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A Rainy Day In New York - Wood Allen

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 15. April 2020, 12:21pm

Kategorien: #Alan Lomax Blog, #Feuilleton, #Filme, #Jazz, #Kommunikation

A Rainy Day In New York - Wood Allen

Um es gleich vorweg zunehmen. Und auch um mich selbst sicher zu machen: Dieser neunundfünfzigste Woody Allen Film ist streitbar und er polarisiert. Und es gab auch bereits Diskussionen. Sogar das Studio hat den Vertrag mit dem Alt-Meister aufgelöst und sich von dem Film distanziert.

Die Gründe dafür sind in der Praxis nachvollziehbar und in diesen Zeiten auch leider notwendig geworden, um über diese zu diskutieren. Abermals wird der Missbrauchsvorwurf gegen Woody Allen an seiner Adoptivtochter hervorgehoben. Dann wird dem New Yorker ein verheerendes Frauenbild in dem Film unterstellt. Selbstverständlich werden Begriffe wie "Altherrenwitz" genutzt und dann ist es natürlich auch für die schreibende Zunft nicht ok, dass ein Film wie dieser, in Zeiten von MeToo überhaupt möglich ist. Ich will das hier auch gar nicht weg schreiben und ich bitte Jeden und Jede die diese Besprechung lesen, zu verstehen, dass diese Themen wichtig sind und wir alle aufmerksam bleiben sollten. 

Aber es gibt auch eine Dimension in diesem Film, die kaum erwähnt wird. Und wirklich schade ist es, dass Woody Allen, selbst zum Opfer dieser Debatte wurde, obwohl er einen wunderbaren, altmodischen und ebenso echten zeitgemässen New York Film abgedreht hat. Denn A Rainy Day In New York ist auch eine Erkundung des heutigen New Yorks und seiner Künstler und Menschen die dort in dem bekannten Künstlerumfeld von Woody Allen leben und vor sich hin vegetieren.

Woody Allen stellt sich natürlich selbst ein Bein. Denn über der Schilderung seiner vielen Hauptdarsteller und der wunderbaren boulvardesken Verstrickungen, kommt die politischen Korrektheit tatsächlich häufig zum Erliegen bzw. wird diese erst gar nicht thematisiert.

Und schon stellt sich die Kernfrage erneut: Dürfen Geschichten und Sichtweisen aus einer alten Zeit heute noch künstlerisch so umgesetzt werden? Reduzieren kann man die Frage auch mit der Aussage eines Serienhelden: "Hatte Entertainment damals nicht einen höheren Stellenwert, als das alles noch etwas mit Alkohol zu tun hatte." Oder weiter gedacht: ...in Zeiten, als in der Komik jeder sein Fett abgekommen hat!? Egal, welchem Geschlecht, welcher Religion oder welcher Minderheit oder Mehrheit er oder sie angehörte? Denn das haben Künstler wie Woody Allen immer gemacht. Nur dass das früher mit Sätzen wie "Allen, macht sich über Männer und Frauen und das Filmbusiness lustig" kokketiert wurde und heute dann das ganze mit einer fahrigen Aussage wie "er reiht nur Klischees nebeneinander" kommentiert wird.

Der Film erzählt die Reise von Gatsby Welles (Timothée Chalamet) und seiner Freundin Ashleigh (Elle Fanning) nach New York. Ashleigh (!) darf für eine College-Zeitung ein Interview mit dem Filmregisseur Roland Polland (Liev Schreiber) machen, Gatsby (alleine die Namen sind mehrere Lacher wert), hat eine alte Seele und will der Tochter aus reichem Hause, das alte New York zeigen. 

Es regnet die ganze Zeit, aus der Studentin wird ein Promi geiles Luder und Gatsby bekommt Zeit sein Leben zu sortieren. 

Abgesehen von der ganzen Problematik und der Schwierigkeit der altmodischen Rollenaufteilung, bleibt ein gesegnetes Bild von Stadtneurotikern und einem New York, wie wir es schon lange, lange nicht mehr so schön fotografiert gesehen haben. Natürlich zitiert Woody Allen in jeder Sequenz, jeden New York Film der jemals gedreht wurde! Die Drehorte sind fein dezidiert und kenntnisreich ausgesucht worden und die romantische Musik, die größten Teils Jazzstandards von Erroll Garner sind, verpachten ein traumhaft sicheres und zeitloses Zeitkolorit und ruft in mir auf wundersame Weise ein Gefühl der Stimmigkeit und Zufriedenheit hervor. 

Woody Allen gelingt es in A Rainy Day in New York tatsächlich, eine vergangene Welt zum Leben zu erwecken. Die sich im heute, vielleicht gar nicht so sehr von dem gestern unterscheidet. Eine romantische Sicht.

Mich stört der erhobene Zeigefinger von Kritikern und Filmjournalisten inzwischen gewaltig. Da bei allen zu recht angemahnten kritischen Themen, leider häufig die künstlerische Freiheit vergessen wird. Trotz aller Widrigkeiten, muss ein Filmemacher die Möglichkeit haben zum Eskapismus aufzurufen um somit die Sehnsucht des Zuschauers erfüllen. 

Von der Madison Avenue

Alan Lomax

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