselbarer Hits und furioser Musik. EVERY_THING z. B. ist bestimmt allgemeingültig in Akzeptanz bei vielen. ALL IN ALL IN ALL in seiner raffinierten Reduktion und all‘ die anderen Songs auf Jonas Davids neuer Platte passen einfach sehr gut in diese sehr, sehr merkwürdige Welt, in der man inzwischen sogar erklären muss, weshalb Musikliebhaber ein neues Bedürfnis nach Qualität einer solchen Platte haben. „Enthusiasmus als Voraussetzung für die selbstlose Vermittlung von Kunst – eine Botschaft im aktuellen Kampf für Qualität“ (Lothar Prox, Musikwissenschaftler). David nimmt diesen Kampf auf…

Aus der Masse der Minderheiten,

Alan Lomax

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