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MORITURI - Jerry Goldsmith

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 31. Mai 2020, 15:30pm

Kategorien: #Orchestrale Musik

MORITURI - Jerry Goldsmith

In der Rezeption von Filmmusik, Musik im Allgemeinen, erhofft man sich Resonanz, betreibt Eskapismus und versucht dem Tag sinnvolles abzugewinnen.

Doch das Hören von Filmmusik kann gelegentlich auch andere Zielsetzungen verfolgen. Da wären z.B. das chronologische Erarbeiten der musikalischen Karriere eines der profiliertesten Komponisten dieser Zunft, Jerry Goldsmith, oder das Richten des Augenmerks auf das Handwerk des Musikers bei der Komposition der Musik im Kontext der Rahmenhandlung des Films.

Bei disziplinierter Umsetzung der selbst gewählten Vorgaben kann sich dann ebenfalls eine Befriedigung einstellen, selbst dann, wenn Spannung, Drama, Action und Dissonanzen vorherrschend sind.

Das mag sehr technisch, kühl und kalkulierend klingen, in strengem Gegensatz zur geforderten unbändigen Leidenschaft beim Hören von Musik. Dem könnte man entgegensetzten, dass Leidenschaft in der Rezeption nicht nur aus einer Facette besteht, sie kann viele verschiedene Ausdrucksformen beinhalten.

Jerry Goldsmith war 36 Jahre alt, als er die Musik zum dem Kriegsfilm MORITURI aus dem Jahr 1965 unter der Regie von Bernhard Wicki komponierte. Es ist spannend zu hören, wie der Ausnahmekomponist sich der Thematik des Filmes annahm. Um den fernen Osten zu Beginn der Handlung musikalisch zu charakterisieren bedient er sich einer Zither, die einsam ihre Melodie spielt. Wie der Titel des Films erahnen lässt, trägt ihn auch eine tragische Komponente, die Goldsmith musikalisch nur leicht andeutet, ohne in Pathetik zu verfallen. Für die spannungsgeladenen Passagen bedient er sich der Schlagwerk-Sektion des Orchesters, arbeitet viel mit Blechbläsern und setzt Streicher spärlich und zielgerichtet ein.

Ich schätze diesen "technischen" Goldsmith genauso wie den "brillanten". Auch wenn letzterer der Grundstein für die Popularität von Goldsmith war, ist der Handwerker Goldsmith ebenso faszinierend. Das interessante an den ersten Kompositionen ist mitzuerleben, zu hören, wie der Musiker seine Ideen musikalisch entwickelte, um sie dann nach Ausreifung in Vollendung in seinen späteren Werken zu präsentieren. Bereits ein Jahr später präsentierte er eine seiner besten Filmmusiken überhaupt: KANONENBOOT AM YANGTSE-KIANG (THE SAND PEBBLES). MORITURI war eine der Treppenstufen dorthin, doch nicht nur im Sinne einer routinierten Arbeit, sondern einer Entwicklung.

In den Hauptrollen sind Marlon Brando und Yul Brynner (als deutscher Kapitän Müller) zu sehen. Exzellenter Trailer (siehe unten) aus einer weit vergangenen und vergessenen Zeit.

Aus Macao,

Rick Deckard

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