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Airport '77 / The Concorde ... Airport '79 - John Cacavas und Lalo Schifrin

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 12. Dezember 2018, 21:14pm

Airport '77 / The Concorde ... Airport '79 - John Cacavas und Lalo Schifrin

In den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war Fliegen etwas besonderes, exklusives. Der Status des Piloten und der Stewardess war unerreichbar, die soziale Anerkennung hoch, der Beruf begehrenswert. Diese Berufsgruppen umgab eine Aura durch die Style, Fetisch und Erotik schimmerte. Heute in Zeiten der Vielfliegerei und des Massenphänomens Fliegen ist das nur schwer vorstellbar. Der Beruf des Piloten mag weiterhin begehrenswert sein und einen hohen Status geniessen, Stewardessen hingegen wurden mit ihren männlichen Kollegen zu Flugbegleiterinnen und später durch den Mob zu "Saftschubsen" degradiert (was eine nicht haltbare Denunzierung ist).

Kein Wunder also, dass auch Hollywood sich dieses Phänomens annahm und mit den AIRPORT Filmen Kassenschlager produzierte. Den Anfang machte die Verfilmung eines Romans von Arthur Hailey: AIRPORT. Kennzeichen dieser Filme war die Präsentation von Charakteren und Einzelschicksalen auf der Basis eines Katastrophenszenarios, zumeist getriggert durch kriminelle Energien. Diese Kombination war neu und prompt wurde der Film von George Seaton zu einem Kassenschlager. Dazu trug eine, Eigenheit dieses Subgenres, zumeist bunt zusammengewürfelte Truppe aus Stars und renommierten Schauspielern bei, die sonst jeder für sich alleine einen Film zu tragen hatten. Den Anfang des gebeutelten Piloten, der zum Held wird, machte Superstar Burt Lancaster, später gefolgt von Chuck Heston, Jack Lemmon und Alain Delon. Allein an diesen Schwergewichten erkennt man die Bedeutung, die Hollywood diesem Genre beimaß.

Alfred Newmans sensationeller Score zu AIRPORT wurde zu einem Klassiker des Genres, ein Paradebeispiel für hochmelodisches Pop-Scoring. Der Main Title ist furios und spiegelt musikalisch alles das wieder, was man gemeinhin mit einem Flughafen assoziiert. Das Cover war stilbildend. Aber auch alle anderen Tracks aus diesem Album sorgten (und sorgen) für grossen Hörgenuss.

La La Land hat zwei Musiken dieser Reihe auf einer Doppel-CD veröffentlicht, zum einen die Musik von Cacavas zu AIRPORT '77 und Schifrin's Komposition zu dem letzten Teil THE CONCORDE ... AIRPORT '79. Ersterer hatte bereits zu dem Vorgänger AIRPORT '75 die Musik geschrieben und sein Main Title steht dem von Newman in nichts nach, ebenfalls ein grosses Thema!

Die Scheiben hinterlassen nach dem ersten Hördurchgang einen sprichwörtlich zwiegespaltenen Eindruck. Trotz Anerkennung Cacavas' für seine Beiträge verbleibt nach AIRPORT '77 ein eher schaler Beigeschmack. Sein Hauptthema nimmt die Idee des Vorgängers auf und variiert dieses nur unwesentlich. Die Musik ist nur etwas für leidenschaftliche Sammler und "Komplettisten". Dabei kann man ihm keinen Vorwurf machen, denn die Musik trug sicherlich zur Erhaltung der Spannung bei und lieferte die notwendigen und fehlenden emotionalen Nuancen. Als Hörerlebnis abseits der Bilder ist das ganze dann doch ziemlich fad, weil, gebunden an die Handlung und Action auf der Leinwand, dem Komponisten wenig Spielraum blieb eingängige Themen oder Melodien zu schreiben. Hier und da horcht man auf, am Ende überwiegt jedoch die Erkenntnis, dass nicht jede neue Veröffentlichung auch im Regal stehen muss.

