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Prince Of The City - Sidney Lumet

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 13. April 2020, 18:22pm

Kategorien: #Filme

Prince Of The City - Sidney Lumet

... and king of the movies.

Ein weiterer - erstklassiger - Vorteil dieses Blogs für einen selbst ist, dass sich so langsam über die Jahre bestimmte Genres und Regisseure herauskristallisieren. Aufgrund der vielen bislang veröffentlichten Beitrage zum Kino muss ich im Vorfeld zunächst die Suchfunktion nutzen, um nicht doppelt zu schreiben. Beim suchen stellt sich heraus, dass bereits zu einem ähnlichen Thema oder dem gleichen Regisseur etwas geschrieben wurde. Insofern ein sehr gutes tool für persönliche Zwecke.

Vom persönlichen zum öffentlichen.

Lumet war ein exzellenter Regisseur, daran besteht kein Zweifel. Vielmehr sollte die Frage daher lauten: Wie gelang ihm das? Wie ist es ihm technisch gelungen? Dass Talent die Voraussetzung ist, darüber muss man nicht debattieren. Doch um eine Frage dieser Grössenordnung zu beantworten bedürfte es Zeit und aufwendiger Recherche. Weder ist Zeit für die Zeit da, noch Zeit für die Recherche. Spannend wäre es allemal.

In Prince Of The City erzählt Lumet die (wahre) Geschichte eines Cops aus einer Spezialeinheit des Drogendezernates in New York City. Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger Jahre wird der Big Apple von Drogen überflutet. Doch nicht nur die Dealer streichen Gewinne ein, sondern auch ein Grossteil der Ermittler. Als der von Treat Williams gespielte Polizist Danny Ciello der Korruption überführt wird, bietet ihm die Staatsanwaltschaft einen Deal an. Zuerst lehnt Ciello entsetzt ab, doch dann plagt ihn sein Gewissen. Er willigt ein.

Der Film hat eine Lauflänge von 2 Stunden und 47 Minuten, für einen Film aus dem Genre Kriminalfilm/ Drama wahrhaft episch. In der Regel war eine solche Länge dem Monumentalfilm vorbehalten. Das erstaunliche an Prince Of The City ist, dass der Film über diese gesamte Länge blendend unterhält, keine Längen hat und nie langweilig wird. Das ist die Kunst des Sidney Lumet, denn es handelt sich nahezu ausschließlich um einen Dialogfilm. Es gibt hier und dort einige Verfolgungsjagden, Kämpfe und bedrohlich-dramatische Situationen im Kontext der Handlung, aber im Wesentlichen spielt der Film in Räumen und Personen unterhalten sich.

Die Spannung bezieht der Film dadurch, dass er sehr lebensnah ist. Auch dann, wenn man selber nicht in der Haut des Verräters Ciello steckt, stellt man sich, zumindest habe ich das bei der Betrachtung getan, die Frage, wie man in einer solchen Situation handeln würde, gehandelt hätte? Denn die Verlockungen im Drogendezernat sind gross und ihnen kann das Team um Detective Ciello auch nicht widerstehen. Daher heissen sie auch "Prince Of The City". Keiner kontrolliert sie, sie leben im Luxus und liefern Fahndungserfolge. Doch Polizist wurde man aus einem bestimmten Grund und an diesen einst geleisteten Schwur erinnert sich Ciello. Es kommen ihm immer mehr Zweifel. Doch wie verhält man sich in einer solchen Situation?

Es ist ein Dilemma.

In diesem Spannungsfeld aus Loyalität und Moral wird der Protagonist förmlich zerrissen. Auf der einen Seite ist die Loyalität seinen Kollegen gegenüber für ihn von Anfang an das erste und wichtigste Gebot, auf der anderen Seite will der Ermittler sein schweres Gewissen entlasten. Diese Widersprüchlichkeit im Verhalten bringt Lumet zusammen mit seiner Drehbuchautorin Jay Presson Allen (Marnie, Cabaret, Funny Lady) meisterhaft auf die Leinwand.

Der Film ist ein Dialog-Magnum-Opus. Man muss sich konzentrieren, um sich alle Namen und Zusammenhänge merken und einordnen zu können, aber das ist doch in Zeiten der Werbung im Film und tausend anderen Ablenkungen im digitalen Zeitalter ein ideales Mittel, um den Zuschauer zu fordern und ihn zu trainieren.

Dass Lumet selbst ein grosser Fan des Kinos war, sieht man an einer Stelle, in der Treat Williams mit seiner Frau ins Kino will und sich in der Wartereihe stehend positiv über die Leistung eines Schauspielers aus einem Film von Stanley Kramer äusserst, das Plakat hinter Glas wird kurz eingeblendet.

Dass Lumet zudem New York liebt, dass erklärt sich bei der Durchsicht seiner Filmografie von selbst.

Ich frage mich bei der Recherche unseres Blogs immer wieder, warum hier so viele Filme, die uns geprägt haben, noch nicht besprochen wurden?

Darüber nachdenkend aus der Stadt, die nie schläft,

Rick Deckard

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