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Bad Banks - Herausragende serielle Unterhaltung!

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 29. Dezember 2018, 13:23pm

Kategorien: #Fernsehen

Bad Banks - Herausragende serielle Unterhaltung!

In der letzten Folge der Serie spricht der fiktive Innenminister über das "Bankengesocks". Ich habe mich beim Betrachten der Serie gefragt, wie nah die Darstellung der Bänker und ihrer Arbeit an die Realität herankommt? Die Kunst imitiert die Realität. Ich vermute, dass, abgesehen von dramaturgisch notwendigen Verzerrungen, die reale Welt des Banken- und Finanzwesens nicht unähnlich der in der Serie ist, ohne generalisieren zu wollen. Es ist ein in sich geschlossenes Universum, in dem alle Facetten menschlicher Abgründe und negativer Verhaltensweisen zum guten Benehmen gehören. Die Präsentation dieses Universums ist das grösste Kapital einer der besten deutschen Serien neben Babylon Berlin.

Junge, karrieregeile Bänkerin

In Bad Banks wird die Geschichte einer Bänkerin erzählt, die sich als das Ergebnis einer Intrige genötigt sieht, im Bereich Investmentbanking einer grossen Bank in Frankfurt am Main zu arbeiten. Sie soll ein Geschäft abwickeln und zeitgleich brisante Informationen weiterleiten, Industriespionage betreiben. In diesem Spannungsfeld wird die Protagonistin förmlich zerrieben. Spannend ist nicht nur mit anzusehen, wie sie diese Herausforderung bewältigt, sondern in welchem sozialen Umfeld sie sich dabei bewegt.

Hervorragende Darsteller

Allen voran Paula Beer, die mit ihrer Darstellung der Jana Liekam eine grossartige Leistung abliefert! Ihr zuzusehen, wie sie den Charakter der Bänkerin porträtiert, mit dem Getriebensein, der Zerrissenheit zwischen Berufs- und Privatleben, dem Versuch sich in einer gänzlich unmoralischen Welt einen Rest an Anstand zu wahren, die Darstellung der Panikattacken und ihre Kraft in einer von Männern dominierten Welt zu überleben ist Hochgenuss. Fantastische Leistung! Fast glaubt man Beer ist Liekam.

Aber auch abseits von Paula Beer, ein weiterer Pluspunkt, ist die Serie bis in die kleinsten Nebenrollen hervorragend besetzt. Die Casting-Abteilung hat perfekte  Arbeit geleistet. Kultverdächtig die Leistung von Barry Atsma, der als Liekams Vorgesetzter mit seinen scharf geschnittenen Anzügen, einer babylonischen Sprachverwirrung aus Niederländischem Akzent, Englisch und Deutsch eine fantastische Gratwanderung zwischen Schauspielkunst und Trashperformance abliefert, absolut grossartig! Hervorstechend auch Albrecht Schuch, an dem die ganze Tragik eines Bankers (in dieser Welt) sichtbar wird, sowohl physisch als auch bezüglich der Darstellung des Seelenlebens dieses Charakters ist Schuch furios. Ergänzt wird dieses Triumvirat durch die eiskalt agierenden Tobias Moretti und Désirée Nosbusch, Bösewichter im besten Sinne sowie Marc Limpach und Jörg Schüttauf.

Bad Banks - Good Entertainment

Faszinierend die Welt der "denglisch" sprechenden Bänker, die einem in ihren Anzügen und Kostümen leid tun. Faszinierend zu sehen, von welcher Gier sie getrieben werden, wie sie jeglichen Anstand und Moral über Bord werfen, lügen, betrügen und dabei nur ein Ziel verfolgen: Geld, Geld und noch mehr Geld.

Die Serie ist hoch professionell produziert. Wechselnde Schauplätze, eine gute Kameraarbeit und ein hohes Tempo halten den Zuschauer bei der Stange. Doch das grösste Plus von Bad Banks sind die Schauspieler. Es hat grosse Freude bereitet wieder einmal Zeuge hervorragender Schauspielkunst zu sein.

Die erste Staffel ist wie ein permanent anhaltender Adrenalinschub. Der enorme Druck, unter dem die Hauptdarstellerin und ihre Mitstreiter stehen, überträgt sich auf den Zuschauer und wenn "Binge Viewing" in Zeiten modernen und sinnlosen Fernsehkonsums eine Daseinsberechtigung hat, dann durch diese Serie. Die Geschichte wird auf das Wesentliche verdichtet und zieht die Zuschauer mit der Gravität eines schwarzen Lochs in ihren Bann. Mit fiebriger Intensität schreitet die Erzählung voran. Selten eine Serie gesehen, die so packend erzählt wurde. Von Vorteil dabei ist die Länge mit 6 Folgen.

Bad Banks ist ein stimmiges, vermutlich authentisch gezeichnetes Porträt des Banken- und Finanzwesens, das mit seiner professionellen Produktion, herausragenden Darstellern und einer mit einer hohen Intensität erzählten Geschichte vollends zu überzeugen weiss. Doch das, was mich persönlich am meisten beeindruckt hat ist die Tatsache, dass die Serie eine Facette, ein Spiegelbild des Menschen vorführt, das der Realität sehr nahe kommt.

Good stuff! ​​​​​​​Come on, let's go!

Aus Luxemburg,

Rick Deckard

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