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MAD MAX Trilogie - Teil II der Retrospektive

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 29. April 2019, 20:50pm

Kategorien: #Klassiker

MAD MAX Trilogie - Teil II der Retrospektive

Max Rockatansky zu seinem Vorgesetzten Fifi Macaffee (das ist kein Scherz, die Protagonisten heissen wirklich so):

Max:"Ich habe Angst Fif. Ich sag Dir wieso. Dieser Teufelszirkus da draußen fängt an mir zu gefallen!"

Fifi:"Sag mal, willst Du mich verscheissern?"

Max:"Noch eine Zeitlang da draußen auf der Strasse und ich bin so wie die, verstehst Du? Ein unheilbarer Wahnsinniger. Nur, weil ich ne Bronzeplakette trage, bin ich einer von den Guten. Verstehst Du, was ich sage?"

MAD MAX

George Miller schrieb mit seinem Low-Budget Actionfilm Filmgeschichte, der Film fasziniert, wirkt auch noch nach 40 Jahren und das trotz einer dünnen Handlung. Das liegt an der Rohheit dieses Films, den Bildern einer Zukunft, die nicht näher datiert wird, das Herannahen einer Apokalypse, die förmlich zu spüren ist.

Es ist die Art, wie Miller seine Geschichte erzählt, weniger das, was er in seiner Geschichte erzählt. Bereits bei MAD MAX zeichnet Miller ein Bild des Menschen, welches er in der Fortsetzung MAD MAX II zur Vollendung bringen sollte. Auf den Highways der Strassen eines nicht benannten Landes fahren marodierende Banden auf Motorrädern mit Highspeed herum, drangsalieren Menschen und sind wahnsinnig, entfesselt. Das wird überdeutlich in der sensationell gefilmten Verfolgungsjagd zu Beginn des Films, in der ein Verbrecher names Nightrider von der Polizei gejagt wird. In diese Jagd wird Max Rockatansky in erstklassiger filmischer Manier Schritt für Schritt, Schnitt für Schnitt eingefügt. Erst am Ende sehen wir in das Gesicht von Mel Gibson, der mit diesem Streifen Weltruhm erlangte. So werden Helden gemacht.

​​​​​​​Der Film ist auf pure Action ausgelegt. PS, Motoren und irre Marodeure, die scheinbar nichts weiter im Sinn haben als randalieren, vandalieren, morden und Gas geben. Dass das nicht in Trash abgleitet, sondern in eine eigentümliche Qualität hervorbringt, ist das grösste Verdienst des Regisseurs. In Dystopien wird so häufig nach dem Sinn gesucht, das warum, das wie. Miller ist nicht auf Ursachenforschung hinaus, sondern er liefert das, was zum Markenzeichen der 80er Jahre werden sollte: Action ohne Sinn und Verstand. Paradoxerweise wird genau dieser Unfug zum Markenzeichen der Trilogie, insbesondere der ersten beiden Teile. Sozialkritik war mitnichten die Maxime von Miller. Hier geht es um PS, Motoren, Benzin und Höchstgeschwindigkeit. Ein Kino der Kinetik, der Hochrasanz in einer Welt mit sterbender Moral.

Mel Gibson zeigt bereits in MAD MAX das, was ihn später endgültig in die Top Riege der mimisch übertrieben agierenden Schauspieler katapultieren sollte: Nuanciert schlechtes Overacting. Wir werden im dritten Teil der Retrospektive sehen, dass Overacting eine Kunstform ist. John Goodman zelebriert sie in THE BIG LEBOWSKI ad ultimo.

Was mir persönlich bei der Betrachtung der Trilogie ausserordentlich zugesagt hat, ist die Zeichnung des "Homo sapiens", des Weisen der Gattung Mensch. Wie würden wir uns verhalten, wenn die dünne Decke der Zivilisation zerbricht? Diese Antwort gibt uns der Regisseur in der legendär gewordenen Fortsetzung MAD MAX II - ein Dystopie- Actionklassiker, der absoluten Extraklasse.

