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Sinnlose Filme Teil II: 3 Anschlagtafeln ausserhalb von Ebbing, Missouri - Martin McDonagh

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 31. Dezember 2018, 13:52pm

Kategorien: #Filme

Sinnlose Filme Teil II: 3 Anschlagtafeln ausserhalb von Ebbing, Missouri - Martin McDonagh

Den ersten Absatz aus dem vorherigen Artikel zu dem Steven Spielberg Film könnte ich 1:1 in diese Besprechung kopieren. Was die sogenannten "Oscar Filme" betrifft, so bin ich in den letzten Jahrzehnten außerordentlich skeptisch geworden und diese Skepsis hat sich in vielen Fällen bewahrheitet. Ich "meide" nahezu alle prämierten Filme, weil sich im Nachhinein herausstellt, wie mechanisch sie auf die Statue aus Gold zugeschnitten sind.

Geschichten erzählen

Es gibt für mich persönlich einen Kardinalfehler beim Erzählen: Den Zuschauer am Ende mit seinen Gedanken alleine lassen, die Handlung einfach beenden und ein Ende wählen, das offen bleibt. Für mich ist dieses Vorgehen ein Beleg für mangelnde Fähigkeit, Fantasie und Können im Zusammenhang mit der Kunst eine Geschichte zu erzählen. Es ist, als würde man anfangen zu kochen, alle Zutaten miteinander vermengen, um dann am Ende alles einfach stehen zu lassen. Soll sich doch jeder selbst sein eigenes Gericht kreieren! Das ist künstlerisch schwach und wenig ambitioniert. Am Ende von 3 Billboards habe ich mich wahnsinnig geärgert, meine Zeit für diesen Film verschwendet zu haben, denn McDonagh baut eine irrsinnige Spannung auf, nur um diese am Ende in Nichts verpuffen zu lassen. Den Masochisten unter den Filmkritikern hat das auch noch gefallen. Unglaublich! So kann ein Film nicht funktionieren und auch nicht seine Zeit überdauern.

Meisterregisseure

Ein Grund, warum ich Regisseure wie z.B. Alfred Hitchcock, Sergio Leone, David Lean, Stanley Kubrick, Sam Peckinpah, Martin Scorsese, Oliver Stone, Howard Hawks, John Ford, Jean-Pierre Melville, Ridley Scott, Clint Eastwood, David Fincher, Michael Mann (ohne chronologische Reihenfolge) und so viele andere mehr schätze, ist, dass sie in der Lage sind Geschichten zu erzählen, mit einem Anfang, einem Mittelteil und einem Ende. Sie gehen Wagnisse ein und erzählen ihre Geschichten ... zu Ende. Dazu bedarf es Mut und Können. Und: Sie lieben ihre Zuschauer. Das ist einer der Hauptgründe, warum die genannten so erfolgreich sind bzw. waren und ihre Filme die Zeit überdauern werden.

Genre

Über 3 Billboards würde sich in Cineasten-Kreisen vortrefflich diskutieren und streiten lassen. Der Film funktioniert nicht und ist schlecht, weil McDonagh keinen Mut aufbringt, ihm einem Genre zuzuordnen und zeitgleich sich damit vollkommen übernimmt und den Film überlädt. Was ist er? Komödie? Thriller? Drama? Es ist nicht verboten Genres miteinander zu kombinieren, nur muss man das auch beherrschen. Um auf den Vergleich mit Kochen zurückzukommen: Verschiedene kulinarische Wurzeln miteinander zu vermischen, dazu bedarf es eines hohen Wissens und Könnens, sonst schmeckt das Gericht nicht.

Schauspielerische Leistungen

Vorsicht ist geboten bei der Bewertung der Leistungen in diesem Film. Frances McDormand ist zweifelsfrei eine gute Schauspielerin, doch man darf Können und Rolle in diesem Fall nicht miteinander verwechseln. Faszinierend ist der dargestellte Charakter der Mildred Hayes, aber nicht die Mittel, die McDormand aufwendet, um diese darzustellen, denn die sind recht bescheiden! Natürlich bedingt das eine das andere, aber in diesem Fall ist das, was Hayes an Ansichten von sich gibt das z.T. Faszinierende, nicht etwa die Schauspielkunst der McDormand. Eine sehr gute Interpretation, aber auch nicht wieder so herausragend, wie alle meinen.

Sam Rockwell liefert eine beachtliche Leistung ab. Hoch interessant dabei weniger seine mimische Darstellung, sondern vielmehr die Physis, seine Körpersprache, die wirklich grossartig ist, über seinen Körper drückt er sein Innenleben aus.

Handlung

Zuschauer darf man nicht verarschen und am Ende alleine lassen. 3 Billbords wartet mit einer der schwachsinnigsten Handlungen auf, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Die Wut und Trauer der Protagonistin ist nachvollziehbar, auch ihre Aktion zu Beginn, was aber dann folgt, ist schlicht hanebüchener Unsinn, der sich jedweder Logik entzieht. Die sich formierende Spirale der Gewalt ist zu Beginn noch aus sich selbst heraus plausibel, nur um am Ende in Trash zu enden. Es werden Fährten gelegt, die im nirgendwo enden, nur um die Zeit zu überbrücken. Menschen, die vorher üble Rassisten waren und anders aussehende gefoltert haben, werden plötzlich über Nacht durch einen einzigen Brief und der Aufforderung zur Liebe geläutert. Was für ein Blödsinn. In einem Moment ist der Film ein Drama, wird dann zur absurden Komödie, die plötzlich nichts mehr ernst nimmt, um dann wieder mit Thriller-Elementen zu spielen. Gefühle werden provoziert, um sie ins Leere laufen zu lassen und am Ende ärgert man sich, seine Zeit mit diesem Quatsch vergeudet zu haben.

Nein, ich gehöre nicht zu denen und stimme nicht ein in den Kanon derjenigen, die diesen Film als Meisterwerk betrachten. Es ist ein Sinn entleerter Film. Philosophische und sozialkritische Gedanken gehören in ein Buch, aber nicht auf die Leinwand. Die ist dafür da, um den Zuschauer zu unterhalten und um ihn am Ende mit einem Ende zu entlassen.

​​​​​​​Ich liebe diesen Blog und zwar aus folgendem Grund: Lesen Sie einmal weiter unten nach, wie Alan Lomax diesen Film bewertete. Faszinierend zu lesen, auf wie unterschiedliche Art und Weise Menschen einen Film betrachten.

Rick Deckard

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