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Sicario 2 - Stefano Sollima

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 30. Dezember 2018, 18:46pm

Kategorien: #Filme

Sicario 2 - Stefano Sollima

Minimalismus

Wenn Denzel Washington der Charles Bronson der Gegenwart ist, dann ist Benicio del Toro das Pendant zu Robert Mitchum. Bereits in SICARIO, dem sensationellen Actionthriller von Denis Villeneuve, machte del Toro mit seinem Minimalismus auf sich aufmerksam, diesem Spiel mit dem so gering wie möglichem und notwendigem Einsatz von Mimik und Physis. Genauso wie Overacting ist dieses "Schauspiel auf Sparflamme" eine Kunst und nicht jeder beherrscht sie. Bei del Toro wird es zur Schauspielkunst.

Sicario 2- Day Of The Soldado stellt eine Ausnahme bei den Fortsetzungen dar, weil es Regisseur Stefano Sollima, Sohn des gleichnamigen u.a. Italo-Western Regisseurs Sergio Sollima, gelingt den Tenor und die Stimmung des Originals aufzunehmen und auf gleichem Qualitätsniveau fortzusetzen.

"S", ein Bekannter von Alan Lomax, hat dieses Jahr einen der besten Sätze im Zusammenhang mit der Leidenschaft und Begeisterung für das Kino geprägt, der für mich wiederholt zur Leitschiene von Bewertungen von Filmen geworden ist, weil er die Essenz eines Kinobesuches perfekt zusammenfasst:

Ich liebe es fett und hochprofessionell

Sicario 2 ist ein hochprofessionell inszenierter Actionthriller, der mit fetten Schauwerten und exzellent inszenierten Actionszenen aufwartet. Was insbesondere zu Beginn des Films auffällt, ist das Tempo, der langsame Rhythmus des Films, der Schnitt. Achten Sie, sollten Sie sich den Film ansehen, genau darauf, wie es Regisseur und Cutter gelingt Spannung aufzubauen.  Achten Sie dann darauf, wie der Star des Films Benicio del Toro in die Handlung eingeführt wird, wo die Kamera positioniert ist, wie er in das Bild gebracht und gefilmt wird. Genau wegen solcher Szenen liebe ich das Kino.

Seitens der Handlung nimmt der Nachfolger die Thematik des Krieges der Politik gegen die Drogen-Kartelle an der Grenze der USA zu Mexiko auf und erweitert diese um eine spekulative Variante, die die Journalisten der professionellen Zunft aufhorchen und zu allerlei Parallelen zur aktuellen politischen Situation der USA hinreißen liess.

Filmkritiker

Apropos "professionelle" Filmkritik: Mir ist aufgefallen, dass die gelernten Journalisten, wenn sie Filme besprechen, dies fast alle nach dem gleichen Schema tun. Kaum einer hat den Mut einen anderen Weg einzuschlagen, neue Sichtweisen anzunehmen. Stets wird der Film von der Metaebene aus betrachtet und nach bestimmten Vorgaben analysiert. Ein Beitrag liest sich wie der andere. Das ist erstens nicht nur langweilig, sondern es wird ersichtlich, wie wenig sich diese Menschen wirklich für das Kino, den Film an sich begeistern können, wie wenig sie sich mit Hingabe und Leidenschaft für diese Kunst interessieren. Stets geht es um die Einbindung in einen Kontext, kaum einer schaut sich Filme um ihrer selbst Willen an.

Reaktionär

Kritisiert wurde an Sicario 2 sein reaktionäres Gedankengut. An dieser Stelle kann ich nur sagen: 6, setzen! Reaktionäre Filme gehören seit je her zum Kinokosmos und sind genauso wichtig und notwendig wie aktionäre (!) Filme. Um wie vieles wäre die Kinowelt ärmer, gäbe es keinen John Milius, keinen Arnold Schwarzenegger, keinen John Wayne, keinen Shane Black usw., die Liste liesse sich endlos fortsetzen. Gerade dieses Gedankengut macht doch den Reiz eines Filmes aus.

Im Falle von Sicario 2 spiegelt sich dieses Gedankengut wider in einem der weiteren Superstars des zeitgenössischen Kinos: Josh Brolin. Der Typ ist einfach famos! Nicht nur, dass er eine der besten deutschen Synchronstimmen bekommen hat, er hat diese unglaubliche Leinwandpräsenz, die nur ganz wenige Schauspieler auszustrahlen vermögen. Brolin ist Charakterdarsteller und Actionstar in Personalunion und er erinnert mit seinen Auftritten an die Filmhelden vergangener Tage.

Day Of The Soldado

​​​​​​​Sicario 2 ist in keiner Sekunde langweilig, ein superb inszenierter Actionthriller, dessen Ende zweifelsfrei die Hoffnung auf einen dritten Teil schürt, dann mit wieder einem anderen Regisseur. Es bleibt also zu hoffen, dass er an der Kasse erfolgreich werden wird. Day of the Soldado reicht nicht ganz an die Qualität seines Vorgängers heran, bietet aber Mainstreamkino par excellence mit vielen Schauwerten und einer spannenden Handlung. Genau wie im ersten Teil ist auch die Fortsetzung exquisit fotografiert. Lieferte Roger Deakins bei SICARIO die atemberaubend schönen Bilder, so ist es diesmal der polnische Kameramann Dariusz Wolski, bekannt für seine Zusammenarbeit mit Tony und Ridley Scott, der beeindruckende Bilder von den Weiten des Westens präsentiert. Taylor Sheridan steuerte erneut das Drehbuch bei.

Robert Mitchum, hätte er den Film gesehen, würde seine Zigarette nach der Vorstellung lässig in die Ecke schnipsen, seinen Hut aufsetzen, verschmitzt lächeln und mit seinem legendären Gang das Kino verlassen.

Von der Grenze,

Rick Deckard

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