MAD MAX Trilogie - Teil II der Retrospektive

Optisch ist MAD MAX II eine Wucht. In hochästhetischen Cinemascope Bildern sehen wir Max durch eine Wüste, ein Ödland fahren. Scheinbar ist die Welt, so wie wir sie kennen, vollends zusammengebrochen. Im Intro wird dem Zuschauer der Hintergrund geliefert. Allein die wunderbar billige Machart dieses Zusammenschnittes des Versagens menschlicher Kultur geht in die Filmgeschichte ein. In der Stimmlage und der Verzweiflung erinnert der Sprecher bisweilen an die Tragik der Stimme von Liv Ullmann in der Eröffnung von A BRIDGE TOO FAR, dem Masterpiece (neben GANDHI) von Sir Richard Attenborough.

In dieser Wüste gibt es keine Regeln mehr, keine Gesetze, keine Moral, nichts, was Menschen in irgendeiner Art und Weise aneinander kittet. Was zählt ist das nackte Überleben und die Jagd nach Benzin. Aus dieser Prämisse macht Miller einen Film, der mit seinem irrwitzigen Tempo, seinen vollkommen durchgeknallten Charakteren und den furios gefilmten Actionszenen Geschichte schrieb.

Beachtlich ist neben der Dystopie auch die Tatsache, wie Miller verkommene Menschen darstellt. Würde sämtliche kulturelle Fassade von uns fallen und unser evolutionärer Ursprung ans Tageslicht kommen, so wären wir vermutlich Wez und Humungus gleich, sensationell verkörpert von Vernon Wells (siehe Foto oben) und Kjell Nilsson (siehe Foto unten). Die Bauchmuskulatur hat geschmerzt vor Lachen und es ist eine Schande, dass beide Akteure nicht für einen Oscar nominiert wurden. Ultra-Kult!

​​​​​​​Jeder ist in dieser Welt auf sich gestellt, keiner traut dem anderen und alle wollen nur eins: Benzin, um sich in diesem Alptraum fortbewegen zu können. Ein Menschenleben hat überhaupt keinen Wert mehr. Max geht mit den Bewohnern einer Ölraffinerie einen Handel ein und sagt ihnen zu, einen vollgeladenen Benzintruck über das Ödland zu fahren, wenn diese ihm im Gegenzug Benzin überlassen, soviel wie er mitnehmen kann.

Der Film steuert von Beginn an auf das Finale zu und das hat es in sich: Max steuert den Truck und marodierende Irre auf ihren Motorrädern und umgewandelten Autos setzen an zu einer spektakulär gefilmten Verfolgungsjagd. Allein die Sequenz, in der Humungus Wez in Ketten hält und diesen schliesslich zur Jagd entlässt, liess jubeln und Lachen bis die Gesichtsmuskeln weh taten. Was für ein Spektakel! Aber noch mehr Lachen musste ich, als ich folgenden Eintrag bei Wikipedia fand:

"Mit einem Übermaß an Brutalität, Zerstörungsorgien und zynisch choreografierten Metzeleien inszeniertes apokalyptisches Fresko. Angesichts seiner gewaltverrherrlichenden Tendenz wirkt die technische Perfektion des Films umso ärgerlicher."

Lexikon des internationalen Films.

Auf die Gewaltdiskussion im Kino lasse ich mich nicht ein, die ist so alt wie das Kino und die Menschen, aber besser kann man den Film nicht in einem Satz zusammenfassen.

Leider konnte der dritte Teil der Trilogie nicht mit den ersten mithalten.

MAD MAX Trilogie - Teil II der Retrospektive
MAD MAX Trilogie - Teil II der Retrospektive

MAD MAX III mutierte zum Trash, da kann selbst Tina Turner (!) als Aunty Entity (!!) nicht das Ruder herumreissen (allerdings prägte sich das Metal-Kostüm ein). Den Machern gehen die Ideen aus und es ist sicht- und spürbar, dass es nur noch darum ging, den letzten Dollar aus der Serie herauszuquetschen. Die Handlung ist öde, die Actionszenen sattsam bekannt und der erhobene Zeigefinger so gar nicht zur fatalistischen Grundidee passend. Ein Schuss in den Ofen. Beyond Nonsens.

MAD MAX und MAD MAX II haben es geschafft trotz der Fortentwicklung des Kinos, der CGI Effekte und verbesserten technischen Möglichkeiten der Zeit Stand zu halten. Beide Filme liefern hocheffektives Actionkino mit einer unnachahmlichen Machart. Die Filme bestechen durch innovative Einfälle, furiosen Kamerafahrten und einer schaurigen Vision der Zukunft. 

Klassiker.

Aus Australien,

Rick Deckard

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