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Quincy Jones: Mann, Künstler, Vater (NETFLIX)

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 29. März 2020, 13:56pm

Kategorien: #Jazz

Bildquelle: Netflix

Bildquelle: Netflix

Wer sind die Macher hinter den Musikern? Welchen Anteil haben diese im Hintergrund arbeitenden Menschen? Welche Befähigung bringen sie mit? 

Quincy Jones war Produzent hinter fast jedem erfolgreichen Musiker, den es auf diesem Planeten gab, er ist vielleicht einer der erfolgreichsten Produzenten überhaupt. Sein Einfluß kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es bleibt bei der Einschätzung, denn was konkret ein Produzent macht, entzieht sich unserer Kenntnis, wir als Konsumenten können nur das Endprodukt bewundern und Schlüsse ableiten. Seine Befähigung war sein Talent, seine Gabe für Musik.

Die Tochter von Quincy Jones, Rashida Jones, stellt uns ihren Vater in knapp zwei Stunden Film vor. Ein so bewegtes und berauschendes Leben in wenigen Minuten zu zeigen, kann nur ein Zeitraffer sein, eine Bestandsaufnahme. Aber was für eine!

Manche Menschen leben ein beeindruckendes Leben und es sind Zufälle, die das Leben bestimmen. Es sind einschneidende Kindheitserinnerungen, die das Leben prägen. Nun bin ich kein grosser Verfechter und Bewunderer von Biografien anderer Menschen, da mein eigenes für mich ebenso spannend ist. Es gibt jedoch Ausnahmen, und Jones ist so eine.

Als Alan Lomax und ich Anfang der 90er Jahre regelmässig Musikabende machten und unsere Liebe für diese Kunst in vielen Gesprächen vertieften, zu dieser Zeit lenkten wir unser Augenmerk nicht nur auf den Song, die Melodie, egal welches Genre, sondern fingen an uns Gedanken über die Arrangements zu machen, zunächst über unser laienhaftes Verständnis, später über Literatur und Selbststudium.

Etwa zu dieser Zeit begegneten wir beide Quincy Jones, erst beiläufig, später fokussiert und intensiv. Der eine über seine Liebe und Leidenschaft zu Jazz und Bands, der andere über Sinatra.

Quincy Jones: Mann, Künstler, Vater (NETFLIX)

Wir schickten uns Tapes zu. Mit Beginn des Internet wurden die Daten über das Netz verschickt und eine Zeitlang wurde der Austausch mit "Track des Tages" betitelt. Jeder schichte dem anderen seinen Musiktrack des Tages zu. 

Etwa zu dieser Zeit wuchs das Interesse an Arrangements, Kompositionen und Produktion von Musik. Wegweisend war das legendäre Album SMACKWATER JACK von dem fantastischen A&M Label und daraus der Track IRONSIDE, das Thema zu der gleichnamigen Fernsehserie. Wer einmal dieses Stück von einer Platte oder CD gehört hat, dem wird bewusst, wie bedeutsam eine Produktion sein kann.

Die Kreise schlossen sich und Quincy Jones wurde zu einem unserer Helden.

Die Film über sein Leben ist sehr aufschlussreich und berührend zugleich. Aufschlussreich, weil er neben der sagenhaften Karriere auch den Menschen Jones zu Wort kommen lässt und Einblicke in die Seele gewährt, berührend, weil Jones einfach ein unglaublich lässiger und cooler Typ ist, bescheiden und demütig trotz all des Erfolgs.

"He was a monster of a musician!"

Wenn man aus dem Munde von Jones ein solches Kompliment über Sinatra hört, dann verformt sich der Mund zu einem Dauergrinsen. Der Film zeigt wunderbare Stills und Momentaufnahmen der beiden, als eine künstlerisch grosse Liaison begann, auch Original Off-Kommentare belegen die gegenseitige Zuneigung und Respekt. Was für wunderbare Aufnahmen.

"Q", wie er von seinen Freunden genannt wurde, war einer dieser Allrounder, die nicht nur alles konnten, sondern alles sehr gut konnten, egal, ob Jazz, PoP oder Filmmusik. Jones war ein Meister in allem und der Film zeigt diese Schaffensperioden ohne Glorifizierung. Unglaublich die Zahl und Namen derjenigen, für die und mit denen er arbeitete: Lionel Hampton, Duke Ellington, Dizzy Gillespie, Brel, Aznavour, Sinatra, Michael Jackson, Steven Spielberg, die Liste ist endlos.

Wenn man Jones im Film hinter einem grossen Schreibtisch sitzen sieht und er lässig mal eben die halbe Weltprominenz - eine Zeit, in der Prominente auch echte Prominente waren - zu einem Konzert einlädt, diese Szenen erreichten Kultstatus. Unfassbar. 

Man sieht Jones im Jahr 2015, gebeutelt und sich immer wieder erholend von gesundheitlichen Rückschlägen, in die lange chronologische Sequenzen aus der Vergangenheit eingeblendet werden, die seine musikalische Karriere abbilden. Fantastische Bilder und Zeitzeugnisse.

Quincy Jones - Mann, Künstler, Vater ist eine Dokumentation, die auf Netflix zu sehen ist. Ein berauschendes und bewegendes Erlebnis über das Leben eines musikalischen Titanen.

Vor zwei Wochen wurde Jones 85 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch!

Aus dem Capitol Records Gebäude,

Rick Deckard

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