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miles davis: birth of the cool - Stanley Nelson

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 28. März 2020, 13:27pm

Kategorien: #Jazz

miles davis: birth of the cool - Stanley Nelson

Der Film wirkt lange nach.

Im Internet- und Streaming Zeitalter, in dem jeder Mensch ein Star, Musiker und Künstler ist, in einer Zeit, in der Musiker bereits nach kurzer Zeit wieder vergessen sind, war es wohltuend eine echte Karriere, einen echten innovativen Künstler und virtuosen Musiker zu sehen und zu erleben.

BIRTH OF THE COOL aus dem Jahr 2019 zeichnet das Leben des Jazz-Musikers Miles Davis nach, beginnend in den wilden Zwanzigern bis weit in die Neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts reichend. Der Film ist eine mit vielen Interviews, Originalfilmen und -bildern aufgelockerte Biografie des Jazz-Musikers.

Bereits zu Beginn des Films wird Davis dahingehend zitiert, als dass man im Leben Veränderungen wagen muss, um Neues zu erschaffen. Dieses Zitat zieht sich durch die Karriere von Davis, wie ein roter Faden. So, wie viele andere wegweisende Künstler auch, erfindet er sich und seine Musik wieder und wieder von Neuem, geht Wagnisse ein und verändert auf diese Weise auch den Jazz.

Seitdem mich mein Freund und Blog-Kompagnon Alan Lomax in die Welt des Jazz eingeführt hat, seitdem konnte ich mich nie so richtig mit dem Trompeter "anfreunden". Anders als bei Herbie Hancock, Bill Evans, Chet Baker, Lee Morgan und anderen, die mich sofort mit ihrer Wärme und unbändigen Leidenschaft packten, empfand ich den Sound eines Davis stets als kühl, abgehoben und entfremdet, insbesondere im Zusammenhang mit seiner wegweisenden Kollaboration mit Gil Evans, mit dessen Arrangements ich mich ebenfalls selbst nie arrangieren konnte.

Es gibt allerdings eine Ausnahme: Seine Musik zu Ascenseur pour l`échafaud. Vielleicht liegt das an der bezaubernden Jeanne Moreau. Davis soll ja seine Musik spontan zum Film eingespielt haben. Da klingt Davis' Trompete warm, voller Gefühl.

Was ich beim Betrachten des Films als faszinierend empfand und auch ermutigend, waren die Bereitschaft und der Wille von Miles Davis zur Freiheit und Demokratie in der Musik, speziell im Jazz. Seine wenigen Skizzen und Anweisungen an die Band reichten, um bahnbrechende Musik zu erschaffen, nicht nur das legendäre KIND OF BLUE betreffend. Das gilt insbesondere für die Sechziger und Siebziger Jahre, in denen Davis Jazz mit Funk und Rock fusionierte. Diese Bereitschaft, nicht stehen zu bleiben, sondern sich immer weiter zu entwickeln, auch wenn man seiner Zeit voraus ist, das ist das eigentliche Faszinosum an Davis. Unglaublich, wie vielen Musikern er auf diese Weise zur Karriere verhalf.

Ein Blick in mein Regal zeigt alle seine Alben auf CD fein aneinandergereiht, von Birth Of Cool bis Bitches Brew. Es ist an der Zeit sich mit Davis zu beschäftigen.

Aus New York,

Rick Deckard

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