Airport '77 / The Concorde ... Airport '79 - John Cacavas und Lalo Schifrin

Anders hingegen der Beitrag zu THE CONCORDE ... AIRPORT '79 von einem weiteren Star im Filmmusik-Kosmos: Lalo Schifrin. Der 1932 in Buenos Aires geborene Boris Claudio Schifrin avancierte mit Titelthemen zu diversen Fernsehserien und seinen Klassikern zu BULLIT und DIRTY HARRY nicht nur zum Helden für Lomax & Deckard. Sein Shifting Gears aus BULLIT war die Begleitung zum Autofahren für uns beide. Die Vorstellung des jeweils anderen beim Autofahren zu diesem Track führte zu asthmatischen Lachanfällen. You remember Lomax? Gelebte Filmmusik und Kultstatus!

Schifrin's Beitrag zur AIRPORT Reihe hat einen grossen Unterhaltungswert. Er komponierte selbstredend ein der Concorde gebührendes Thema und mit dem Track Love Rhapsody (als auch Welcome Aboard) bewies er sein Gespür für melodische Popmusik im orchestralen Gewand, ein Highlight in der Zusammenstellung. Der Argentinier legt den Schwerpunkt auf Streicher, Blech und Holzbläser und unterstreicht gekonnt die dramatischen Höhepunkte über den Wolken wie auch die spannungsgeladenen Momente auf der Erde.

Das einzig negative und der Hauptgrund woran diese Produktion krankt, ist die Länge des Scores mit insgesamt 24 Titeln und 68:34 Minuten Laufzeit. Gerade in den Actionpassagen schleicht sich bei fortschreitendem Hören ein Überdruss ein. Stiltisch kann man Schifrin keinen Vorwurf machen, jedoch wird das Hörererlebnis durch eine sich einschleichende Monotonie getrübt. Weniger wäre in diesem Fall auf jeden Fall mehr gewesen. Entweder eine Komprimierung oder die Zusammenstellung prägnanter Höhepunkte mittels einer Suite. Nichts desto Trotz ist die Veröffentlichung seiner Musik ein willkommenes Geschenk und fügt sich nahtlos in das Oeuvre dieses so talentierten Komponisten ein.

​​​​​​​THE CONCORDE ... AIRPORT '79 ist der einzige Film der Reihe, den ich noch nicht gesehen habe und nach dem Informationen im Booklet und der Recherche im Netz wird das Verlangen grösser ihn zu sehen. Nicht nur, weil der legendäre George Kennedy mitspielt, der mit seiner burschikos-proletarischen Art stets für einen Lacher sorgt, sondern auch, weil der Streifen als Trash gilt und gemeinhin zu den 100 schlechtesten Filmen zählt, die je gedreht wurden. Die Logiklöcher sollen immens groß sein, die Actionszenen werfen wohl sämtliche Erkenntnisse des Menschen zur Physik über Bord (u.a. ballert Kennedy in einer Szene während einer Verfolgungsjagd mit einem Maschinengewehr durch das Cockpit auf einen Düsenjet und das selbst in einem Überschallflieger sitzend ...  Ich muss den sehen). Während einer ersten Pressevorführung lachten sich Industrielle und andere geladene Gäste schlapp und auch die Testvorführungen endeten im Desaster, woraufhin der Verleiher den Streifen als Komödie (!) promotete. Der arme Delon, wollte er doch mit diesem Film in Amerika Fuss fassen. Das hat der Beau nicht verdient.

Das Booklet ist wie zu erwarten informativ und gut bebildert. Es gibt Trackanalysen zuhauf und viel wissenswertes zu erfahren. Die Soundqualität ist erstklassig, insbesondere zu dem Schifrin Score.

Isabelle: You pilots are such ... men.

​​​​​​​Capt. Joe Patroni: They don't call it the cockpit for nothing, honey.

Supersonic!

Rick Deckard

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