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Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – Fuck Dance, Let’s Art

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 3. September 2019, 13:14pm

Kategorien: #674.fm, #Album Review, #Kommunikation, #Populäre Musik, #album, #DLDGG

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – Fuck Dance, Let’s Art

A, B, C, D, ……S, T, U…….X, Y, Z

Von Alan Lomax

Kürzlich habe ich mal wieder meine Plattensammlung sortiert. Es war ein heißer Sommertag. Das Denken fiel mir schwer und so entschied ich mich für eine einfache Neu-Sortierung von A – Z. Als ich bei dem Buchstaben S ankam und bereits einiges vor dem zweiten Leitbuchstaben t zusammengetragen hatte, fiel mir auf, dass ich unglaublich viele THE STYLE COUNCIL Platten besitze. Ich glaube es sind über 20. Ich schaute mir das einmal genauer an. Meine Lieblingsplatte war immer HOME & ABROAD: THE STYLE COUNCIL LIVE. Als ich das Plattencover erneut erforschte und insbesondere die lässige, schicke Kleidung von Paul Weller & Mick Talbot bemerkte, driftete ich ab…

Wenn Sie denken mich zu kennen, kann ich mir vorstellen, wie Sie sich das Szenario bei mir zuhause zu diesem Zeitpunkt so vorstellen: T-Shirt, Stoffhose, vielleicht sogar andere würdelose Kleidung, eine Bierflasche, auf dem Boden tausende Platten verteilt und irgendwo ein Viertel vertrocknete Pizza in einem Pappkarton. Doch leider muss ich Sie enttäuschen, denn den Akt der Schallplattenneusortierung vollziehe ich nur unter speziellen Regeln: Ich ziehe mir meinen -im Donegal- maßgeschneiderten Tweed-Anzug an. Außerdem meine Charles Tyrwhitt Bootsschuhe in Silber. Essen tue ich nix, aber natürlich betrinke ich mich bei dieser Tätigkeit. Auch dieser Akt unterliegt einem Ritual: Es gibt Gin! Und zwar Tanqueray Bloomsbury London Dry Gin 47,30 %. Getrunken aus einem geeisten Glas, nur mit einem Halm Schnittlauch (den ich für diesen Anlass extra online von einem veganen Biobauern aus einem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern bestelle) verziert. Während des Sortierens höre ich Musik von Tape. Eine Entscheidung, die ich bereits vor vielen Jahrzehnten getroffen habe. Denn Platten sortieren bedeutet auch ständig das Verlangen zu haben, welche aufzulegen. Und fängt man damit erstmal an, wird man niemals fertig.

Ich nahm also ein Schluck Tanqueray, überlegte kurz mir wenigstens das Jackett auszuziehen und hielt Home & Abroad in der Hand. Auf meinem alten Tapedeck sprang der analoge dreistellige Counter von 999 auf 000 und das Tape spielte die letzten Töne der Band STUNDE X, bevor die Hamburger Band SUPERPUNK „Ich bin kein Ignorant, ich bin kein Idiot“ sang.

Der eigene Spannungszustand zerreißt einen in solchen Momenten förmlich. Jeder der schon mal in seinem Tweet-Anzug, Platten sortiert hat, weiß das! Der Mensch in der Entscheidungsphase! Es wurde wild.

Ich zog den Anzug bis auf meine Guillaume Gibault Unterhose aus, die silbernen Slipper behielt ich an und ich reicherte den Tanqueray mit einem kleinen Würfel aus Eis an. Es muss sehr spaßig ausgesehen haben: Dieser kleine Würfel in dem Glas...

Die folgenden Ereignisse können Sie demnächst in meinem endlich erscheinenden Buch „Es wird Regen geben“ nachlesen. Für diese Plattenbesprechung würde das zu weitreichend werden.  

… „Ich verlieb mich wieder in mich“ stellt Carsten Friederich inzwischen fest. Der Tanqueray ist fast leer und ich tanze (immer noch halb nackt, aber inzwischen mit einer Detektivmütze auf dem Kopf und einer Pfeife im Mundwinkel) über das Parkett. In der Hand habe ich die neue Platte der Band DIE LIGA DER GEWÖHNLICHEN GENTLEMEN. Diese lag bereits in meinem Briefkasten. Dieser scheinbar belanglose Rückblick auf die Ereignisse ist wichtig, um den Plot dieses Beitrags später zu verstehen! Denn zwischenzeitlich habe ich nicht nur meinen inneren und äußeren Zustand geändert, sondern auch das Device welches nun digitale Tracks abspielte und schon wieder über das Kassettenabspielgerät gesiegt hatte.

Ich hielt also diese Schallplatte im Arm, wie einen guten Freund, eine geliebte Frau, ein vergessenes Kuscheltier und tanzte mit den silbernen Slippern, wie Gott mich schuf, einem Detektivhut auf dem Kopf und einer alten Meerschaumpfeife im Mundwinkel über das häusliche Parkett.

Kein seltener Zustand im Hause Lomax, aber dennoch ein besonders treffender: Die THE STYLE COUNCIL VINYLS lagen dazwischen. Also zwischen Slippern und Parkett.

Icaac Newton schrieb einmal: „…standing on the shoulders of giants“. Er hatte wohl das Bild von mir im Kopf und die Platte FUCK DANCE, LETS ART im Ohr, um das Verhältnis der aktuellen Musik und Kultur zu Tradition und Leistungen früherer Generationen zu bestimmen…

Wissen Sie!? Der Vorteil einer ambivalenten Haltung ist, dass man spontan, Dinge anders tun kann. Als ich nämlich am Morgen darauf aufwachte und ich das Chaos in meinem Wohnzimmer betrachtet, entschied ich mich Bands die mit „D“ bzw. „L“ (je nachdem ob man THE (oder Die)-Bands berücksichtigt) ab sofort unter „S“ einzuordnen. Und gut, dass das kleine „u“ dem kleinen „t“ in der zweiten Reihe folgt.

Da kommt vieles zusammen, was zusammengehört!

Aus der Kantine des Lebens, eine Buchstabensuppe essend!

Alan Lomax

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