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Vom Spotttölpel zum roten Spatz

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 12. Januar 2019, 12:38pm

Kategorien: #Filme

Vom Spotttölpel zum roten Spatz

Fast wäre ich versucht zu sagen: Der "gute alte" kalte Krieg. Gut und alt beziehen sich selbstverständlich auf das durch diesen Krieg geprägte Kino vom Ende der 40'er Jahre bis in die 1980'er, kein Krieg ist "gut" und er wird auch nie "alt".

Fast 40 Jahre wurde Hollywood durch die Politik von Ost und West beeinflusst, was sich in unzähligen Filmen niederschlug und die "Faszination" der Traumfabrik für diese Ära ist ungebrochen. Jedes Jahr erscheint mindestens ein Film, der sich mit dieser Zeit beschäftigt, siehe zuletzt ATOMIC BLONDE und BRIDGE OF SPIES.

Der Grund liegt nahe: Es gibt eine klare Trennung von "Gut und Böse", die Rollen sind damit ebenfalls klar verteilt und die ganze Welt liefert die Schaubühne. Was will man mehr? Schurken brauchen Helden, den Bösewicht gilt es zu benennen, um selbst gut dazustehen und schöne Bilder von mondänen Städten haben wir immer schon im Kino geliebt - Orte zu denen wir gerne reisen würden.

All das bietet RED SPARROW. Erzählt wird die Geschichte einer Primaballerina in Russland, die durch einen Unfall ihrem Beruf nicht mehr nachgehen kann. Unfähig ihre Wohnung zu bezahlen und ihre kranke Mutter zu versorgen, nimmt sie einen heiklen Auftrag an, den ihr Onkel, der beim Geheimdienst arbeitet, ihr anbietet. Nicht ahnend, worauf sie sich da einlässt, nimmt Dominika Egorowa, gespielt von Jennifer Lawrence, den Auftrag an.

Interessanterweise bietet die Genesis der Hauptfigur Parallelen zu Black Widow aus dem Marvel Universum, wie man durch Recherchen im Internet erfahren kann. Doch dies nur am Rande für Comic Fans. Dass der Film am Ende stimmig wirkt verwundert nicht: Der Roman stammt aus der Feder von Jason Matthews, einem ehemaligen Mitarbeiter der CIA.

RED SPARROW bietet erstklassige Old School Unterhaltung. Der Film ist hochprofessionell inszeniert. Er bietet wechselnde internationale Schauplätze, hat eine epische Länge, erzählt die Geschichte langsam und bedächtig, aber trotzdem mit dem richtigen Tempo und Schnitt, er baut kontinuierlich eine brodelnde Spannung auf, die sich in zwei (nicht vorhersehbaren) Twists am Ende entlädt. Wie es sich für einen echten Cold War-Thriller gehört ist auch die Riege der Schauspieler hervorragend: Neben JLAW agieren Joel Edgerton, Jeremy Irons, Charlotte Rampling (in einer sagenhaft sadistischen Interpretation der "Lotte Lenya" aus James Bond - Liebesgrüße aus Moskau), Joely Richardson und Ciarán Hinds.

Der Film ist ein klassisches Star Vehikel, der vor kurzem verstorbene William Goldman wäre hoch erfreut gewesen ihn zu sehen, denn er beherzigt die Grundregeln: Alles dreht sich um Jennifer Lawrence. Sie ist auf dem Filmposter zu sehen und in nahezu jeder Einstellung des Films. Das ist nicht negativ gemeint, sondern ein Beispiel dafür, wie geschickt und mit welchem Kalkül Stars ihren Erfolg und Ruhm vorantreiben. Müssen sie auch, denn in der Stadt der Träume währt der Ruhm nicht lange.

Nach 2 Stunden und 21 Minuten erklingt die Musik zum Abspann und man war Zeuge eines äusserst spannenden Spionagethrillers alter Machart. Einzig einige explizite Sex & Crime Szenen sowie exzessive Gewaltausbrüche passen nicht so ganz in die Old School Machart. Aber die Produzenten wissen genau, was notwendig ist, um den Film ins Gespräch zu bringen, die Menschen neugierig zu machen und ins Kino zu locken. Und weil wir Menschen Sex und Gewalt schon immer gemocht haben, glauben sie es mir, bleiben auch genau diese Szenen lange in Erinnerung.

Apropos Musik: James Newton Howard schrieb eine hervorragende und passende Musik zum Film. Wer keine Muße hat, sich alle Tracks anzuhören, dem sei die Ouvertüre empfohlen und v.a. die End Titels, in letzteren fasst Newton Howard die Themen noch einmal hörenswert zusammen.

War JLAW jüngst noch ein Spotttölpel, so ist sie jetzt ein roter Spatz. Doch Vorsicht! Wie wir seid Hitchcock wissen, ändern Vögel ihr Verhalten.

Aus dem Gorky Park,

Rick Deckard

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